Ausgabe 
23.12.1888
 
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auf- und abgehen.

hatten heute ihren Ehrenplatz auf dem Sopha den beiden An⸗ gekommenen eingeräumt. Die Augen der beiden alten Leute hingen an dem Gesicht ihres Sohnes und dem Theresens. Ab und zu flog auch ein bedeutsamer Blick der Mutter zu dem Vater hinüber, auch Franz bemerkte einmal einen solchen, und brachte seine Eltern in arge Verlegenheit, als er halb drohend, halb lachend den Kopf dazu schüttelte. Therese war während des ganzen Mahles auffallend wortkarg. Auch später, als der Tisch abgeräumt wurde, und man sich recht dem Erzählen widmen wollte, war es sehr schwer, einige Worte aus ihr herauszubringen. Desto redseliger und munterer war Franz. Die beiden jungen Leute schienen plötzlich ihre Charaktere vertauscht zu haben. Die Frage des Vaters, ob Franz sich schon beim Einsteigen in den Postwagen mit Fräulein Therese bekannt gemacht habe, ließ dieser völlig unbeantwortet, er entgegnete nur mit besonderem Nachdruck, daß sie sich sehr gut unterhalten hätten, da sie sehr interessante Lektüre bei sich geführt.

Es war spät in der Nacht, als man sich zur Ruhe begab. Therese bezog wieder ihr Parterrezimmer, das neben dem der Frau Amtsmännin gelegen war. Franz sollte wieder das seit seiner frühesten Kindheit mit seinem Bruder gemeinschaftlich be⸗ wohnte Gemach im ersten Stock beziehen. Als man sich gegen seitig Gute Nacht gesagt, und die Eltern ihren Söhnen bis an die Treppe das Geleit gegeben, wandte sich Franz noch einmal nach seiner Mutter um:Du hast ja hübsche Komplotte in Scene gesetzt, liebe Frau Mutter, sagte er langsam,ich hätte garnicht geglaubt, daß Du Dich darauf verstündest!

Stumm sah die Frau Amtmännin ihren Gemahl an. Erst in ihrem Schlafzimmer angelangt, hatten die Beiden dann den Muth, sich gegenseitig in flüsterndem Tone große Reden zu halten.

Die Worte:Vielleicht war es doch nicht Recht! Es war Recht! drangen bis an Theresen's Ohr, die heute, ganz wider ihre Gewohnheit, den Schlaf nicht finden konnte. Dachte sie noch immer darüber nach, die Ueberraschung zu ergründen, von der Franz behauptet hatte, daß sie ihr morgen Abend schon selber einfallen würde? Seltsam, das Bild desleidenden Herrn Franz wollte garnicht vor ihren Augen verschwinden. Sie glaubte auch beständig seine sonore Stimme zu hören und seine liebevollen Blicke zu sehen. Was mochte seine Mutter nur mit demLeiden ihres Sohnes gemeint haben. Sollte nicht sein ganzes Unglück dasSichalleinfühlen sein? Dieselbe herbe Empfindung nagte ihr ja auch am Herzen! O, auf welches Thema war sie da gerathen welche Fluth von Ge danken batte sie damit in ihrem Kopfe heraufbeschworen. Ja, wie konnte sie nun einschlafen, zumal es auch nicht im Hause ruhig werden wollte. War es ihr nicht, als hörte sie oben in dem Zimmer, das über dem ihrigen lag, noch einen Menschen Wenn er es wäre?!

Freilich war es der junge Professor, der mit seinem Bruder eine ziemlich inhaltschwere Unterhaltung pflog.

Ich glaube, Franz, sagte Willibald,Fräulein Therese ist nicht ohne Absicht von der Mutter eingeladen worden.

Du glaubst?

1 daß man mich am Ende mit ihr verheirathen will!?

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Mich!

Woraus schließest Du das?

Aus gewissen Andeutungen der Eltern, die meine Lobes erhebungen über die Charaktereigenschaften Fräulein Theresen's vielleicht für Liebe hielten!

Du liebst sie nicht?

Ich habe sie sehr gern!

Und, liebt sie Dich?

Hm, das weiß ich nicht!

So wird Dir morgen Abend die Entscheidung werden!

Morgen Abend ei, wie so?

Frage nicht, sondern warte es ab, schenkt!

