Ausgabe 
22.7.1888
 
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den zeitig gewarnt zu werden. Oder habe ich Unrecht, Wolf?

und erst spät nach Mitternacht mit ihren Angehörigen höchst ver gnügt die Gesellschaft verließ, ohne den ungetreuen Assessor eines Wortes oder eines Blickes zu würdigen. FFortsetzung folgt.)

In der Heimath.

Novelle von Hermann Birkenfeld. (Fortsetzung.)

Fräulein Graf sandte wiederum einen ihrer langsamen, halb müden Blicke nach Wolf hin, und da diesmal auch er das Auge hob, wurde ihm etwas beklommen. Ganz erwünscht kam ihm deshalb eine Unterbrechung des Gesprächs durch Töne, der fragte, ob er wieder mit dem Wagen nach der Bahn müßte.

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Eine Novität.

Unser altes Faktotum, der Friedrich Greifhaus Sie er innern sich seiner gewiß noch, Herr Direktor ist nämlich auf vierzehn Tage zu seiner kranken Schwester gefahren, und wir be helfen uns einstweilen mit dem jungen Burschen. Na, mit den Pferden wird er ganz gut fertig, erklärte der Wirth und brachte damit seinen Besucher endlich auf den eigentlichen Zweck seines Kommens. 8

Also nach Südhorn zu Steinwalds, Herr? Feine Herrschaft das, feine Herrschaft, wenn sie auch selten genug im Stadtwappen ausspannen. Kommen ja aber kaum nach Kirchberg. 5

Was mir auch schon ganz recht ist; denn ich gestehe offen, große Vorliebe hatte ich für die Familie nie, warf Frau Graf spitzig ein.Den Mann lasse ich allenfalls noch gelten, aber die Damen von draußen 8 ö N

Mama! Du kannst ja gar nicht wissen, in welchen Be⸗ ziehungen Herr Wolf zu Steinwalds steht! 5 5

Nein, Kind, wissen kann ich das freilich nicht, aber Auf⸗ richtigkeit hat mir noch Keiner absprechen können, und unserem Wolf kann es nur willkommen sein, von wohlmeinenden Freun⸗

Dieser mußte verneinen, obschon er die gesprächige Wirthin nicht ganz verstand. Doch hier fand er vielleicht den Schlüssel auch zu Pförtner's Abneigung gegen Steinwalds.

Frau Erika warf einen Siegesblick in der kleinen Runde umher.

Ich wußte, daß wir uns verstehen würden, Wolf

Aber Mama!

Du hast natürlich noch allerhand Bedenken, versetzte Frau Graf pikirt.Sie hat ein so gutes Herz, Wolf; sie kann es nicht über sich gewinnen, ihre Mitmenschen getadelt zu hören, erklärte sie dann recht mütterlich liebevoll.Aber was einmal wahr ist. Und weshalb sollte ich auch schweigen? Frau Steinwald ist eine verheirathete Frau, und Marie Lauscher ist Ihnen wohl noch ganz unbekannt? Also ist auch von einem Voreingenommensein für die zwei bei Ihnen gar nicht die Rede. Und dafür kenne ich Sie doch auch schon etwas zu lange, um

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Ein Prieschen.

Ihnen zuzutrauen, Sie könnten sich in so'n unbedeutendes Mäd chen wie Fräulein Lauscher einmal verlieben. Nein, Wolf, da gäb's doch in Kirchberg noch junge Mädchen genug, nicht so halb flügge Dinger wie die und von anständigerer Herkunft. Genug, unter denen Sie nur zu wählen brauchten: Die oder Keine.

Frau Erika bohrte dabei eine Stricknadel, welche sie aus ihrem Knäuel gezogen hatte, so heftig in ein imaginäres Etwas genau zwischen ihrer Tochter und Wolf hinein, daß diese Beiden unwillkürlich ein wenig voneinander rückten, wobei Erika er⸗ götzt lachte.

Mama geräth ordentlich in's Feuer. essant ist Fräulein Lauscher gerade nicht.

Interessant! Stupide nenne ich das, Wolf, einfach stupide. Und dabei trotz ihrer zwanzig Jahre

Zweiundzwanzig, Mama. Sie wird im Dezember zwei⸗ undzwanzig, ich weiß es ganz bestimmt.

Trotz ihrer meinethalben auch zweiundzwanzig Jahre und trotz ihrer Herkunft, mit der sie wahrlich keinen Staat machen kann so hochnasig, so aufgeblasen. Nun, Sie werden ja selbst sehen, wenn Sie morgen hinausfahren.

Allerdings inter⸗

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