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und Josepha hatten weder Lust noch Zeit, alles genau sich an zusehen, sie mußten sich beeilen. Niemals im Leben hätte Anna gewagt den Wunsch zu äußern, derartige Luxusgegenstände, wie kostbare Portieren, Glasschränke, feine Lampen, Bilder, ein Pianino und Etageren mit Nippsachen und Blumen, besitzen zu wollen. Unwillkürlich dämpfte sie ihre Stimme wie in der Kirche.

Denke Dir nur, meine liebe Josepha, was dieses alles ge kostet hat! Ganze Tage gingen sie aus, um Einkäufe zu machen, dann kamen die Handwerker in's Haus und drapirten und de korirten. Gestern endlich sind sie fertig geworden, und nun ist alles wieder still Ich hörte, wie Jas zu ihr sagte:Du bist eine Zauberin, Paula; denn aus nichts hast Du ein Paradies geschaffen.Wahrhaftig, ein schönesAus nichts mindestens drei⸗ bis vierhundert Rubel sind dabei aufgegangen!

Neugierig betrachtete Josepha noch immer all' diese Herrlich keiten, welche sie noch niemals gesehen; dann sagte sie mit ge dämpfter Stimme:Eure Kousine muß wohl sehr reich sein, da sie sich solche Ausgaben gestatten kann?

Gott weiß es, meine liebe Josepha, Gott allein weiß es, ob sie reich oder arm ist, flüsterte Anna, während in ihren Augen eine gewisse Unruhe bemerkbar wurde.

In diesem Augenblicke ließen sich im Vorzimmer fröhliche Stimmen hören. Schnell kehrten die beiden Freundinnen in die Wohnstube zurück, und bald darauf trat Paula, gestützt auf Mirewicz' Arm, ein. In der Begleitung des vergnügten Paares befand sich ein junger brünetter Herr mit einem Napoleonsbart und lebhaften dunklen Augen, die eben gerade mit sichtbarem Wohlgefollen auf Paula's schönen Schultern und eleganter Toilette ruhten. Paula, deren Wangen lebhaft geröthet waren, warf sich ermüdet in einen Sessel. Sie begrüßte Josepha sehr kühl, Anna aber nur durch ein leichtes Neigen des Kopfes. Auf ein⸗ mal waren alle verstummt. Anna glaubte, sie müsse in ihrer Eigenschaft als Hausfrau einige Worte sprechen.

Es ist heute herrliches Wetter, sagte sie,nicht so heiß, wie in der vergangenen Woche.

Sie brach ab; denn Paula biß sich lächelnd auf ihre rothen Lippen, stand hastig auf und begab sich in ihr Gemach. Herr Mirewicz zog finster die Augenbrauen zusammen; er und sein Begleiter schlugen die schwere Portiere auseinander.

Ist es erlaubt? fragten sie höflich.

Bitte, bitte, antwortete Paula mit silberheller Stimme, worauf sie in ein schallendes Gelächter ausbrach.

Tieftraurig blickte Anna nach Josepha hin. Josepha, und hörst Du?

Josepha, welcher nichts entgangen war, legte beruhigend beide Arme um Anna's Schultern und küßte die Freundin herzlich. Meine theuere, arme Anna, gräme Dich nicht zu sehr! Das geht ja vorüber. Einen anderen Trost vermochte sie ihr nicht zu geben.

Sage mir doch, Josepha, was ist Metologie? Anna leise.

Josepha wurde stutzig.

Ich weiß es nicht, liebe Anna, aber vielleicht meinst Du Meteorologie, wie?

Ja wohl, Meteorologie, Josepha.

Fräulein Josepha erklärte ihr den Ausdruck.

Ah, jetzt verstehe ich, was es bedeutet! Ich hörte nämlich gestern, als sie mit Jas in ihr Zimmer ging, wie sie lachend zu ihm sagte:Aber lieber Jas, Deine Frau ist ja die leib⸗ haftige Meteorologie!

Und was antwortete er darauf?

Mir scheint, es war ihm nicht ganz angenehm, da er keine Silbe erwiderte. Aber später küßte er mir mit rührender Herz lichkeit und einer gewissen Ererbietung beide Hände. O mein theurer, bester Jas!

Sie kannten sich von Kindheit an, sie waren zusammen auf gewachsen, die Waise und die Gattin. Anna war einige Jahre älter als Josepha, und dennoch bezeugte sie der Freundin die Hochachtung, die sie jedem Gebildeten entgegenbrachte. Kein Wunder daher, wenn sie sich scheinbar ruhig stellte, um ihr das Herz nicht noch schwerer zu machen. Sie setzten sich dicht neben einander und sprachen lange und leise; sie gaben sich gegenseitig Rathschläge. Als Josepha Abschied nehmen wollte, zog Anna

Siehst Du,

fragte

sie in's Eßzimmer. Dort stand in der Ecke neben dem Schranke ein großer Korb voll Eßwaaren und Wirthschaftsgegenständen. Das ist für Dich bestimmt auf die Reise und für die neue Wirthschaft, wenigstens für die erste Zeit.

