Ausgabe 
19.2.1888
 
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komme. Alle sollten sich in dem großen Gebäude zerstreuen und dasselbe zu gelegener Zeit einzeln zu verlassen suchen.

Nachdem alle Revolver auf's Neue geladen waren, nahm jeder seine Stellung ein.

In diesem Augenblick erkrachte die Vorderthüre unter einem gewaltigen Stoß. Der Angriff hatte mit neuer Heftigkeit wieder begonnen. Die Gensdarmen suchten mittelst eines Balkens die Thüre einzustoßen. Scheljabow lächelte grimmig. Für den Durch bruch konnte es nur günstig sein, wenn möglichst viele der An greifer im Vorzimmer beschäftigt waren.

Leise schlod ire auf, noch einen Wink an dix die Thüre auf, und Alle stürzten

en nur auf den Lärm im Vor- A teines Angriffs. In mächtigem An gqheljabow den einen, daß er hinterrücks die Treppe eabstürzte und stöhnend liegen blieb. Der andere Posten erhob hastig seinen Revolver, aber be vor er feuern konnte, wurde er durch einen Schuß niedergestreckt. Die Verschworenen schienen voll ständigen Erfolg zu haben, aber der Schuß hatte die Verfolger herbeigerufen. Sie zerstreuten sich rasch durch das weite Haus, jedoch ein Theil derselben wurde ereilt und nach heftigem Kampfe gefangen genommen.

Maxim hatte sich unwillkürlich, sobald er das Zimmer verlassen, nach der Treppe gewendet und dieselbe in raschem Laufe er stiegen. Hastig lief er die Gänge entlang, indem er noch von unten Schüsse und den Lärm des Kam pfes hörte. Glücklich erreichte er seine Wohnung, ungesehen von den Dienern des Gesetzes, welchen er ja nirgends vor Augen getreten und ungesehen von den Bewohnern des großen Hauses, welche sich in ihre Wohnungen eingeschlossen hatten.

(Fortsetzung folgt.)

8 Sadi Carnot.

Eine Sommerfrische. Novelle von Georg Hartwig.

(Fortsetzung.)

Ich blickte ihm einen Moment verdutzt nach und schoß dann fort wie ein Pfeil. Wohin? Gleichviel, nur aus dem Bann kreis unseres Quälgeistes fort, dem Luise möglicherweise noch beim Ausziehen destrockenen Kalbfells behülflich war. Oh, hätte ich nur für diesen Tag die ehrenden Funktionen eines Folterknechts übernehmen können, ich würde dem Fräulein Nase weis diese kalbledernen Schraubstöcke so fest angepreßt haben, daß ihm die Lust zum Echappiren wohl vergehen sollte. In Ermangelung dessen hoffte ich wenigstens auf ein paar reelle Blasen, die ja auch trefflich am Fortlaufen zu hindern pflegen, und freute mich schon schadenfroh darauf, die Nymphe als Revier kranke im Garten herumhumpeln zu sehen.

Unterwegs traf ich meinen Freund, dessen höhnische Frage: Na, ist Euer Edelwild wieder in's Garn gelaufen? mich auf's Neue in Wuth versetzte.

Nimm sie Dir! sagte ich, dämonisch lächelnd. Geld, Geld und nochmals Geld!

Danke, ich bin kein Jager von Profession, erwiderte er trocken.Solche Motionen wie heute Vormittag wären nicht öfter nach meinem Geschmack. Ueber diese Vormittagshatz solltest Du eine Humoreske schreiben!

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Und mir selber eine Realinjurie damit an den Kopf werfen, nicht wahr? brauste ich auf.

Du meinst eine Ohrfeige? Na, es käme vielleicht darauf hinaus! Was hast Du denn zuletzt geschrieben?

Eine Kleinigkeit. Zumeist auf Drängen meiner Frau.

Das finde ich lobenswerth. Die meisten Frauen ärgern sich über Tinte und Feder ebenso wie über Zeitung und Skat.

Meine Luise ist eben vollkommen, sagte ich mitleidig. Die blaue Sammetschleppe verschwieg ich aber weislich.Das Ding hieß:Der Bräutigam wider Willen. Du kannst es im Abendfreund lesen. Das Journal liegt im Lesezimmer aus.

Wir kamen nun auf andere Dinge zu sprechen und trennten uns in bester Laune vor unserer Gartenthür.

Mitten im Hausflur kam Luise mir entgegengesprungen. Du, Georg, der fremde Herr ist da!

Welcher fremde Herr?

Nun, der Oberstlieutenant von Ritter, Fräulein Katharina's Bräutigam. Er muß Dir ja noch begegnet sein?

Ah, der Glückliche, dem ich beinahe den Brustkorb einge drückt hätte, vom zersprungenen Zwerchfell gar nicht zu reden! Das ist ja allerliebst! Das Ome- lette sans confitures und ein paar zerborstene Rippen! Wir machen hier Furore!

Die kleine Frau ward nun sehr zärtlich, und hätten mir die hoff nungsvollen Fußblasen des Fräu lein Irrwisch nicht im Kopf ge legen, würde ich ohne Zweifel der hübschen Schmeichlerin eine vermehrte und verbesserte Auflage ihrer Liebenswürdigkeiten zurück gegeben haben, so aber wand ich mich mit der Miene eines kalten Armeniers aus ihren Armen los und fragte kurz:Wieviel?

Georg! rief sie verdutzt.

Ich rechne auf ein halbes Dutzend!

Das ist abscheulich von Dir! sagte sie, ihre Hand vor die Au gen legend.Du warst bis jetzt nie so rücksichtslos zu mir!

Dann werde ich es eben jetzt! Ihr zwingt mich dazu. Ich habe diese Sommerfrische satt!

Ich Dich auch in Deiner jetzigen Laune! gab sie ebenso hestig zur Antwort.

Und Mathilden's Füße? warf ich stirurunzelnd ein.

Was kümmern Dich die Füße anderer Frauen, rief sie, beinahe laut schluchzend,wenn Du siehst, daß ich durch Deine Brutalität leide!

Was? entgegnete ich zornig.Meine Brutalität? da hört Alles auf! Ich wünsche wohl zu speisen!

Sie lief in den Garten und ich blieb in dem dämmerigen Hausflur allein stehen. Dann wandte ich mich achselzuckend und schritt, um mich für das bevorstehende Diner umzukleiden, die Stufen zur ersten Etage empor. Kaum aber hatte ich zwei Schritte gethan, als hinter mir ein zarter, elfenhafter Tritt laut ward und das Rauschen eines seidenen Frauengewandes. Doch bevor ich mich umwenden konnte, fühlte ich mich durch eine Hand festgehalten und eine Sekunde später von zwei weichen Armen fest und innig umschlungen.

Du bist da! bist gekommen, oh, mein Geliebter! flüsterte eine süße, bebende Stimme dicht an meinem Ohr.Wie ich mich nach Dir gesehnt habe! Bis zum Sterben! Ach, und war so krank, so elend, und durfte doch nicht klagen, Niemand ein Sterbenswörtchen sagen!

Sie lag mit ihrem blonden Lockenhaupt fest an meinen

Nein,

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..

Lippen, so daß es mir, wenigstens für den Moment, unmöglich i