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„Aber?!“
„Daß man ein abscheuliches Complot gegen mich geschmiedet hat!“
„Gegen Sie nur?— Ah, ich glaube— gegen uns Beide!“
„Gegen uns Beide?— Wie das?!—“
Therese blickte auf. Die Blicke der beiden jun⸗ gen Leute be⸗ gegneten sich. Fast zögernd ant⸗ wortete Franz: „Ja— das ver⸗ mag ich Ihnen
augenblicklich noch nicht zu er⸗ klären.— Aber vielleicht gelingt es mir später!“
Ein längeres Schweigen trat ein. Beide schie⸗ nen mit ihren Gedanken voll⸗ auf beschäftigt. — Draußen war es tiefdunkele Nacht geworden. Die Schnee⸗ massen in der Luft waren noch tiefer herabge⸗ kommen und fielen nun in breiten, zausigen Flocken langsam und bedächtig zur Erde herab. Ab und zu rollte die Postkutsche durch ein Dorf, und dann schien es, als ob die kleinen erhellten Fenster der Bauernhäuser wie blitzende
Goldsternchen aus der weißen, alles umhüllen⸗ den Schneedecke hervorleuchteten Wohl eine volle
Viertelstunde lang mochten die beiden Insassen
des Wagens, ohne einen Laut zu sprechen, dage— sessen haben, als plötzlich Therese mit einem leich⸗ ten Schrecken⸗— ruf in die Höhe Die heilige Nacht. fuhr.
„Was haben Sie, mein Fräulein?“ rief Franz erschrocken.
„Ach, mein Gott, das ist ja abscheulich!“
„Was denn?“
„Ich habe Ihnen ja schon die für Sie und Ihren Herrn Bruder bestimmten Weihnachtsgeschenke gezeigt! Nun ist das Beste daran, die Ueberraschung, schon vorbei!“
„O nicht doch, mein Fräulein! Mein Bruder sah ja die hübschen Geschenke noch nicht, und für mich haben Sie immer⸗ hin noch eine Ueberraschung in petto!“
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„Wie so?“ „Wie so?!——“ Sollte er ihr sagen, daß er gespannt darauf wäre, wem ihr Herz— das Marzipanherz— zu Theil würde? Nein. Schnell 2 antwortete er:
„Das werden Sie sich schon morgen Abend selber beantwor⸗ ten können!“ Wieder stockte die Unterhal⸗ tung. Und sie kam auch nicht eher wieder in Fluß, bis der Thurm von Ueberdingen in Sicht kam. Die Freude des Wiedersehens machte Beide dann auf's Neue gesprächig und als der Postillon lustig in sein Horn blies, hat⸗ ten Beide schon das Fenster ge⸗ öffnet, und guck⸗ ten Kopf an Kopf hinaus zu den beiden alten Leutchen hin⸗ über, die vor dem Posthof standen und ihnen ihre Arme jubelnd entgegenstreck⸗ ten. Da gab's ein Küssen, An⸗ schauen und Um⸗ armen, und wenn die immer sorg⸗ same und für⸗ sorgliche Frau Amtmännin nicht auf die Gefahr des Er⸗ kältens hinge⸗ wiesen, und zum Heimweg ange⸗ spornt hätte, man wäre gleich mit⸗ en auf der Straße stehen geblieben, um sich gegenseitig die Erlebnisse der letzten Jahre mitzutheilen. Vorder Haus⸗ thüre angelangt, Von Grot Johann. gab es nochmals eine Wieder⸗ sehens⸗Scene. Willibald, der jüngere Sohn des Amtmanns, der inzwischen alles zum Empfang der Ankommenden angeordnet hatte, stand am Gartenzaun, um seh en Bruder Franz und Fräulein Therese mit herzlichem Gruße willkommen zu heißen. In der traulich durchwärmten und hellerleuchteten Familien⸗
stube fanden sich denn Alle beim Mahle zusammen. Der Herr
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Amtmann, ein hoher Sechziger, mit schneeweißem langen Haar und freundlich ernsten Zügen, sowie die Frau Amtmännin, eine lebhafte Matrone mit herzensgutem klugen, rundlichen Gesicht,
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