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gebe ich gern zu, und wenn Ihr nur eine Versorgung für mich wünscht, würde er ja der Rechte sein. Aber ich glaube mich doch zu andern Ansprüchen berechtigt!“ Sie warf den schönen Kopf in den Nacken und richtete sich noch höher auf; und die Bürgermeisterin, die reizende Erscheinung ihrer Erstgebornen be⸗ trachtend, seufzte aus tiesster Seele auf. 5
„Wir glauben und hoffen Manches, das sich schließlich als leere Seifenblase erweist und verflüchtigt; Jugend und Schönheit auch. Aber versuche Dein Heil! und kehre dann still und ge⸗ demüthigt in die engen Schranken zurück, welche Dir vorgezeichnet sind. Aber erwarte es dann nicht, daß Georg Dir noch einmal die Hand bietet. Ein liebendes Herz vergißt es niemals, daß es um eines Andern willen verschmäht worden. Mit Georg hast Du dann für alle Zeiten gebrochen.“ 2
Nach diesen prophetischen Worten leerte Frau Bürgermeister Brandt ihre Kaffeetasse, blickte gedankenvoll auf den Boden der selben, in welchem sich einige Kaffeekörnchen angesammelt hatten, und überließ die Tochter dann ihrem Nachsinnen.
Hedwig war ein wenig zusammengezuckt— die Freundschaft mit Georg war also ein für allemal zu Ende! Ein Gedanke, bei welchem ein Gefühl von Reue ihr Herz überschleichen wollte, auch von Bedauern; aber sie ließ es nicht dahin kommen. Ein Leben an Georg's Seite würde einer endlos dürren Sommerzeit gleichen, und ein Sehnen nach Frühlingstagen voll Duft und süßer Nachti⸗ gallen Lieder würde sie nie verlassen! Also war die Wendung gut, die es genommen. Ihr Fuß lenkte glänzenderen Bahnen
Sie begann ein lustiges Liedchen zu trillern; aber ihrer sonst so biegsamen Stimme fehlte momentan der Klang. Und so versank Hedwig allmählich in ein stilles Träumen, aus welchem die Ge— stalt des Majors sich wie aus goldenem Rahmen strahlend hervorhob.
Die schmucken Jäger waren in das Städtchen eingerückt zu allgemeiner Freude. Alt und Jung zeigte frohe Mienen bei dem bunten Treiben, eine lebhaftere Bewegung kam über Alle.
Ein Duft von Backwerk und gebratenem Fleisch schwebte wie ein Rauchopfer, der Wehrkraft dargebracht, über den Straßen. Und Georg Manstein's Vater, Besitzer der großen Brauerei, ver— mochte kaum all' den an ihn gestellten Anforderungen zu genügen. Mit vergnügtem Lächeln klopfte er seinem Sohn, welcher düstern Blicks dem geschäftigen Hin und Her in den Kellerräumen, von fern stehend, zusah, auf die Schulter.
„Warum so kopfhängerisch, Georg?— Wenn Einem die Welt offen steht, wie Dir, braucht man nicht zu verzagen. Immer neuer Stoff strömt Dir, meinem Einzigen, zu!“ Er wies auf die gefüllten Fässer, welche eben verladen werden sollten.
„Wenn es der Mammon allein thäte!“ seufzte Georg.„Setze meiner Leibeslänge ein paar Zoll hinzu und verwandle meine alltäglichen Gesichtszüge in solche von klassischer Schönheit— und mir würde es dann auch ohne den Reichthum nicht fehlen; ich leistete gern darauf Verzicht.“
„Du sprichst wie ein tbörichter, verliebter Knabe,“ entgegnete der Vater ärgerlich;„nach ein paar Jahren wird die schöne Hedwig anders, ganz anders über die Angelegenheit denken. Wenn Du Lust hast, zu warten, werden Deine Wünsche dann Erhörung finden. Aber ich würde an Deiner Stelle den Verlust der stolzen Schönen, geborenen von Habenichts, bald verschmerzen.“
Ein leichtes Roth glitt bei diesen Worten des Vaters über Georg's blasses Gesicht.„Ich liebe sie, so wie sie eben ist— mit ihren Tugenden und Fehlern,“ murmelte er,„und alle Schätze der Erde wiegen mir ihren Verlust nicht auf.“
„So heißt es eben: abwarten,“ sagte Manstein, der Aeltere, lakonisch.„In dem stattlichen Major erwächst Dir übrigens kein Nebenbuhler— ich kenne ihn zufällig; auch habe ich gethan, was Du sorgfältig vermieden hast: ich habe mit unserer Ein— quartierung, dem Lieutenant, über ihn gesprochen. Komm' mit mir dort unter die schattige Linde; ich habe zu Deiner Abkühlung, denn Du dauerst mich, mein Sohn, ein paar Extraflaschen dort auf Eis stellen lassen. Dabei will ich Dir denn ein Geheimniß anvertrauen.“ Er zog den Arm des Sohnes unter den seinigen, und Beide verschwanden unter den tief niederhängenden Zweigen des Baumes.—
zu, und Georg würde mit der Zeit die Spielgefährtin vergessen.
