Ausgabe 
26.2.1888
 
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luftigen Balltoiletten der jungen Mädchen sahen in ihrem Schleifenschmuck,

den man daran versuchte, doch nichtballmäßig genug aus; sie können

der Blumen nicht entrathen, und diese umstricken nun ebensowohl die

1 Flittergewebe wie die einfarbigen, schlichten Tülle, Krepp- und azearten.

Ein anmuthiges Arrangement zu einer Toilette aus luftigen Ge weben wird, für den Rock, durch drei schlanke Blumenranken von un⸗ e and Länge gebildet, die auf der einen Seite ziemlich tief nieder⸗ fallen, und deren mittlere mit einer flatternden Schleife aus schmalem Bande abschließt. Auf der linken Achsel wie im Haar prangt je ein kleines Sträußchen mit Bandschleife, während sich auf der linken Seite vorn am Kleiderausschnitt wieder ein kleines Sträußchen, aber ohne Schleife, befindet, und auf der rechten Seite sich von der Schulter bis zur Schnebbe eine schmale Ranke zieht. Ganz reizend nehmen sich in dieser Anordnung

roße Maaßliebchen aus, weiß oder gelb, mit blaßblauen oder heliotrop ila Schleifen. Für eine junge Frau von glücklichster Wirkung!

Freilich läßt sich schwer angeben, welche Blumengattung den Vorrang einnimmt. Man trägt sie alle, die Kinder Flora's, von der stolzen Treibhaus⸗ und Gartenblüthe an bis zum bescheidensten Haideblümchen, sie nach seinem persönlichen Geschmack wählend, häufig aus Sammet mit raschelndem Seiden- oder Stofflaub, oder aus leichten Geweben und das Laubwerk aus Sammet, in letzterem Genre oft mit Bändern um schlungen. 5 f

Von graziösestem Effekt für ein junges Mädchen war ein weißes Tüllkleid über luftigen Unterkleidern, mit krausgezogenem Leibchen und geschmückt mit weißen Eriken, ferner ein rosa Tüllkleid, dessen Saum ein rosa Moireband eingenäht, über rosa Atlas. Das ausgeschnittene Atlasleibchen wurde von einem ebenfalls ausgeschnittenen, rosa Tüllfichü umrahmt, das sich auf der Brust kreuzte und auf der linken Seite der Taille mit einem Strauß von weißem Jasmin, auf der anderen Seite mit einem rosa Moireband abschloß; letzteres legte sich unterhalb der rechten Hüfte um den Rock bis nach hinten und wurde hier mit einer flatternden Baudschleife nebst Jasmintuff zusammengehalten. Dieselben Blumen im Haar und auf der Schulter.

Man versucht die Vögel in die Balltoilette einzuführen. Als Variante für eine junge Frau mag es einmal hingehen. Es sieht fremdartig, sehr schön aus. Aber lassen wir uns doch an den Vögeln auf den Hüten en und geben wir im Ballsaal dem Blüthenduft den Vorzug, Trotz⸗

em kann ich mir aber nicht versagen, Ihnen eine Vogelgarnitur der neuesten Mode zu beschreiben. Sie begleitete eine Robe aus rosa Tüll, durch welche ein Unterkleid aus gleichnüancirter Seide schimmerte. Ein schwarzes Sammetband war dem Saum des ersten Tüllrockes eingenäht, und ein ganz breites, schwarzes Sammetband drapirte sich in leichter Rundung vorn gegen den Rand des kurzschößigen Leibchens, auf der linken Seite mit einer kleinen Kleeblattschleife aus schmalerem Sammetband abschließend; von dieser fiel ein schwarzes Sammethand nieder und raffte mit einer langen Schleife den zweiten in bauschige Draperien geordneten Tüllrock auf. Den gerundeten Oeffnungsrand hier umflogen zwei

Schwalben, und zwei andere Schwalben ruhten auf der Sammetschleife.

Eine einzelne Schwalbe lehnte sich unten an die vordere Mitte des Leibchens oberhalb der erwähnten Sammetdraperie, und eine ebensolche Schwalbe krönte die vordere Mitte des Haares, während zwei ganz kleine Schwalben je die Schultern umflatterten.

