Ausgabe 
26.2.1888
 
Einzelbild herunterladen

5 8 1

8 70.

lohnt nicht das Hinausgehen. möglich auf. l

Soll ich Ihnen schnell noch Kaffee besorgen? fragte die kleine Hexe wirklich bezaubernd lieblich, meine Luise umschlingend. Ich laufe schnell hinaus ja?

Während der nun folgenden Verdauungssiesta plauderten wir mit Fräulein Mathildens Ritter über Annendorf. Er er kundigte sich nach Diesem und Jenem, und so fiel auch der Name Graumann von den Lippen meiner Gattin.

Sofort verfinsterte sich Welsings interessantes Gesicht für Sekunden, bis er etwas zögernd fragte:Kennen Sie die Familie näher?

Näher? Nein! Wir wohnen in einem Hause. Ich könnte nicht sagen, daß mir Vater und Tochter besonders sympathisch seien!

Nicht? Ist nicht noch eine zweite Tochter vorhanden? forschte er, den Staub von seinem Hut klopfend.

Doch! erwiderte ich ohne Arg.Sie scheint bedauernswerth.

Kennst Du sie denn? rief Luise lebhaft aufhorchend.

Bewahre, Schatz! Wir hörten ja gestern Mittag Es konnte mir doch nicht einfallen, vor diesen beiden Zeugen eine Eifersuchtsszene heraufzubeschwören.Bist Du fertig, so können wir wohl aufbrechen? g

Während die beiden Damen langsam voranschritten, wandte sich Arnulf Welsing energisch zu mir.Sie sagten vorhinbe dauernswerth, also ist sie unglücklich? Weshalb glauben Sie, daß Edith Graumann unglücklich ist? Seien Sie aufrichtig. Was hier gesprochen wird, bleibt unter strengster Diskretion, mein Wort darauf! N

Eine individuelle Vermuthung ist meine ganze Begründung, erwiderte ich, über den finstern Eifer des Fremden billig erstaunt. Mir scheint, der Alte will die jüngste Tochter zu einer ver haßten Heirath drängen.

Verhaßt? rief Welsing, und seine Nasenflügel zitterten vor Erregung.

Vermuthung meinerseits sage ich Ihnen ja. Und weiter scheint die junge Dame über eine hoffnungslose Liebe den Ver stand eingebüßt zu haben.

Was? rief der Fremde, den Hut vom Kopf reißend, als würde ihm plötzlich zu heiß.Was sagen Sie? Edith Grau mann liebt?

Mir kam das gestrige nächtliche Rendezvous plötzlich sehr lebhaft in Erinnerung.Liebt, ja sagte ich zögernd,oder hat den Verstand aus irgend einem andern Grunde eingebüßt. Eins von beiden stimmt sicher.

Morgen komme ich nach Annendorf, erklärte Welsing mit erzwungener Ruhe,und fordere Rechenschaft. Meine Zweifel waren nur zu wohl begründet. Leben Sie wohl und empfehlen Sie mich Ihren Damen!

Damit reichte er mir kurz die Hand, grüßte mit möglichster Beschränkung aller Formalitäten und eilte davon.

Das kann ja für mich äußerst angenehm werden! murmelte ich verdrießlich über mein unnöthiges Geplander.Alle fünf Schritte eine neue Unannehmlichkeit. Der Mensch wird doch nicht so rasend sein, einen bloßen Verdacht unter Anklage zu stellen und mich gar als Zeugen vorzuschlagen, mich, den harm losen Sommerfrischler? Pah, ich habe ja sein Ehrenwort!

Damit beschloß ich, meiner Luise vorläufig garnichts davon zu sagen, um sie nicht nutzlos in Angst zu versetzen. Ich schritt nun hurtig voran und holte meine Damen gleich hinter dem Dorfe ein.

Auch brechen wir sobald als

(Fortsetzung folgt.)

Kleine Frauen-Zeitung.