2 In der mit Weinlaub umkränzten Veranda des bü Hauses saßen Hedwig und der Major v. Klingenberg sich über. Zufällig befanden sich die Beiden in diesem Aug allein in dem magisch erleuchteten Raum. Nur der verschn Mond sah auf sie nieder. Hedwig athmete schneller. Sie hatte sehnsüchtig gewü die Mutter wenigstens möchte doch für kurze Zeit durch bäuslichen Geschäfte in Anspruch genommen werden, und a dann wirklich einem Wink des Hausmädchens gefolgt war, gleich darauf auch der Vater abgerufen worden, hatte eine Freude ihr Herz durchzuckt. Schon der ganze gestrige Tag verflossen, ohne daß nur ein einziges wichtiges Wort zwi ihr und dem Major gewechselt wäre—— mit Schrecken zäh sie die wenigen Tage, welche noch bevorstanden, bis das Man wieder zu Ende—— bis alles wieder in das gewöhn Gleichmaß zurückkehren würde, in das alltägliche Nichts. das würde sie nicht ertragen! Nachdem sie einen Blick in Paradies gethan,— dann die Pforte wieder verschlossen Der Major entsprach so völlig dem Bilde, das sie sich von ihre Zukünftigen entworfen: diese hohe, stattliche Gestalt, dieses schöͤne Gesicht mit den seelenvollen Augen, und diese entzückenden Manieren! Kurz gefaßt: Ein Ideal! 5 Nun sah sie ihn sich gegenübersitzen, den dunkeln Kopf leicht auf die schmale weiße Hand gestützt, an welcher kein Trauring funkelte. Ein erster schneller Blick bei seinem Kommen hatte sie davon überzeugt. Athemlos hatte sie einer gelegentlichen Frage ihres Vaters nach seiner„werthen Familie“ gelauscht. 5 „Meine Angehörigen werden entzückt sein, mich in die Quartier so gut aufgehoben zu wissen,“ hatte er erwidert. Sei Angehörigen! Bezeichnet man damit die Gattin, Kinder,— od nicht vielmehr entfernter stehende Verwandte? Seine Ant hatte bei aller Höflichkeit so kühl ablehnend geklungen,— hatte tausend Hoffnungen daraus geschöpft, welche ihren Wünse entsprachen. Und nun also sollte sich einer der vielen erft der erste Augenblick des Alleinseins war gekommen und mu ausgenützt werden. Sie wandte sich mit der hastigen Frage ihn:„Sprechen Sie immer die Wahrheit, Herr Major?“ Er ließ, wie in Ueberraschung über dies Verhör, die sinken und sein ausdrucksvoll auf sie gerichteter Blick nahm andere Richtung. Erst nach einer Weile antwortete er:„H Sie Grund gehabt daran zu zweifeln, gnädiges Fra Im Innersten überzeugt, ihm unrecht zu thun, sagte sie festen Tones:„Ja freilich. Sie haben mir während unserer nach Minuten zählenden Bekanntschaft soviel Artigkeiten gesas„ daß ich zu der Annahme wohl berechtigt wäre: Sie schmeie Ich bin so unerfahren in solchen Dingen!“ „Aber sagt Ihnen denn nicht Ihr guter Freund, der Sp — glücklich, wer an seiner Stelle ware!— täglich, sill dasselbe? Sie müßten doch an solche Huldigungen gewöhnt Fräulein Hedwig!“ 3 Er versenkte seine dunkeln Augen, deren heißer Strah Mondlicht dampfte, tief in die ihrigen. Sie wandte das A 5 ab.„Sie scherzen,“ sagte sie schmollend.„Ich habe noch ke ernstes Wort von Ihnen gehört.“ 5 „Soll ich Ihnen betheuern, oder einen feierlichen Eid leisten, daß Sie das schönste Mädchen sind, das ich je g —— und daß ich, wenn ich jünger wäre, alles daran würde, Sie mir zu erringen?“ Er sagte es flüsternd und de sich näher zu ihr. Seine Hand umfaßte schmeichelnd die — und ihr war, als müßte er ihren stürmischen Herzschlag Wenn sie ihm nun sagte, in ihren Augen wäre er jün
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der Jüngste und liebenswerther als Alle—— was w t erwidern? Sollte sie ihr Glück kühn auf eine Karte 1 Sollte sie—— die Stimme schien ihr zu versagen, ihr 4
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stockte. Ihre Hand immer noch in der seinigen, erhod und trat an ihre Seite, sein Antlitz beugte sich über das „Uebermorgen ist mein Geburtstag, Fräulein Hedwi werden es kaum errathen, wie alt ich werde: fünfund Jahre!“ 0 Sie hörte dies schreckliche Geständniß, ohne mit der zu zucken. 5 „Es heißt in einem Liede: Wie sollte durch's Gemithe ziehn ein süßer Traum— doch so: was soll die Blüthe


