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e schen e ein Laufen der Dienerschaft treppauf, treppabwärts, W. verstörte Mienen, unheimliches Flüstern.

1 Erst eilte der Bediente fort, dann der Kutscher und wenige 0

Minuten später auch das Stubenmädchen hinaus in den wir belnden Schneesturm und in die schneidende Kälte.

ö Eine Viertelstunde später kamen sie Alle wieder, beschneit, mit rothen Nasen und blaugefrorenen Backen.

Und bald darauf sah man zwei in kostbare Pelze gehüllte Herren, zuerst den langjährigen Hausarzt der Geheimräthin Götting, den Medizinalrath Dr. Roßberg, sodann einen kleineren Herrn mit goldener Brille und langem, schmalem Gesicht, den Professor Dr. Krähe, einen berühmten Vivisektor und äußerst geschickten chirurgischen Operateur, die teppichbelegten Treppen hinauf zu den Zimmern der Geheimräthin eilen. Kurze Zeit darauf kam auch noch der Dr. Hammer, ein jüngerer Arzt, der

1 sich aber durch einige glückliche Operationen rasch einen Namen en in der Stadt erworben hatte. 05 Er trat gerade in das Empfangszimmer, als die beiden zuerst Gekommenen, Medizinalrath Dr. Roßberg und Professor de Krähe, aus dem Schlafzimmer der Geheimräthin zurückkehrten. W.Herr Kollege, sagte mit ernster Miene, zu Dr. Hammer 1 sich wendend, der Medizinalrath,der Fall, welcher uns hierher 112 geführt hat, ist ein sehr bedenklicher. Die Frau Geheimräthin 105 hat gestern Abend in Folge eines aufregenden Vorfalls vergessen, 0 ihr Gebißstück aus dem Munde zu nehmen und hat dasselbe 11 während der Nacht im Schlafe' verschluckt.

Verschluckt? warf Dr. Hammer ein,ein solches Gebiß stück wandert nicht so leicht durch die Speiseröhre in den Magen; sind Sie auch dessen ganz gewiß, Herr Medizinalrath?

So gewiß, als ich vor Ihnen stehe, Herr Kollege, ant wortete mit würdevoller Zuversichtlichkeit der Medizinalrath.

Ganz abgesehen davon, daß das Gebiß, trotzdem die Geheimräthin selbst und die gesammte Dienerschaft alle Zimmer auf's Genaueste durchsucht haben, nirgends zu finden ist, empfindet die Patientin im Magen einen sehr starken, schmerzhaften Druck und außerdem habe ich bei der Untersuchung an derselben

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u Stelle, wo sich dieser drückende Schmerz bemerkbar macht, eine Erhöhung gefühlt, welche nur durch die harte Masse des 1a Gebisses, das sich da festgesetzt hat, verursacht wird. 15Aber ich finde es doch immerhin merkwürdig, daß ein s Gebißstück ohne Schwierigkeit in den Magen gelangen soll, g zweifelte Dr. Hammer noch immer. tWas wollen Sie, Herr Kollege? mischte sich Professor en Krähe mit seiner hohen Diskantstimme in das Gespräch,der fer artige Zufälle kommen ziemlich häufig vor. Ich erinnere Sie nur aus neuester Zeit an den Fall in Dresden, wo ein Friseur , sein ganzes Gebiß verschluckt hat und bei der Frau Geheim- räthin handelt es sich nur um ein kleineres Stück von vier

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Zähnen; ich erinnere an den Wiener Fall, in welchem Professor u Billroth gleichfalls den Magen einer Dame öffnete, die ihr Ratelier verschluckt hatte. grSie wollen die Geheimräthin operiren? fragte Dr. Ham 9 mer, der trotz alledem noch immer Zweifel zu haben schien. IGewiß, fiel der Medizinalrath ein,es bleibt uns nichts u anderes übrig. Der schmerzhafte Druck im Magen, verbunden

mit einer Neigung zum Erbrechen, beweist, daß sich das Gebiß stück in einer Magenfalte eingeklemmt hat. Je länger es da 1 14 festsitzt, um so heftiger wird die Entzündung werden, die im günstigsten Falle aus einer akuten zu einer chronischen wird, 0 mit dem Magenkrebs im Gefolge. Ich bin daher für sofortige 9 Entfernung durch operativen Eingriff, bevor sich Fieber zeigt 11 und Kräfteverfall eintritt. Er schwieg, eine Prise aus der goldenen Dose nehmend. Professor Dr. Krähe aber fügte sich räuspernd hinzu:Ich schließe mich vollständig der Meinung meines Herrn Kollegen an. Dabei nahm er die Brille ab, putzte die Gläser mit dem seidenen Taschentuche und setzte sie dann langsam und bedächtig wieder auf, die Augen dabei immer auf Dr. Hammer gerichtet. aSie sind also auch einverstanden? wandte sich der Medizinalrath, der vor dem weißen Porzellanofen stand und sich den Rücken wärmte, zu dem jungen Arzt. ö Dr. Hammer zuckte die Achseln.

