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Die Offiziere verfügten sich in den Speiseraum, wo der Akusherr bereits ihrer harrte.
„Also, meine Herren Kameraden,“ äußerte der Major gegen ide des Tischgespräches laut und vernehmbar,„heut' Abend fiden Sie sich Alle bei mir ein. Ich werde im Laufe des Nach⸗
üttags vom Herrn Regimentskommandeur neue Instruktionen gehalten und Ihnen dieselben kund thun. Wie ich mit Sicherheit Uraussagen kaun, werden Sie ausnehmend Wichtiges erfahren.“ 1„Wenn ihn meine Aeußerung nicht in das Spind bringt, ist el nicht der Spion,“ meinte der Major zu den Kameraden, als i allein waren.
Am Abende hatten sich die Offiziere im Zimmer ihres Artaillonschefs pünktlich versammelt. „Nun, meine Herren, merken Sie wohl auf,“ begann Steinbeck, d mit kräftiger, deutlicher Stimme sprach er weiter, natürlich nht erhaltene Befehle, sondern, was die Offiziere wohl wußten, Elbsterdachtes. Als er geendet, fragte ein Lieutenant leise:„Wie erfahren o nun aber, ob sich Jemand im Spinde befindet oder nicht? S ohne Weiteres dürfen wir die Thür doch nicht aufbrechen; dt könnte ja, falls wir den Verdacht nicht bestätigt fänden, der Fanzose aussprengen, die deutschen Offiziere hätten ihn bestehlen willen.“ Der Major ging an das Spind, beschrieb auf der Thür deselben mit dem Zeigefinger recht geräuschvoll einen Kreis ud sprach dann laut:„Kameraden, wir wissen nicht recht, wie wi den Rest des Abends zubringen sollen. Da habe ich einen fanosen Spaß erdacht. Wir prüfen unsere Fertigkeit im Schießen alt dem Revolver. Ich glaube, der Herr Wirth wird es uns gt sehr übel nehmen, wenn wir ihm ein originelles Andenken, ehe zerschossene Spindthür, zurücklassen. Er hält übrigens ja,
mi alle seine Landsleute, die Deutschen ohnehin für dumme
Merbaren. Sie sehen, ich habe hier auf der Spindthür bereits
ehen Kreis nebst Zentrum gezeichnet. Herr Lieutenant, geben
zie mir Ihren Revolver, ich nehme die möglichst weite Distanz.“ „Um Gotteswillen, Herr Major, schie ßen Sie nicht!“ ertönte
e klägliche Stimme aus dem Spindinnern, die Thür ward
iffnet und heraus trat, unter dem Jubel und Gelächter der fiziere, kreideweißen Gesichtes und furchtbebend— Monsieur 18wirth.
„Ei, ei, was machten Sie denn dort drinnen?“ sprach zinbeck, indem er schnell an die Seite des Franzosen trat in) ein aus seiner Tasche hangendes Papier an sich nahm. cchdem er es entfaltet und einen prüfenden Blick hinein⸗ worfen, sprach er, zufrieden lächelnd:„Hier, Kameraden, finden
i den vermeintlichen Befehl Wort für Wort wieder, der Spion entlarvt.— Nun, Monsieur,“ wandte er sich an diesen,„wir
eitsche sind doch wohl nicht nur plumpe Bären, die nichts Dreinschlagen verstehen, wie die Franzosen unter prahlerischer olpreisung ihres„Esprits“ behaupten, sondern wir dürfen auch ol ein wenig Witz und Schlauheit unser eigen nennen.“
JLose Blätter.