Der heilige Abend kam heran. Der große Tannenbaum strahlte in Lichterfülle, und von dem nahen Thurme tönten die Glocken herüber, die die heilige Weihenacht einläuteten. Jetzt ertönte das Zeichen, daß die Bescheerung vor sich gehen sollte. O, die prächtigen Sachen, die die guten Alten unter dem Tannen⸗

ob sie Dir ihr Herz

baum aufgebaut hatten. Man hatte kleine Tische zu Hülfe nehmen müssen, um alle Geschenke unterzubringen. 1 Die beiden Brüder und Therese, die man wie Kinder in das dunkle Nebengemach gesperrt hatte, betraten jetzt das he Zimmer. Auf Franz' und Therese s Zügen lag eine m Spannung. Ja, des jungen Mannes Gesicht war beinahe bleich f vor innerer Erregung. Er lief sofort auf den ersten Tisch zu und suchte unter den darauf liegenden Sachen umher. d rief ihm die Mutter zu, daß er Fräulein Therese's Geschenke in Beschlag genommen habe. 4 N

Aber wo ist denn mein Tisch? fragte er darauf bei ungeduldig. g Nun hier, wo er immer stand!. Giligen Schrittes lief Franz an den bezeichneten Platz. Schoen von Weitem musterte er die darauf liegenden Sachen. 3 Gesicht zeigte plötzlich einen beinahe triumphirenden Ausdru 1 seine Hände streckten sich aus, und mit einem lauten Freuden⸗ 1 schrei drückte er die große flache Schachtel mit Theresen's Marzipan⸗ herz an die Brust. Sie hatte es ihm geschenkt, er galt iht mehr als sein Bruder! Franz wollte in der ersten Freude seines Herzens zu Therese hinüberstürzen, die jedoch nach einem hastigen Seitenblick auf ihn sich emsig mit ihren Geschenken zu thun machte. Eine dunkle Röthe bedeckte ihre Wangen und mit zitternden Händen betastete sie die prächtigen Geschenke, die man ihr aufgebaut hatte. Schnell stand Franz neben seineem Bruder. 1 Armer Willibald, sagte er leise,sie liebt Dich nicht! Dem Himmel sei Dank! lautete die rasche, fröhliche Antwort. Du bist nicht unglücklich darüber? Bewahre, ich wäre unglücklich, wenn sie mich liebte. g Warum? a Weil ich bereits verlobt bin mit der Tochter unseres

Sanitätsrathes! 8 wie man 9

O, Ihr Ränkeschmiede!

Uebrigens liebe ich Fräulein Therese doch, seine zukünftige Schwägerin lieben muß! 1 Wenn ich Euch nun aber doch einen Strich durch die Rechnung machte? 3 Das thust Du nicht! Mit diesem Herz da hast Du Dein Herz entdeckt! 1 Und so war's! Als am Neujahrs⸗Abend der 4 geplündert wurde, holte Franz unvermuthet ein goldenes Ringlein von einem Zweig herunter. Als er damit zu Therese trat N fragte, ob er es ihr an den Finger stecken dürfe, sah sie stumm ihm auf, in ihren Augen schimmerten Freudenthränen, und* Uebermaß ihres Glückes, unfähig ein Wort zu sprechen, 5 sie nur hastig mit dem Kopfe. Als das neue Jahr eingeläutet wurde, saßen sie Hand in Hand beisammen, mahnte sie doch jeder Glockenschlag daran, daß ein Leben voll der suͤßesten Freuden ihrer harre. 1

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Ertappt. Heitere Kriegsepisode von Hugo Marotzke. Es befindet sich unzweifelhaft ein Spion in der Umgeb welcher unsere Pläne erforscht und dieselben dem Feinde N Wie könnten sonst die Feinde unsere sorgfältigst erwogenen und vorbereiteten Operationen durch die trefflichsten Gegenmaßregeln jedesmal vereiteln? Also sprach Major Steinbeck zu seinen um ihn versammelten Offizieren.Wissen Sie, fuhr er mit g 0 N N

daͤmpfter Stimme fort,ich habe meinen Wirth in Sehen Sie dort in der Ecke jenes große, stets verschlosse Spind. Leicht kann sich der Genannte, sobald er erfahren, de wir eine Berathung halten würden, hineingeschlichen und, da er der deutschen Sprache mächtig ist, uns belauscht haben -Allerdings, nahm einer der Herren das Wort,aber wie ö schaffen wir uns Gewißheit? 1 Ich habe bereits einen Entlarvungsplan erdacht, Sie mich nur handeln, erwiderte der Major.Zunächst 1 das Mittagsmahl einnehmen, es ist hohe Zeit. Meine Sie sind heut' meine Gaste.