1 2 a a— ͤ—— f 412 f „Sie glauben!“ Kurz nacheinander verlor Fräulein Therese Vater und Mutter. „Ja, ich weiß bestimmt, daß er zur Stunde schon lange nicht Sie, die in Ueberfluß und Reichthum aufgewachsen, war plötzlich mehr— so krank ist, wie er eben geschildert wurde!“ über Nacht zur Bettlerin geworden, da ein unglücklicher Zufall „Wer hat Ihnen das gesagt?“ sie auch um die, wenn auch nicht bedeutende, so doch immerhin „Ei— ich mir selber! denn um Sie nicht mehr unnöthig nennenswerthe Hinterlassenschaft ibrer Eltern gebracht. Das irre zu führen, muß ich Ihnen bekennen, daß ich jener Stern- arme Kind stand ganz allein in der Welt, auf sich selbst an⸗ gucker, der Franz Harder selbst bin!“ gewiesen, da es beharrlich verschmähte, anderen Menschen zur „Sie selbst?!— Ah— das ist aber komisch!“ Last zu fallen. Gottlob besitzt Fräulein Therese ja ein san-»— Therese lachte auf. Aber ihr Lachen war nicht fern von guinisches Temperament und hat versucht, sich wohlgemuth in Verlegenheit. Sie ließ nach einer Pause den Kopf vornüber das unabänderliche Geschick zu fügen, durch ihrer Hände Arbeit 0 sinken und starrte auf ihre kleinen Hände, die sich sehr auffällig— in des Wortes wahrer Bedeutung— sich den Lebensunterhalt mit den Handschuh-Knöpfen zu thun machten. zu verdienen. Ihr Klavierspiel hat sie vervollkommnet und sich Herr Harder war in⸗ zur Klavierlehrerin aus⸗ dessen aus seinem dunklen gebildet. Du lieber Gott Winkel hervorgerückt und I— wie kärglich— wie machte sich in der Brust⸗ D V unsagbar mühsam er⸗ tasche seines Ueberrocks zu NAU rungen— ihr Verdienst schaffen, dabei sagte er: 1 12 ist— haben wir erst auf „Mein Fräulein, Sie hat⸗ S 60ö 2 Umwegen in Erfahrung ten die Freundlichkeit, mir I zu bringen gewußt. Uns die lehrreiche Epistel mei— zeigte sie immer ihr son⸗ ner Mama, die wohl gar niges Lächeln und ver⸗ nicht für meine Ohren scheuchte mit einem Hin⸗ 1 berechnet war, vorzulesen, weis, daß sie mit ihrem 11 Sie müssen mir nun auch Geschick völlig zufrieden gestatten, Ihnen dafür den sei, unsre Sorge. Und 0 Bericht meines Vaters doch standen ihr oft die 1 über Ihre Leidens-Ge⸗ Thränen in den Augen, K schichte mitzutheilen!“ wenn sie sich unbeobachtet „Ueber meine Leidens— wähnte, und durch ein geschichte? fragte Therese, unbedachtes Wort daran erstaunt aufblickend.„Ah, eriunert wurde, daß sie 5 da wäre ich denn doch eigentlich keinen Menschen begierig!“ mehr auf der Welt habe, „Ja— auch Sie lei⸗ dem sie ihr Leid klagen den, und wissen nichts da⸗ könne und wollte. Denn von. Es ist also äußerst so sehr sie uns auch zu⸗ vortheilhaft für Sie— gethan erscheint, ist sie wenn ich Sie darüber auf— doch zu stolz, uns ihr 1 kläre. Uebrigens sollten Herz mit seinen verbor⸗ ö Sie ebenfalls schon seit genen Schmerzen ganz zu 6 vier vollen Tagen in Ueber⸗ offenbaren. Die bestaͤn⸗ J dingen sein— laut dieses dige Furcht, ihren Neben- Schreibens.“ menschen mit ihrem Kum⸗ 4 „Ich habe aber doch mer lästig zu fallen, hält erst auf heute mein Kom sie auch davon ab, zu nen angesagt!“ ihren Freunden Vertrauen f „Ja— ich— auch! zu haben. Aber wir wer⸗ ö meine Elternscheinen den ihr doch beizukommen orgessen zu haben. wissen— auch ohne daß »sehen übrigens, sie es gleich merkt!— die Bestellung Mein lieber Sohn— ich de. wagens mit habe Dir recht viel von zwe ieder völlig Fräulein Therese geschrie⸗ ausge. de!— Der Prinz und die Fee im Weihnachtsspiel. Von C. W. Allers. ben. Ich that es lediglich Aber he was aus dem Grunde, damit mein V ot: Du wirst bei uns diesesmal Besuch an- Du über unsere, Dir noch unbekannte Hausgenossin aufgeklärt treffen! Therese Rathgens hat unseren Bitten entsprochen bist, und bei Deinem Hiersein gemeinschaftlich mit uns berathen und seihnachtstage in unserer Mitte verbringen. Du kannst, wie wir das liebenswürdige Geschöpf ihrem schweren bhast en wohl schon in den Briefen der Mutter gehört, Beruf untreu machen können!“ die liebt in das heitere, liebenswürdige Geschöpf ist!' Franz hielt mit seiner Vorlesung inne. Er hatte nicht bemerkt, ö wollte hier den Leser unterbrechen, doch dieser ließ daß Therese ihr Köpfchen an die Wagenpolster gedrückt, und bei stören und sagte nur schnell:„Bitte, bitte, ich habe den Worten, die auf ihre kümmerliche Existenz Bezug nahmen, 0 s ruhig mit angehört. Also: ihr Taschentuch verstohlen an die Augen geführt, um die hervor- ganz verliebt in das heitere, liebenswürdige Geschöpf quellenden Thränen zu verbergen. Als Franz jetzt zu ihr hinüber ⸗ Sie hat sich a., in den Kopf gesetzt, die Ungerechtigkeit sah, saß sie jedoch schon wieder aufrecht auf ihrem Siß und Schicksals wieder gut zu machen, das dem armen Mädchen bemühte sich, ihr reizendes Lächeln auf ihr Geficht zu zaubern. so armseliges Loos beschieden. Auf welche Weise sie das Aber es wollte ihr diesesmal nicht recht gelingen, und so nahm fangen und ausführen will, ist mir allerdings bis jetzt noch sie zu ihrem bewährten Auskunftsmittel Zuflucht— sie schlug in Räthsel. Aber Du weißt ja, was Deine Frau Mama sich die Augen nieder und senkte den Kopf. 0 g einmal vorgenommen, wurde von ihr bis jetzt noch immer zur„Nun, Fräulein Therese, was sagen Sie zu diesen Zeilen?“ Ausführung gebracht. Man sollte gar nicht glauben, mit welch'„Daß der Mann, der diese Zeilen schrieb, auch der beste und boshafter Laune mitunter das Geschick ein Menschenkind verfolgt. klügste Mensch auf der Welt ist— aber—“ f 25 3—
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