Das Westenstück. In dem großen Bankhause von M. war es Sitte, g die Angestellten vom ersten Disponenten bis zum letzten Boten herab nWeihnachtsfest Stoff für eine Weste erhielten, dessen Qualität sich nach Stellung richtete, die der Betreffende im Bankhause einnahm. Ju Paketen, welche die Westenstücke enthielten, befand sich selbstredend c etwas Gerolltes, für das sich alle Beschenkten natürlich vielmehr kwurmen konnten, als für das traditionelle Westenzeug. Seit ungefähr nem Jahre war nun der Sohn eines anderen bedeutenden Banquiers der Provinz in das Bankhaus von M. als Volontair eingetreten, litt he bei seinen noblen Passionen, da der cher papa ihn etwas knapp ö il, an chronischer Geldnoth. Arthur, so hieß der Jüngling, hatte nun ganze Hoffnung auf das Gerollte gesetzt, welches zum Weihnachts⸗ en das Personal zur Vertheilung kommen sollte. Mit Sehnsucht sah ler Stunde entgegen, in welcher sich die dunkle Ebbe seines Porte
naies in eine blinkende Flut verwandeln sollte. Mit lebhaftem Interesse e er zu erforschen, wieviel Goldfüchse wohl das Weihnachtsfüllhorn be das Haupt seines Vorgängers ausgeschüttet hätte.„Pah,“ äußerte
bur dabei,„lächerliche Sache mit dem famosen Westenstück! Den Fun derkram nehme ich entschieden nicht an! Mein cher papa würde abet sein, wenn er erführe, daß ich, der Stolz der Familie, mich deine Weste belohnen ließe.“ Von diesen und ähnlichen Aeußerungen Arthur's hatte der Chef des
m hauses Wind bekommen und seinen Plan danach gemacht.— Der 1
Weihnachtsabend kam heran; das Personal des Bankhauses war im Salon des Chefs aufgestellt, und der freundliche alte Herr übergab einem Jeden, Worte des Lobes oder der Ermunterung spendend, das Paket mit dem üblichen Westenzeug. Als er bei Arthur angelangt war, sprach der Chef mit lauter Stimme:
„Mein lieber Herr Arthur W.! Ich habe gehört, daß Sie mein Westenstück verschmähen. Nun, wenn Sie das Zeug nicht brauchen können, dann können Ihnen ja auch die„Knöppe“ nichts nützen!“
Sprach's und ging freundlich lächelnd weiter.— P. W.
Der Hund des Königs. König Ferdinand von Neapel hatte einen Lieblingshund, einen kleinen Pudel, welcher bei ihm schlief und mit ihm aß. Was diesen Hund besonders in Gnade gesetzt hatte, voar der Glaube, daß er alle Verschwörungen wittern und jeden Hochverräther sogleich entdecken könne. Zu jener Zeit der Verschwörungen eine treffliche Eigen⸗ schaft. Eines Tages war ein Bettelmönch aus Kalabrien, der ein Gesuch an den Monarchen hatte, in den königlichen Palast gekommen. Man wies ihn daher an einen Platz, wo der König vorüben zugehen pflegte, und sagte ihm:„Wenn Ihr einen Mann erblicket, welcher von einem kleinen Pudel begleitet wird, so bringt Euer Gesuch vor, es ist der König.“ Der Mönch harrte geduldig; da er aber sein letztes Nachtquartier sehr zeitig verlassen hatte, so kam ihm der Hunger an, und er nahm daher ein Stück Brod und Käse aus seinem Schnappsacke, und fing an, mit großem Appetit zu essen. Plötzlich kam der Hund gelaufen; der Mönch schob sogleich sein Frühstück in die weiten Aermel seiner Kutte, wischte sich Mund und Bart und setzte sich in eine ehrerbietige Haltung. Gleich hinter dem Pudel erschien auch der König, der Hund aber guckte den Mönch an, lief unruhig um ihn herum, und sprang ihm dann mit lautem Gebell nach dem Aermel. Das Gefolge glaubte nicht anders, als in dem Mönch einen Hochverräther vor sich zu haben. Der König wollte ihn selbst verhören und befahl, daß man den verkappten Franziskaner sogleich durchsuche. Es geschah— allein Alles, was man bei ihm fand, war eine Brodrinde und ein Stückchen Käse, nach welchem der Hund gierig schnappte. Das Räthsel war hiermit gelöst und der Hochverräther entdeckt. Der König schmeichelte seinem vierfüßigen Spion und sagte lachend zu ihm, im schönsten Lazzaroniwälsch:„Ah, Brieongello! hast Du nicht eben Huhn und Maccaroni mit mir gegessen und bist so lüstern nach einem Stückchen Käse! Du bist ein echter Neapolitaner!“— Dem armen Mönch wurde nun sein Gesuch bewilligt. N.
