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nach Wasser rufend, ein Schwarm von Männern. Streitend zerrten andere an den Zugtauen der elenden Dorfspritze; diese wollten vorwärts, um das Wohnhaus zu retten, jene rückwärts, um die bedrohten Nebengebäude zu schützen. Fluchend drangen die Sinnlosen auf einander ein; Jeder wollte befehlen, Keiner gehorchte. Dazu das Kreischen und Jammern der Weiber und Kinder, das angstvolle Brüllen und Blöken geretteten Viehs, das Knattern der lodernen Flammen und das dumpfe Krachen der zusammenstürzenden Dächer und Balken wahllich, eine schauerliche Illustration für die vernichtende Gewalt einer entfesselten Naturkraft, wie für die Ohnmacht einer führerlosen Menschenmenge. b

Graf Warrens herrische Stimme gebot Ruhe.

Wo ist Ewald, rief er,wo ist der Dorfschulze?

Mit verstörter Miene kam der Letztere herbei.Wir lagen schon Alle in den Betten, Herr Graf, als das Feuer auskam. Es brannte gleichzeitig im Stall und in den Scheunen. Der Herr Verwalter schlief, wir haben ihn erst wecken müssen, als die Flammen schon das Wohnhaus ergriffen. Er hat soeben Tochter und Enkel nach dem Garten geflüchtet.

Alle Menschen gerettet?

Jawohl, Herr Graf! Auch das meiste Vieh! Mehr war nicht zu erreichen; es fehlte an Wasser und der Wind war zu stark!

Nun, dann übernehmen Sie die Leitung der Löscharbeit! Zwei Spritzen kommen dort soeben vom Schloß; von Werben erwarte ich eine dritte; Eure eigene ist die vierte. Legt die Saugeschläuche in den Dorfteich und schützt vor Allem den Neben⸗ hof! Das Uebrige laßt brennen, es ist doch nicht mehr zu retten!

Als der Mann sich entfernte, kam der Verwalter. Todtenblaß und zitternd wankte der Arme, der so rauh in seiner Nachtruhe gestört worden, auf den Grafen zu. Halb bekleidet stand er vor ihm, und Thränen rannen in seinen weißen, wehenden Bart. HDllles verloren! stöhnte er,fast die ganze Ernte, das meiste Jungvieh verbrannt, das Haus, in welchem ich ge boren und sechzig Jahre gelebt, in Flammen!

Der Graf drückte ihm die Hand:Muth, Ewald, es ist wenigstens kein Menschenleben zu beklagen; das Andere läßt sich ersetzen! Doch was ist dort geschehen, was bedeutet der Lärm?

Eine Anzahl Frauen stürzte jammernd und schreiend auf den von Feuer umschlossenen Hof. Allen voran mit fliegenden Haaren und gerungenen Händen die Tochter des Gutsverwalters. Mit der Kraft der Verzweiflung stieß sie die herbeiströmenden Neugierigen bei Seite und brach schluchzend zu den Füßen des erschrockenen Mannes zusammen.

Vater, ächzte sie,Fritz ist noch in dem brennenden Hause Fritz und das Hausmädchen! Barmherziger Himmel! Er verbrennt mein Fritz mein unglückliches Kind!

Anna, beruhige Dich! tröstete der Alte,was Du sprichst, ist nicht möglich! Ich selbst habe die Kinder hinaustragen lassen und ich war der Letzte, der das Haus verließ. Auch Fritz ist gerettet, er wird sich wiederfinden!

gNein, nein! weinte das arme Weib,Fritz schlief ja nicht

bei den anderen Kindern, ich hatte ihn in die Giebelstube gebracht, damit er nicht auch die Masern bekäme. Christine sollte bei ihm bleiben, auch sie ist noch drinnen! O, rettet, rettet mein armes Kind! schrie sie in herzzerreißendem Jammer und raffte sich auf, um in das brennende Haus einzudringen. Man mußte die Verzweifelte festhalten, denn sie wäre ihrem sicheren Tode entgegen gegangen.

Bringt Leitern! befahl der Graf.

Ja Leitern! Leitern! schrie die entsetzte Menge mit heiseren Stimmen, und ein Dutzend Männer stürzten davon, das Ver langte zu holen.

Graf Warren aber prüfte mit entschlossenem Blick die Fort⸗ schritte des Feuers. Dort oben waren die Fenster des Giebel⸗ zimmers noch dunkel, nur gelbe dünne Rauchwolken zogen durch die zersprungenen Scheiben, während aus den Fensteröffnungen des Erdgeschosses schon die Flammen züngelten und an den Latten des Weinspaliers bis an das Gesims hinaufleckten. Die Treppe im Innern war nicht mehr gangbar, denn der abgewendete Flügel des Hauses begann in sich zusammenzusinken. Lange konnte es nicht mehr währen, dann schlug auch auf dieser Seite die Lohe über dem Dach zusammen.

Stellt die Leiter auf! herrschte er den Männern zu.

Es ist vergebens, gnädiger Herr! entgegneten die Muth losen;innen brennt Alles, wer sich hineinwagt, ist verloren!

Doch Warren hatte die Lippen fest aufeinander gepreßt. Vorwärts! gebot er mit rauher Stimme und griff selbst in die Sprossen. Willenlos gehorchte man ihm; die Leiter hob sich, schwankte und fiel knarrend gegen die Brüstung des Fensters.

Ewald, Sie bleiben! Niemand soll mir folgen.