Die Mode.

e Man sollte meinen, daß die winterlichen Moden sich mehr und mehr befestigten, je weiter wir in die Saison vorrücken, aber Alles bleibt un, entschieden, dem persoͤnlichen Geschmack überlassen, und man kann nicht sagen: dies oder jenes ist Mode, da man Alles trägt.

Dias schwarze Sammetkleid bleibt immer eine der hübschesten Toiletten einfacherer oder groͤßerer Eleganz und gehort zu denjenigen, welche am

meisten gewählt werden, sich der meisten Erfolge rühmen können. Für die jungen Frauen ist es ein Rahmen, welcher die Weiße der Schultern, den Glanz des Teints hebt, auf das Vortheilhafteste in's Licht setzt; und für Damen eines reiferen Alters oder sagen wir: mittelalterliche Damen, welche die hellen Stoffe verlassen müssen, giebt es nichts Günstigeres, Kleidsameres als die schwarze Sammetrobe!

Man bereitet dieselbe mit ziemlich langer Schleppe. Diese Schleppe, besonders umzulegen oder an den Rock geschnitten, wird stets mit schwarzem oder farbigem Atlas gefüttert und mit einer Zwischenlage aus Steif⸗ muslin oder leichtem Molleton versehen. Im Allgemeinen giebt man der Sammetrobe, um sie eleganter zu gestalten oder ihr Schwarz durch etwas mehr Farbe zu beleben, ein Tablier, oben schmal und nach unten breiter auslaufend. Dasselbe kann aus schwarzen Chantillyspitzen sein, welche in ihrem Duft, ihrer Leichtigkeit allein bleiben, oder mit Outpure de Bruges oder anderen weißen, kostbaren Spitzen vermischt, oder durch Jetgehange bereichert werden und hier von einem schwarzen, dort von einem farbigen Moire- oder Atlasfond sich abheben. Oder das Tablier wird durch Gold- oder Silberbrokat, durch einen Stickereistoff, durch eine abgepaßte Stickerei in Perlen, Gold, Silber Flittern ꝛc. reprasentirt.

Wenn man das schwarze Sammetkleid mit zwei Leibchen ausstattet, so läßt es sich den verschiedenartigsten Gelegenheiten dienstbar machen. Das eine, mehr praktischer Art, würde kurzschößig, am unteren Rande gerundet, vorn geöffnet und die Oeffnung von großen Sammetrevers umrahmt und zur kleineren Halfte mit Spitzen verschleiert sein, oder es wäre vorn wie im Rücken ein wenig herzförmig zu öffnen, ohne Hülle, so daß der Sammet unmittelbar die Haut berührt, oder mit einer Guimpe aus elfenbeingelbem, plissirtem Krepp. Die Aermel, welche gerade bis unter den Ellbogen reichen, sind zur unteren, resp. inneren Hälfte aus Sammet, zur oberen, resp. außeren Halfte aus krausgezogenen Spitzen, welche der Quere nach mit kleinen, gebundenen Bandspangen ge⸗ halten werden. Das andere Leibchen, derStaatstoilette zudiktirt, müßte nach der alten Mode rings ausgeschnitten und mit kurzen, Aermelchen oder schmalen Armspangen versehen sein. Als Ausputz ein Blumenzweig, welcher von der linken Schulter bis zur Mitte des Ausschnitts geht und hier durch eine Agraffe oder Broche mit Edelsteinen befestigt wird.