Josepha warf sich in ihre Arme und weinte bitterlich.

Meine arme, liebe Josepha, so ohne Schutz, ohne Hilse fährst Du in die weite, fremde Welt hinaus, und noch dazu mit der Schwester, die Du erziehen und erhalten mußt. Wie werdet Ihr Euch nur forthelfen!

Das schöne, blasse Mädchen trocknete schnell seine Augen. Was soll ich thun, Anna? entgegnete es.Siehe, das ist das Leben eines armen Weibes, das nicht umsonst bei fremden Leuten sein Brot essen mag! Ich bin glücklich, daß ich soviel gelernt habe, und Helka, o ihr soll es im Leben einmal besser ergehen, denn ich werde ihr die Wege bahnen!

(Fortsetzung folgt.)

Am Ehre und Vllicht.

Aus den Papieren einer Einsamen. Von J. v. Brun⸗Barnow. (Fortsetzung.)

Ich nehme am Instrumente Platz, die Unterhaltung schwirrt noch um mich herum, ich schlage die ersten Akkorde an. Meine Ruhe kehrt zurück. Die Töne sind die Welt, in der ich zu Hause bin, selbst nachdem das stolze Gebäude meiner Künstlerlaufbahn eingestürzt und mir nichts geblieben als die Erinnerung. Sie steigt empor, wehmüthig verklärt, unsagbar theuer. Ich singe: Seit meiner Jugendzeit hab' ich in Freud' und Leid Nur einen Freund, der mit mir lacht und weint.

Der Freund ist mein Gesang, wie ich bald froh, bald trüb' und bang, Den mir der Alles lenkt, so gütig hat geschenkt.

War oft von Sorgen schwer, voll Zweifel mein Gemüth, Treu blieb mir doch mein Lied!

Und was mein Herz im Lauf der Stunden

An Liebesqual und Liebeslust so wahr und treu ewig empfunden; Was ich verschloß in tiefer Brust. Wonach ich rang in heißem Sehnen Bald hoffnungsreich, bald todesmüd, mein ganzes Sein in Glück und Thränen, Das sprach mein Lied!

Und ist mein Haar ergraut, verhallt der Stimme Laut,

Wend' ich den Blick wohl oft zurück zu dieser Wonnezeit,

So reich an Huld und Seligkeit. Und denk', das war so schön! Und mußte doch vergeh'n! Dann wie ein süßer Trost

Durch meine Seele zieh't, was heut' ich sang mein Lied!

Ich habe geendet. Dem Geschwirre beim Beginn meines Liedes ist lautlose Stille gefolgt, auch jetzt bleibt es stumm keiner spricht. Mich bedrückt das tiefe Schweigen nicht. Ich weiß, ich habe gut gesungen, weiß, fühle es aufjubelnd, daß meine Stimme, wenn auch nicht ihren ganzen Umfang, so doch ihre Kraft, ihre Seele zurück erhalten und ich wieder mein Glück, meinen Trost im Reich der Töne suchen, finden darf! Was kümmert mich die Welt, die Treulosigkeit der Menschen, wenn dieses Reich mir wieder die Heimstätte geworden, welche mir Niemand rauben kann!

Der Bann des Schweigens bricht sich. Man tritt an mich heran und sagt mir Komplimente, spricht sein Erstaunen aus, daß ich mit dieser Stimme so zurückhaltend gewesen bin, gratulirt der Frau des Hauses zu ihrem Protegé und beglückwünscht den Assessor zu seiner Lehrerin. Nur er hat kein Wort der An⸗ erkennung für mich. Ich höre, wie er gegen einen der Herren ganz entschieden das Verdienst ablehnt, meine Stimme entdeckt und für den Abend gewonnen zu haben. Endlich hat sich der Strom des Beifalls verlaufen und ich athme erleichtert auf. Man bittet noch um einige Lieder. Ich finde keinen Grund der Ab lehnung und muß singen, aber alle Freudigkeit ist von mir ge⸗ wichen, warum, ich weiß es nicht, oder will es mir nicht ein gestehen, daß seine Zurückhaltung, sein Schweigen die Ursache daran trägt. Nach dem dritten Liede ist meine Kraft erschöpft, ich fühle, daß ich nicht mehr gut gesungen, obgleich man das nicht zugeben will.