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Crocker, der Baron Hellenbach in Wien und der Freiherr de Prel beobachtet hatten, man hatte die Doppelgänger erwähnt, dabei den merkwürdigen Vorfall aus Goethe's Leben angezogen und mehrere unterrichtete und gebildete Männer hatten geradezu erklärt, daß es falsch sei, alle diese Dinge aus der Täuschung der Sinne oder gar durch schwindelhafte Taschenspielerei zu erklären, daß vielmehr hier noch dunkle und unerforschte Kräfte der Natur und des Seelenlebens thätig wären, und daß es falsch von der Wissenschaft wäre, sich so schroff ablehnend gegenüber diesen Dingen zu verhalten, statt sie beobachten.

Die Frau Geheimräthin hatte aber zu Denen gehört, welche ganz entschieden die Existenz derartiger Dinge und Phantome bezweifelten.Ohne Phosphor kein Gedanke, pflegte sie zu sagen und suchte von ihrem materialistischen Standpunkte aus diese ganzen Erscheinungen in das Reich der Sinnestäuschungen oder des Betruges und Aberglaubens zu verweisen..... Und nun auf einmal in später Nachtstunde dieses seltsame Geräusch, diese unheimliche Berührung! Doch die Geheimräthin war, wie gesagt, eine Frau von starkem Geist. Sie ermannte sich und warf einen spähenden Blick unter das Sopha.

Aber sie sah nichts Auffälliges.

Es war eine Täuschung, sagte sie halblaut, sich ihrer Furcht schämend.

In diesem Augenblicke brachte Marie den dampfenden Punsch.

Befehlen die Frau Geheimräthin noch etwas? fragte das Mädchen.

Nein, Du kannst zu Bett gehen, antwortete die Geheim räthin, an dem Punsch nippend. Es war ein vorzügliches Ge tränk, dieser Schlummerpunsch.

Allerdings ihr Arzt sah es nicht gern, wenn die Geheim räthin oft Punsch trank. Er behauptete, das heiße, starke Getränk verursache ihr Blutwallungen und ruinire außerdem die Zähne und den Magen. Indessen sie schlief vortrefflich nach dem Punsch, ihr Magen war bombenfest und was ihre Zähne betraf, so waren die allerdings schon in ihren Mädchenjahren schlecht ge worden durch das viele Vanille-Eis, das sie gegessen, so daß sie seit ein paar Jahren ein kleines Gebißstück mit vier falschen Zähnen tragen mußte.

Die Geheimräthin nahm das Glas und sog den würzigen Trank mit großem Behagen ein. Aber als sie den Humpen wieder auf den Tisch setzte, hörte sie dasselbe unheimliche Geräusch von vorhin und fühlte wieder jene sonderbare, unerklärliche Be rührung an ihrem Fuß.

Das war keine Sinnestäuschung mehr, gebilde!

Eutsetzt sprang sie auf. In ihrem Zimmer ging in diesem Augenblicke etwas Unerklärliches, Unheimliches vor, ein fremdes, unbekanntes Wesen mußte in demselben sein.

Ihre Hand griff nach der Klingelschnur. Doch noch einmal ermannte sie sich. Ehe sie sich vor ihren Leuten eine Blöße gab, durch eine grundlose Furcht lächerlich machte, wollte sie sich noch einmal selbst überzeugen, ob außer ihr etwas Lebendes im Zimmer war. Freilich konnte sie sich nicht erklären, welcher Natur dieses Lebendige war, das sie nicht sah, das sie nur hörte und fühlte.

Sollte es wirklich ein Wesen jener übersinnlichen Welt sein, deren Dasein sie heute Abend so bestritten hatte, eines jener unsichtbaren und intellegiblen Geschöpfe, die ihr Dasein oft durch die überraschendsten Aeußerungen kundgeben?

Der belesenen Frau fiel Hamlet's Wort ein:

kein Phantasie⸗

Es giebt mehr Ding, im Himmel und auf Erden Als eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.

Um sich Muth zu machen, griff sie nach dem Punschglas und trank dasselbe auf einen Zug aus. Dann zündete sie eine Wachsstockkerze an und leuchtete unter das Sopha.

War das Licht der Wachskerze zu matt oder waren die Augen der Geheimräthin etwas umflort, genug, staunen konnte sie nichts entdecken. Aber diese negative Wahr nehmung beruhigte sie nicht, sondern steigerte vielmehr ihre Furcht, denn daß sie sich nicht getäuscht über das Geräusch und die Empfindung am Fuß, darüber war sie nicht im Zweifel. Ah, die stärksten Geister haben ihre schwachen Stunden! Ver

welcher sie stürmisch riß, als säße ihr die Faust eines Mörders ö

Geberde des Abscheues die Geheimräthin.

zu ihrem Er⸗

kroch sich nicht der Gottesleugner David Hume, der atheistische Philosoph, aus Gespensterfurcht unter die Bettdecke?