Er war die Stufen der Leiter emporgeeilt und in dem Giebel zimmer verschwunden. Peinvolle Augenblicke athemloser Spannung waren für die außen Harrenden vergangen. Dann war die hohe Gestalt in der Fensteröffnung erschienen, hatte sich hinausgebeugt und den gefundenen Knaben in die von zwanzig Händen auf⸗ gehaltenen Decken hinabgeworfen.

(Fortsetzung folgt.)

Jose Blätter.

Der Unterricht im Zirkus.(Siehe Illustrationen.) Der Zirkus bildet eine Welt für sich. Da die Zirkusgesellschaften zumfahrenden Volk gehören, das den Wanderhirten gleich, bald im Süden, bald im Norden sein Zelt aufschlägt und so lange nur an einem Orte bleibt, als das Geld im Kasten klingt, so stehen die Mitalieder solcher Gesellschaften unsern

sozialen und staatlichen Verhältnissen fremd gegenüber. Der Zirkusmann

genießt nicht die Wohlthat des öffentlichen Unterrichts für seine Kinder, da er zu oft den Schauplatz seiner Thätigkeit wechselt. Zwar giebt es wohlhabende Zirkusdirektoren und gut bezahlte Artisten, welche ihre Kinder in einem Pensionat erziehen lassen können, jene ärmeren Zirkusleute aber, welche ihre Kinder schon früh für den eigenen Beruf heranbilden müssen, sind auf den Zirkus selber und dessen bescheidene Unterrichts mittel angewiesen. Hier unterrichtet jeder, der etwas kann. Die Mehrzahl die älteren Artisten spricht mehrere Sprachen und die Kinder erlernen in der Regel sehr bald die englische, französische und deutsche Sprache, ohne daß sie jemals mit der Grammatik geplagt werden. Häufig befindet sich im Zirkus auch eine Persönlichkeit, die das Zeug zum Schulmeister hat und der heranwachsenden Generation dann aue un die Geheimnisse des Lesens, Schreibens und Rechnens, der Geographie und Geschichte ent⸗ hüllt. Regelmäßige Unterrichtsstunden lassen sich kaum einhalten und die kleinen Buben und Mädchen sind zumeist auf den Gelegenheits unterricht angewiesen. Vortreffliche Unterweisung erhalten dagegen die Zirkuskinder in allen körperlichen Uebungen und Clownukünsten. Wie man die Guitarre, Mandoline oder Flöte spielt, wie man auf der Kugel und dem Drahtseil läuft, wie man springt und reitet, das zeigen die Alten den Jungen mit eifrigem Bemühen. Wie die Kinder, so müssen auch Hündchen, Pferde, Affen und Elephanten in die Schule gehen und die Manege ist der Tummelplatz für hundert gelehrige Schüler. Unsere Bildchen zeigen Schülerscenen, die abseits von der Manege, bald die Sattelkammer, bald den Futterboden, bald die Stube zum Schauplatz haben. Früher war die Erziehung der kleinen Zirkusleute eine völlig spartanische. Die Lehrer prügelten die kleinen Geschöpfe viel, theils um sie unempfindlich gegen den Körperschmerz zu machen, theils weil sie im Stock einen gewaltigen Erwecker der Intelligenz vermutheten. Neuerdings aber geht man menschlicher mit den Kleinen um. Auch in der Zirkus⸗ schule bricht sich allmählich die Erkenntniß Bahn, daß der einsichtsvolle und gelassene Meister weit mehr erreicht, als der jähzornige Dummkopf, welcher die eigene Denkfaulheit durch Schreien und Schlagen zu be mänteln sucht. R. E.

Ein gutes Gedächtniß. Ein Student kehrte nach Beendigung seiner Studien in seine Vaterstadt zurück. Da besuchte ihn nach einer Reihe von Jahren ein alter Freund und Studiengenosse. Beide waren recht vergnügt und erzählten sich gegenseitig ihre Erlebnisse. Auf einmal erinnerte der Gast seinen Wirth daran, daß er demselben vor dreizehn Jahren auf der Univerfität zwei Thaler geliehen habe. Ohne ein Wort zu sagen, ging der Andere, welcher jetzt in Amt und Würden stand, an seinen Bücherschrank, nahm ein altes, staubiges und von Würmern zer⸗ fressenes Buch heraus, überreichte es seinem Freunde und sagte lächelnd: Hier hast Du das Buch; ich erhielt es in meiner Jugend als Prämie für mein gutes Gedächtniß. Jetzt sehe ich mich übertroffen und überlasse deshalb Dir die Prämie. H. R.

Ein guter Hirt. Ein Pfarrer der Diözese Cambray rühmte sich einst dem Erzbischof Feuelon gegenüber, daß er in seiner Gemeinde durch große Strenge das Tanzen am Sonntage abgeschafft habe.Lieber Pfarrer, sagte Fenélon, indem er ihm freundlichst auf die Schulter klopfte,lassen Sie uns nicht zu strenge gegen Andere sein! Sie, Herr Pfarrer, und ich dürfen freilich nicht tanzen, das versteht sich von selbst, aber unseren Bauern wollen wir ihr Sonntagsvergnügen nicht rauben. Warum sollen wir sie in ihre dumpfen Hütten einsperren und verlangen, daß sie einander vor Langeweile angähnen? Könnten wir so grausam sein, dem Landmanne noch die wenigen Augenblicke zu nehmen, da er sich freuen darf? Gott bewahre uns davor! H. R.

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