Nichts Reizenderes und Moderneres als die Fächer, leicht wie ein Windhauch, aus weißer, schwarzer oder farbiger Gaze oder aus Spitzen, übersäet mit Gold-, Silber-, weißen oder blauen Stahl- und schwarzen Jetflittern! Die Gaze vornehmlich ist zu Fächerbezügen sehr gesucht, und sie zeigt sich in noch luxuriöserer Ausstattung mit entzückenden Malereien: leicht hingeworfene Blumenzweige, Scenen aus dem Vogelleben, mytho logische und pastorale Genrebildchen darstellend. Und derartige kleine Gemälde sind in Medaillonform den Fächerbezügen aus Chantillyspitzen und point d' Angleterre eingesetzt. Dann giebt es die vorbenannten Malereien nach wie vor auf einem Fond aus Atlas oder Faille, und alle diese Bezüge ruhen auf künstlerisch ausgestatteten Stäben von blondem oder jaspirtem Schildpadd, von weißer, grauer oder irisirender Perlmutter, von flittereingelegtem Holze verschiedener Art. Auch die weißen und die schwarzen Straußfeder-Fächer mit Schildpaddstäben erhalten sich in der Mode, doch müssen die Federn sehr schön sein, sonst sollte man lieber darauf verzichten. Straußfedern geringer Qualität wirken bei einem Fächer gewöhnlich und prätentiöbs. Der Umfang des modernen Fächers ist in mittleren Verhältnissen, mehr groß als klein.

Was nun den Stielfächer betrifft, so findet er, Dank seiner reizenden und graziösen Ausschmückung, wohl Liebhaberinnen. Hier führt er sich in Federn mit Schleifen- und Vogelausputz vor, dort in Krepp, reich bebändert und mit Blumenbüscheln geziert.

Die Wintersaison hat die Balayeuses in neuer Form und Ausstattung erstehen lassen. Es ist nicht mehr die Rede von dem Plissé aus spitzen⸗ besetztem Mull oder aus Spitzen, das ziemlich kostspielig und wenig dauer⸗ haft war, denn es schmutzte leicht und zerriß. Und so hat man dasselbe vortheilhaft durch ganz kleine Volants aus ausgeschlagenem Taffet, oder durch kleine Plisses aus Surah oder Atlas ersetzt, die eine zierliche Innen⸗ garnitur des Rockes bilden, unter welchem sie ganz wenig hervorgucken. Man wählt die Balayeuses in dem Ton des Kleides oder in demjenigen der Bänder, welche dasselbe schmücken. Also ein Rock aus rahmgelbem Wollenstoff mit einem Muster von rosa und himmelblauen Sträußchen nebst holzfarbenem Blätterwerk und mit holzfarbenen Bandschleifen wird eine Balayeuse von drei kleinen, ausgeschlagenen und übereinander fallenden Volants aus holzfarbenem Taffet haben dc. de. Der Taffet mit winzigen Carreaur, derjenige in Grisaille-Nüancen werden auch vielfach zu den Balayeuses verwendet, und der Contrast ist besonders glücklich, wenn das Froufrou der bunten oder in ein paar Tönen gehaltenen Seide,

einen einfarbigen Anzug begleitend, sich bei jeder Bewegung oder beim Gehen der Trägerin hör- und sichtbar macht. Zu schwarzseidenen Kleidern sind die ausgeschlagenen Volants aus weiß und schwarz karrirtem oder fein gestreiftem Taffet als Balayeuse sehr modern und distinguirt.

Lose Blätter.

Chinesische Monumentalbauten.(Siehe Illustrationen.) Die Chinesen sind wohl das konservativste Volk der Erde, gleichwohl befinden sich ihre Wege, Brücken, Tempel und Paläste selbst in einem kläglichen Zu⸗ stande des Verfalls. In dem ungeheuren Reiche befindet sich kaum mehr als ein Gebäude, welches älter ist als 250 Jahre. Peking, die gewaltige Hauptstadt, ist reich an stolzen Bauten und gewährt ein höchst interessantes Gesammtbild, aber alle seine Prachtbauten befinden sich im Zustande der Verwahrlosung. Unsere Illustrationen führen dem Leser zwei der merkwürdigsten Monumentalbauten Pekings, den in den kaiser⸗ lichen Gärten belegenen Porzellanthurm und den Tempel der Erde vor's Auge. Der letztere liegt außerhalb der nördlichen Stadtmauer. In der Anordnung dieses Gebäudes herrscht die Grundzahl Zwei, während bei dem Heiligthum der Jahresopfer Drei die Grundzahl bildet. Theologie und Geometrie gehen hier Hand in Hand. Den instischen Sinn der Zahlen hat noch kein Europäer ergründet, aber die Treppen haben nur oder 4 oder 8S Staffeln, die Zahl der Steinplatten, Geländer, Dächer ist stets 2 oder ist durch 2 theilbar. Der Tempel der Erde gehört zu den imposanten Bauwerken Chinas, aber er befindet sich, wie fast alle Monumentalbauten des ungeheuren Reiches, im Zustande des Verfalls und wird wenig besucht. Außer dem Tempel der Erde giebt es in Peking auch einen Tempel des Himmels; diesen aber dürfen nur der Kaiser, die Prinzen von Geblüt und sein Gefolge betreten. 1 55