Die Geheimräthin starrte noch immer auf das Sopha, un⸗ entschlossen, ob sie ihre Leute rufen sollte, als plötzlich unter dem Möbel ein kleines, dunkles Geschöpf hervorschlüpfte und hinter dem Ofen verschwand.

Bei dieser unerwarteten Erscheinung stieß die Geheimräthin einen Schrei aus und stürzte auf die Klingelschnur zu, an

im Nacken. Dann öffnete sie die Thür und schrie:

Hilfe.... Hilfe... Marie... Sophie Hilfe! 5

Auf dieses laute Angstgeschrei, das in dem stillen Hause wiederhallte, stürzten halbangekleidet, den ersten Schlaf noch in den Augen, das Stubenmädchen und die Köchin aus ihren Kammern herbei in das Zimmer ihrer gnädigen Frau. 5

Was giebt es? Was ist geschehen? riefen sie bestürzt. Da... da... ein schwarzes Ding, flüsterte, auf den Ofen⸗ winkel deutend, die Geheimräthin verstört und am ganzen Körper bebend,es muß dort sein.... ich weiß nicht, was es ist. 9

Die beiden Mädchen sahen das geleerte Punschglas, die 5 großen, starrblickenden Augen ihrer Frau, und im vollen Glau- ben, daß die Geister des starken Nachttrunkes aus ihr sprächen, 1 gingen sie muthig auf den Ofenwinkel zu, aus welchem, Marie seine barmherzige Samaritanerin erkennend, schweifwedelnd, den Kopf furchtsam und demüthig zur Erde gesenkt, als wolle er um des verursachten Rumors willen um Verzeihung bitten, zum Schrecken der beiden Mädchen der kleine Wachtelhund hervorkroch.

Ein Hund! rief entsetzt die Geheimräthin und warf einen zornigen und durchbohrenden Blick auf die beiden erschrockenen Mädchen.Ein Hund in meinem Zimmer? Wie kommt dieses ö abscheuliche Geschöpf hierher? 5

Marie erblaßte. Sie errieth den Zusammenhang. Das kleine Thier war ihr, als sie der Geheimräthin den Punsch brachte, nachgeschlichen und auf diese Weise unbemerkt in das Schlaf- zimmer der gnädigen Frau gekommen. 1

Ich weiß nicht, stammelte sie verlegen,wie der Hund* hierher gekommen ist... Allons, Molly, setzte sie rasch hinzu. die Thür öffnend,allons, Molly, geh' hinaus!.

Molly, rief empört die Geheimräthin, welche trotz ihrer Idiosynkrasie ihre ganze Geistesgegenwart und Energie wieder gefunden hatte, nachdem sie entdeckt, daß es kein Geschöpf aus der vierten Dimension, sondern ein ganz gewöhnlicher Hund ge wesen, der ihr solchen Schrecken eingeflößt hatte,Molly nennst Du diese Kreatur? Woher kommt diese Vertraulichkeit zwischen Dir und diesem Geschöpf? Woher weißt Du, daß dieser Köter Molly heißt?

Und ihre flammenden Augen, erhitzt von Punsch und Zorn, ruhten wie die der verkörperten Rachegöttin auf dem bestürzten Mädchen. N

Mein Gott, meinte dieses, den Unterrock an die Augen drückend,wir hatten zu Hause einen Hund!

Wie? Ihr hattet einen Hund? unterbrach sie mit einer

Ja, mein Vater war ja Droschkenkutscher und da brauchte er immer Hunde, um das Fuhrwerk zu bewachen; er war ein Spitz, den wir hatten er hieß Molly und darum nenne ich alle Hunde Molly.

Genug! unterbrach sie die Geheimräthin,es ist ein Glück für Dich, daß weiter keine Beziehungen zwischen Dir und diesem Geschöpf bestehen, das auf unerklärliche Weise hierher gekommen ist. Aber nun hinaus mit ihm.... und daß mir 1 dieses Thier nie wieder vor die Augen kommt! Noch ein Glas Punsch, Sophie! N

Marie trieb den kleinen Hund, der mit eingezogenem Schweif während dieses Auftrittes an der Thür gestanden, die Treppe hinab, während die Köchin wieder in die Küche ging, um für die Gnädige noch ein Glas Punsch zu bereiten.

Es war am anderen Morgen zwischen der neunten und zehnten Stunde. 1 Ein unruhiges Treiben herrschte im Geheimrath Götting-

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