Die Mode begünstigt ferner die schwarz und weiß gemischten Kleider, doch bietet eine derartige Zusammenstellung, welche sich leicht in's Banale oder Auffallende verirren kann, große Schwierigkeiten, und es gehort schon sehr, sehr viel Geschmack, eine kunstgeübte Hand dazu, um ein glückliches Resultat zu erreichen. Eine der Farben darf nur vorherrschen, während die andere als Ausputz dienen muß. Ich beschreibe Ihnen ein schwarzes Sammetkleid in diesem Genre. Es bestand aus einem einfachen Rock, welcher sich nach unten zu in regelmäßigen Zwischenraumen über plissirte Fachertheile aus schneeweißem Bajaderenstoff öffnete. Das Leibchen sehr originell im Schnitt, sehr neu in der Form, bildete eine Art Mieder, ziemlich tief ausgeschnitten und mit schmalen Achselstreifen versehen und vorn mit Schnüren geschlossen; es wurde durch ein hohes, plissirtes Chemiset aus dein Bajaderenstoff vervollstandigt. Dieses Ge⸗ webe diente auch zu den Aermeln, welche, gerade bis über den Ellbogen sich erstreckend, oben plissirt waren und sich dann leicht bauschig gestalteten. Nichts Einfacheres als diese Robe, welche weder eine Blume noch Edelstein erhielt und welche sich trotzdem durch Distinction auszeichnete.

In anderer Komposition erschien eine Robe aus weißer Faille(ein umgemodeltes Brautkleid), mit Draperien aus weißem, gestreiftem Tüll, welche mit Rosetten aus schwarzem Moireband zusammengenommen waren. Hierzu wurden rothsammetne Mohnblumen im Haar, auf der Schulter und hinten auf der linken Hüfte getragen.

Zu den Tanzfestlichkeiten, welche wohl von den Bällen zu unter⸗ scheiden sind, und zu anderen geselligen Zusammenkünften legen die jungen Madchen immer noch mit Vorliebe einfache Kleider aus Voile an, welcher Stoff, seit einer Reihe von Jahren modern, neben all' seinen neuen Rivalen, das ihm gewidmete Attribut behält. Er zeigt sich schlicht in seiner ursprünglichen Gestalt, mit feinen Seidenstreifen in erneuertem Gewande, und wird in beiden Arten gern gewahlt, besonders rahmgelb, elfenbeingelb, rosa und blaßblau, seltener milchweiß, obschon dies sehr modisch ist. Derartige Kleider werden einfach drapirt und mit Band-. schleifen geschmückt und durch ein mäßig ausgeschnittenes Leibchen ergänzt fei es aus gleichem Stoff und dann a la vlerge krausgezogen und mit Gürtel oder einer Scharpe Directoire umspannt, sei es aus Atlas oder Sammet in derselben Nüance, noch mehr jedoch in dunklerem Ton und dann in Schnebbenform. So erhalt 17 B. ein rosa Rock ein granatrothes Leibchen, ein weißer oder rahmgelber Rock ein rubinfarbenes, saphirblaues oder moosgrünes Leibchen. Entsprechende Faille- oder Atlasband⸗ schleifen flattern dann auf den Schultern und rufen diejenigen des Rockes zurück. Als Haargarnitur hierzu dient eine kleine Aigrette oder ein Puff aus Seidentüll, in welchem ein oder zwei Schmetterlinge an beweglichen Stielen tanzen, oder man nimmt, je nachdem, ein kleines Blumenstraußchen oder eine der Zierden aus Band, Blattern nebst Schmetterling, welchen ich in meinem letzten Bericht gedachte. Man kann auch ganz einfach einen hübschen Kamm oder Phantasienadeln aus Schildpadd, Gold oder Silber in das Haar stecken. a

Bei der großen Vorliebe für die bunten Seiden, Perlen⸗ und Flitter⸗ Stickereien nahm man an, daß die Blumen auf Bällen in den Hinter⸗ grund gedrängt würden, doch ist dies keineswegs der Fall. Und wenn

man zu den schweren und kostbaren Seidenstoffen, die ja seit einer Reigsge

von Jahren vielfach zu Ballkleidern verwendet werden, einerseits jene Stickereien liebt und dazu noch den Schmuck von Strauß oder Marabout⸗

federn wählt, so leistet man andererseits auch auf beide Arten von Ausputz Verzicht und giebt den Blumen den Vorzug, oder verschleiert die Seidenroben mit durchsichtigen Geweben, welche dann ebenfalls durch Blumengewinde oder Blumensträuße zusammengerafft werden. Und die

einen