Sehr reiche Leute mag es in Rußland geben, wo einzelne adelige Familien Ländereien von der Größe des Königsreichs Sachsen besitzen. Diese Gebiete sind meist schon längst urbar gemacht, es sind auch viel fach in denselben verschiedenartige industrielle Anlagen mit Glück unter⸗ nommen worden, so daß sie den Besitzern in der Regel Unsummen von Geld einbringen. Wie sehr sich in einzelnen Familien Rußlands das Vermögen angehäuft hat, ist besonders bei Erbregulirungen zu bemerken, wo nach der Vertheilung der Güter und Werthpapiere der Baarbestand in Gold und Silber nicht gezählt, sondern gewogen und die Unmasse von Geschmeide und kostbaren Schmucksachen über ein großes Hohlmaß gemessen wird. Auch auf ihren Reisen zeigen vornehme Russen ihren Reichthum und vergeuden oft Summen Geldes in unsinniger Weise. In Paris kommt es nicht selten vor, daß für russische Fürstinnen nebst Gefolge Schlafwagen bestellt werden, die bis Petersburg durchgehen. Die betreffenden Billets werden gelöst und bezahlt bleiben aber oft liegen, da die Damen sich inzwischen eines Anderen besonnen haben. Daß diese Aenderung des Reiseplanes 1000 M. kostet, hat nichts zu sagen. Freilich hat Niemand von solch' unsinniger Vergeudung des Geldes Gewinn nicht einmal die Bahnverwaltung, die natürlich die bestellten Wagen nach Petersburg gehen läßt, da ja die Billets gelöst%%%

Bestrafung der Feiglinge im dreißigjährigen Kriege. Wer in jener Zeit vor dem Feinde keinen Muth bewies, erfuhr eine schlimme Behandlung. Wallenstein, so viele Nachsicht er sonst auch gegen seine wilden Schaaren übte, zeigte sich doch gegen Einzelne und ganze Truppentheile, die in der Schlacht nicht gethan hatten, was die Ehre von ihnen forderte, un erbittlich. Als er, nach der verlorenen Schlacht bei Lützen, nach Prag kam, wurden elf Stabs- und andere Offiziere auf seinen Befehl vor das Kriegsgericht gestellt, und dessen Ausspruch gemäß vor dem Rathhause enthauptet. Ohne Beispiel in der Geschichte ist aber wohl, was damals zugleich mit dem Regiment Madelow geschah, welches zuerst in der Schlacht geflohen war. Das ganze Regiment wurde verhaftet, entwaffnet, und nach einem freien Platz vor dem Thore gebracht. Hier mußte der Nachrichter die Fahnen des Regiments verbrennen, alle Säbel der Mannschaft zer⸗ brechen, aus dem Eisen derselben wurden in bereit stehenden Feldschmieden Galgennägel verfertigt, an Wände und Bäume geschlagen und nun der zehnte Mann des Regiments, Offizier und Gemeiner, wie das Loos sie traf, an die Nägel aufgehängt. Der Rest wurde vogelfrei erklärt. Die Todesstrafe des zehnten Mannes in solchen Fällen hatten bekanntlich auch die alten Römer in Gebrauch. M.

In England besuchte Benjamin Franklin einst die Fabrikstadt Norwich. Einer der reichsten Fabriksherren führte ihn herum, zeigte ihm die für Italien, für Deutschland, für den Norden, für Westindien und für Amerika be⸗ stimmten Zeuge. Franklin, der in den Straßen von Norwich eine Menge in Lumpen gehüllter Kinder, Männer und Weiber gesehen hatte, fragte

menschenfreundlich und bitter zugleich:Werden denn hier keine Zeuge

für Norwich gewebt? NM.

Geistreich. Als die Königin Elisabeth von England ihre Provinzen besuchte, wünschte sie auch das Haus des Großsiegelbewahrers Baco zu sehen, welcher einer der außerordentlichsten Geister seiner Zeit war. Nach⸗ dem sie sinnend einige Minuten vor demselben gestanden, brach sie in die Worte aus:Mein Herr Kanzler, welch' kleines Haus habt Ihr! Madame, erwiderte Baco,mein Haus ist groß genug für mich, aber Ihre Majestät hat mich zu groß für mein Haus gemacht.