Ausgabe 
15.4.1888
 
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brauchen, und das die junge Gattin ihm mit künstlerischem Ge⸗ schmack eingerichtet hatte.

Du wolltest Deine Flucht von Voridori selbst Deinem Groß⸗ voter gegenüber nicht auseinandersetzen, sagte er und dehnte sich in dem verschnörkelten Lehnstuhl à la Louis XV.,so habe ich es gethan, und das ist die Antwort, die mir Gräfin Josika giebt: Oberst Androchich wurde am Morgen nach Deiner Flucht todt gefunden.

Jella schrak todtenbleich zusammen und sank auf einen Sitz.

Aber was ist Dir, Mädchen? fuhr er auf; ich dachte nicht, daß es bei Dir einer behutsamen Vorbereitung bedürfe, Du thatest immer, als sei die Zuneigung zwischen dem alten Herrn und Dir nicht groß. Ja, wärest Du nur noch einige Zeit geblieben, nun kommen die Erb schafts- Angelegenheiten, Du hättest Deine eigene Sache vertreten können, Verwicklungen wird es wohl nicht geben, sagte er nachdenkend und nahm das Kinn in die hohle Hand,Du und die Grä fin seid die einzigen Erben.

Mein Bruder! kam es über Jella's bleiche Lippen.

Sprich nicht von ihm, ich kann seinen Namen nicht nennen hören, rief er und sprang auf. Mama, sie weiß nicht, daß er existirt hat. Dein Großvater muß wohl den Todtenschein aufbewahrt haben, jedenfalls werden wir dieses Beleges be dürfen.

Der Großpapa hat ihn enterbt, sagte mir die Tante.

Desto besser, rief der Präsident erleichtert; hiermit sind alle Schwie rigkeiten gehoben. Ich gratulire Dir, mein schö nes Töchterchen, sagte er lächelnd und reichte Jella die Hand.Du bist nun eine reiche Erbin und in kurzer Zeit steht Dir die Verfügung über Dein Vermögen ganz frei, bis zu Deiner Großjährigkeit aber mußt Du es noch unter der Verwaltung Deines Vaters lassen. Es wäre freilich für unser Interesse von unberechenbarem Werthe gewesen, wenn Du selbst in Voridori wärest; denke doch an die arme, einsame Tante, mein Kind. Nein, nein! schrie Jella auf,nimmermehr nach Voridori. Wo ist die Weisheit geblieben, die Dich dort die Philo sophen gelehrt haben? fragte er und strich ihr tändelnd über das dichte, schwarze Lockenhaar.

Es giebt unter den Philosophen nicht nur Stoiker, es giebt auch Epikuräer, mein Vater, antwortete sie und sah ihn son⸗ derbar mit den tiefdunklen Augen an.

Er erröthete unter diesem 1 mahnenden Blick.

Mir

Cirkusbilder: In der Hundeschule.

Erwähne ihn nie bei Deiner

Cirkusbilder: In der Clownschule.

ist es unmöglich, von hier wegzugehen, versetzte er nach einer Weile,ich muß ja so wie so das Ordnen der Erbschaftsgeschichte N einem Anwalt in Agram übertragen.

Ich denke, Oberst Androchich's Nachlassenschaft ist nicht groß, was thut's auch? In das Wohnhaus dringt der Regen, die

Felder liegen verwahrlost da und die Juden haben lange, ver⸗

ten, nach denen er jeden Hund durchprügelte, der ihm unter die Hände ge⸗ rieth der arme alte Mann, er ist nicht zu beklagen, daß der Tod ihn so schnell wegraffte, sagte Jella, in Nachdenken versunken, und schauderte in der lebhaften Erinne- rung an den Anblick, den

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ihr die trübe Lampe in 1 der Dämmerung des Win⸗ termorgens gewährt hatte. Er war todt, als ich 1 sah, sagte sie sich, und 1 dennoch krampfte ihr den Gedanke ihrer schleunigen Flucht vor dem gräßlichen Bild das Herz zusammen, 5 und die ganze Trostlosig⸗ keit, in der der alte Mann 0 gestorben war, ohne die hilfreiche Hand seiner Tochter oder Enkelin, lag wie ein Vorwurf auf ihrer Seele. Sie hatte sich in ihr Zimmer zurückgezogen, sie barg das Gesicht in den Polstern des Sophas, sie wollte den Tag nicht sehen, er that ihr wehe. Es lag der Fluch der Ver⸗ lassenheit auf Allen, die von Voridori ausgegan⸗ gen waren: sie waren Alle einsam, ungeliebt, und dieser Fluch hatte Jella in's Elternhaus be⸗ gleitet; ihr Vater war ihr ein Fremder und seine junge Frau suchte in ihr g nur Zeitvertreib, Aus⸗ 4 füllung ihrer mußigen 5 Stunden. Ich habe es Dir ja gesagt, sobald ich dem Madchen in die Augen gesehen, sprach Frau von Bessow zu ihrer Tochter, 1 die mißvergnügt und ner⸗ vös im Salon saß,* 4 ist phantastisch im höchsten Grade. Betrauert man denn einen alten Mann so unsinnig! man viel Aufhebens von diesem Sterbefall zu ma⸗ chen Der Präsident hätte darüber schweigen sollen. Nun 5 bist Du während des ersten Winters Deiner Verheirathung sechs Wochen in Deine Wohnung gebannt, gerade wo Du kaum augefengen hast, Dich hier mit dem kleinen Nest auszusöhnen.

Das Einzige, was ein bischen tröstlich ist, ist die Erbschaft, die Euch so lange bleibt, bis die Kleine sich verheirathet; solche phan⸗ tastische Naturen verheirathen sich bekanntlich nicht leicht. 73 O, die endlose Langeweile! seufzte Frau Wellner 1 einem verzweifelten Blick.Ich kann es Dir nie verzei Mutter, daß Du mich in diese Verhältnisse hinein gezwängt Einen Augenblick schien Frau von Bessow rathlos.

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