Perrücken⸗Steuer. Unter Friedrich I. wurde in Preußen, auf Befehl des Grafen Wartenberg, eine Perrücken⸗Steuer ausgeschrieben. Eine jede Perrücke mußte mit einem Stempel versehen werden, und da man diese Einnahme an einen Entrepreneur, der noch dazu ein Franzose war, ver⸗ pachtete, so wußte dieser kurfürstliche„Perrücken⸗Inspektor“ nicht anders zu seinem Gelde zu kommen, als daß er durch seine Unter⸗Inspektoren die Perrücken, wo sie sich nur blicken ließen, unter genauer Kontrole hielt, was in der Zugluft der offenen Straßen von Berlin für die geschorenen Häupter eine große Beschwerde ward. Nach und nach wurden fast sämmt⸗ liche Kleidungsstücke einer Stempelabgabe unterworfen, selbst Schuhe, Strümpfe, Stiefel und Hüte; für das Tragen von Gold- und Silber⸗ flittern mußte jährlich ein Thaler gezahlt werden. Der Premierminister beschränkte jedoch seine Finanzoperationen nicht blos auf diesen glänzenden Flitterstaat und auf den Schmuck des männlichen Hauptes, er stieg auch in die niedern Sphären der Gesellschaft hinab und verschmähte es nicht, die Schweineborsten zu einem Monopol der Krone zu erheben.
Juan Pintos Grabstein. Zu den berühmtesten Sängern des vorigen Jahrhunderts zählt ohne Zweifel Juan Pinto. Seine schöne Stimme erregte bald die Aufmerksamkeit des Hofes, so daß er zum königlichen Hof-Musikus und Sänger ernannt wurde. Leider war sein Leben nur kurz; er starb auf dem Gipfel seines Ruhms im dreißigsten Jahre. Die Begeisterung seiner Zeitgenossen verführte seine Bekannten und Bewunderer zu folgender Grabsteininschrift:„Hier liegt die sterbliche Hülle Juan Pintos. Als er in den Himmel kam und mit seiner hellen Stimme in den Chor der Engel einfiel, behagte unseren Herrgott die prachtvolle Stimme so sehr, daß er den Bewohnern des Himmels zurief:„Schweigt, Kinder, und laßt Juan Pinto singen, den berühmten Sänger unseres geliebten Sohnes, des mächtigen Herrn und Königs von Spanien.“ Was würde wohl heut denen geschehen, die solches Epitaph einem Sänger setzten?
W. G.
„Man hat mir eine Scene bereitet, die Direktion; ich kann nicht spielen!“ Mit diesen Worten stürmte eine Schauspielerin in das Zimmer des Theaterarztes:„Man hat mich eine schnatternde Gans genannt.“ Lächelnd fühlt der Arzt an den Puls.„Allerdings,“ sagt er,„aufgeregt! Sehr aufgeregt! Also Ruhe! Ruhe!“—„Und Sie verschreiben nichts? Mein Organismus ist gänzlich gestört. Sehen Sie.“ Sie weist ihm die Zunge.„Allerdings sehr erregt, muß auch Ruhe haben. Zwei, drei Stunden nichts reden! Gemerkt, nichts reden! Dann ist Alles gut,“ be⸗ merkt der Jünger Aeskulaps. W. G.
Eine große Hochzeit wird gefeiert. Finster sitzt der Bruder der Braut an der Tafel.„Sind Sie unwohl?“ fragt man ihn; er schüttelt das Haupt. Endlich will sich das junge Paar entfernen. Da springt er auf, ergreift das Glas und spricht:„Meine Damen und Herren. Die Stunde der Trennung ist da, somit bitte ich, sich zu erheben und— nachzusehen, ob nicht Jemand vielleicht auf meinem neuen Cylinder sitzt.“ W. 6.
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