Ist die Frau G hin zu der 8 entschlossen? fragte er zurück.

Der Medizinalrath nickte.

Die Frau Geheimräthin, sagte er,ist eine Dame von seltenen Gaben. Sie besitzt Muth und eine philosophische Bil dung, wie man sie bei Frauen nicht oft findet. Daß sie trotz alledem sehr erregt war, als wir ihr die Nothwendigkeit einer Operation darlegten, können Sie sich denken, Herr Kollege. Indessen hat sie sich in das Unvermeidliche ergeben.

Es ist eine Operation auf Tod und Leben! Dr. Hammer ernst.

Früher, früher! entgegnete Professor Krähe,heute bei dem vorgeschrittenen Standpunkte der Wissenschaft können die Patienten nur dann sterben, wenn ungünstige Zufälle, Kompli kationen eintreten.

Die häufig genug vorkommen, sagte Dr. Hammer.

Aber, mein Gott, Kollege, warf der Medizinalrath ein, die Patienten sterben dann nicht an der Operation, sondern an der Komplikation, an dem Zufall.

Und casus sentit dominum.... Eigenthümer, sagen dieJuristen, ironisch.

Da öffnete sich die Thür, das Stubenmädchen trat mit verweinten Augen ein und bat die Herren, in das Schlafzimmer der Geheimräthin zu kommen. Diese folgten sofort.

Trotz der Versicherung des Medizinalraths, daß sich die Patientin in das Unvermeidliche gefügt habe, fanden die Aerzte die bedauernswerthe Frau in hochgradiger Aufregung.

In verzweiflungsvoller Angst schritt sie in ihrem Zimmer auf und nieder. Dann warf sie sich auf's Sopha, die Hand auf den schmerzenden Magen legend, um gleich darauf wieder sich zu erheben, an's Fenster zu treten und die heiße Stirn an den kalten Scheiben zu kühlen und in Thränen auszubrechen. Der Gedanke an die Operation erfüllte sie mit einer wahnsinnigen Furcht, wenn ihr auch der Medizinalrath versichert hatte, die selbe werde unter Anwendung von Chloroform ganz schmerzlos verlaufen.

Die Geheimräthin hing am Leben und dessen Genüssen, und sie verhehlte sich nicht, daß bei der Operation ihr Leben auf dem Spiele stand.

Dieses unselige Gebiß! Sie hatte anfänglich nicht daran glauben wollen, es verschluckt zu haben. Jeder Winkel war durchsucht, hinter jedes Möbel geleuchtet worden nirgends eine Spur zu entdecken! Und dann der eigenthümliche Druck im Magen und die Bestätigung durch die Untersuchung des Medizinalraths.

Ihr halbes Vermögen hätte sie darum gegeben, die Operation hätte umgehen können.

Meine Herren, sprach die Geheimräthin mit bebender Stimme, als die Aerzte eingetreten,ich habe Sie noch einmal bitten lassen, um Sie zu fragen, ob die Entfernung des Gebiß stücks nicht auf andere Weise möglich ist?

Ihre Blicke flogen bei diesen Worten hilfeflehend von Einem zum Anderen.

Der Medizinalrath zuckte die Achseln.

Wir sprachen ja schon darüber, gnädige Frau. Aber ich halte dieses Verfahren für unanwendbar. Wir würden Ihnen nur unnöthige Aufregung und Schmerzen verursachen.

Und außerdem, setzte Professor Krähe hinzu,könnten leicht Erstickungsanfälle herbeigeführt werden, wenn man ver⸗

bemerkte

der Zufall trifft den entgegnete Dr. Hammer

wenn sie

suchen sollte, die Magenzange einzuführen und mit ihr das Gebißstück zu fassen. Vorausgesetzt, daß es sich wirklich im Magen befindet,

fiel der hartnäckige Zweifler Dr. Hammer ein.

Die Geheimräthin starrte den Doktor sprachlos an. Ein Strahl der Hoffnung glänzte in ihren verweinten Augen auf. Aber die Worte ihres Hausarztes löschten ihn sofort wieder aus.

Darüber kann gar kein Zweifel sein, Herr Kollege, ent gegnete etwas gereizt und sehr bestimmt der Medizinalrath.Ich habe das Gebiß gefühlt, was sage ich, ich habe es gesehen, denn ich habe Augen in den Fingerspitzen, wie es bei jedem Arzt der Fall sein sollte. Wenn Sie sich übrigens selbst über⸗ zeugen wollen, Herr Kollege.... Sie erlauben Frau Geheim⸗

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