Ausgabe 
9.12.1888
 
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welken Baum? fuhr er leise 1 15 5 975

Und doch nicht, sagte sie nun, und er glaubte das Zitte er Gestalk zu svüren.Sch möchte Ihnen mit einem auer Verse antworten, doch ich wage es nicht.

Velcher ist es, theuerste Hedwig? forschte er dringend. Sie versuchte, ihre Augen starr auf die seinigen gerichtet, die ersten Worte zu stammeln. Aber es war ihr plötzlich, als riefe Jemand ihren Namen, warnend, beschwörend; und sich von den Händen des Majors losreißend, lief sie, ohne den Blick noch einmal rückwärts zu wenden, in das Haus hinein.

Lange saß sie nachher am offenen Fenster ihres Stübchens und sah die Mondstrahlen von einem Ende desselben bis zum andern wandern. Dann sagte sie sich, daß sie nicht müde sein und über⸗ wacht aussehen dürfte zum morgenden Waldkonzert oder war der Morgen schon angebrochen, der Morgen vielleicht des schönsten Tages in ihrem Leben?Der arme Georg! sagte sie plötzlich laut. Und dann schlief sie mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen endlich ein.(Schluß folgt.)

fort, wie träumerisch.Das paßt

Ein Kuß. Heitere Kriegsepisode von Hugo Maratzke.

In Rheims war ich zu einer Bürgerfamilie, bestehend aus dem Hausherrn, dessen Gattin und einem jungen Sohne, in Quartier gekommen.

Der zuletzt Genannte fiel mir sogleich durch seine an Furcht⸗ samkeit grenzende Schüchternheit, seine Schweigsamkeit und große Schönheit auf. Ich beobachtete ihn scharf und entdeckte schließlich, daß der angebliche Jüngling ein verkleidetes Mädchen war. Die Leute theilten jedenfalls die allgemeine Furcht des französischen Volkes, welches glaubte, die Deutschen seien Barbaren und speziell der Tugend hübscher, junger Mädchen gefährlich. a 5

Die Familie muß für diese uns beleidigende Befürchtung Hestraft werden, dachte ich und entwarf einen Plan, mit dessen Ausführung ich meinen Burschen Wilhelm, der ein wenig fran zösisch sprach und ein hübscher, intelligenter junger Mann war, betraute; mit wahrem Feuereifer ging derselbe auf meine Idee ein.

Das Ehepaar und ich waren in der Wohnstube im Gespräch beisammen, etwas abseits auf einem Sopha saß die Verkleidete, in einem Buche lesend. Plötzlich trat Wilhelm ein und nahm ohne Weiteres ganz ungenirt auf dem Sopha Platz, während »der junge Mann unwillkürlich von ihm weit abrückte.Ah, ch sehe, Sie fürchten sich vor mir, nahm Wilhelm sogleich un⸗ befangenen Tones das Wort.Diese grundlose Angst muß Ihnen benommen werden. Wir Deutsche sind das harmloseste, iebenswürdigste Volk, welches es nur giebt. Wie dürfen Sie kur glauben, daß ich Ihnen ein Leid anthun könnte. Dabei fückte er dicht an die Verkleidete und legte seinen Arm in brüder⸗ sicher Zärtlichkeit um ihre Schultern. Die also Umschlungene chaute hülfesuchend nach den Eltern, welche unruhig zu werden begannen.

ö J sehe zu meinem Schmerze, Sie können noch immer kein Bertrauen zu mir fassen, fuhr Wilhelm, die Zitternde fester an ch ziehend, fort, und ließ mit keiner Miene merken, daß er ihr gDamit Sie, Monsieur, meine Gefühle nicht lünger bezweifeln, nicht fernerhin denken, ich hasse Sie, gebe ich Ihnen einen kameradschaftlichen Kuß. Und blitzschnell drückte fabe Mund auf den ihrigen, kniff, der Verabredung gemäß,

nit den Lippen beim Zurückbewegen des Kopfes fest in des 8 Mannes Schnurrbärtchen und dasselbe löste sich, wie korausgesehen, ab und fiel zu Boden.Ei, rief e mit gut erheucheltem Erstaunen,so lose saß Ihr Bärtchen!! i Das junge Mädchen, welches sich nun entlarvt sah, fuhr mit ellem Aufschrei in die Höhe und floh feuerrothen Gesichtes aus dem Gemache. Wilhelm lachte kräftig und ich amüsirte mich tlich über die Verlegenheit der beiden Alten. 5

Am nächsten Tage zeigte sich die junge Dame im Burn A wande, welches ihre Schönheit natürlich erst zur rechten Geltung ümmen ließ. Wilhelm stand ganz geblendet vor der lieblichen

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Wir scheinen unsere Rollen gewechselt zu haben, sprach die junge Französin lachend;gestern waren Sie so keck und heute stehen Sie mir wie ein Schulknabe gegenüber. Die Meinung des Vaters, der Mutter und der Tochter hatten sich während der Dauer unseres Beisammenseins sehr zu unseren Gunsten geändert und die Drei lachten ob ihrer anfänglichen Furcht. Als wir einige Tage später auf Paris zu weiter marschirten, ward uns Allen der Abschied ordentlich schwer; namentlich Wilhelm schien sich von dem Mädchen gar nicht recht trennen zu können, und in den Augen der Jungfrau glaubte ich Thränen schimmern zu sehen.

Einige Jahre später führte mich eine Reise durch ein elsässisches, nahe der französischen Grenze gelegenes Städtchen. Als ich durch die Hauptstraße desselben ging, begegnete mir ein junges Ehe paar, welches mir ungemein bekannt vorkam.

Guten Tag, Herr Major, grüßte mich der Herr.Guten Tag, sind Sie's, Wilhelm? entgegnete ich und schüttelte dem ehemaligen Kriegsgefährten erfreut die Rechte.Ja wohl, und diese hier ist auch eine alte Bekannte von Ihnen, sprach er, auf seine schöne Frau weisend.Als ich damals auf Ihre An⸗ regung das Kuß⸗ und Entlarvungsmanöver ausführte, dachte ich nicht daran, daß Gott Amor ein sehr loser Gesell und, un⸗

bekümmert um die Nationalität, jungen Mädchen- und Männerherzen

gefährlich ist. Ich überlasse es dem geneigten Leser zu er rathen, wer die Bekannte war.

JLose Blätter.

Woher rührt der NameFreimauerei? Als im Mittelalter die großen Dombauten auf deutscher Erde begannen, die nicht Jahre und Jahrzehnte, sondern Jahrhunderte zu ihrer Vollendung bedurften, sahen die Bauhandwerker sich genöthigt, Holzschuppen auf den Bauplätzen anzubringen, worin sie ihr Werkzeug vor Regen und Schnee schützen konnten. Gar bald schlugen sie auch ihr Nachtlager in diesen Schuppen auf, die sie Bauhütten nannten. Nach und nach verlegten sie ihre ge⸗ sammte häusliche Einrichtung hinein, gründeten eine Genossenschaft mit ausgearbeiteten Statuten unter sich und schufen sich sogar eine eigene Rechtspflege, die ihren Hauptsitz in der Bauhütte an dem Straßburger Münster bekam, ihre Wirksamkeit aber bis Thüringen ausdehnte. Es wurden auch allerlei Abzeichen und Symbole unter den Gewerksgenossen gang und gäbe, an denen sie einander erkannten. Durch die im Freien erbauten Hütten entstand der NameFreimaurer für die Mitglieder der Innung, den nun die Logenbrüder annahmen, ebenso bedienten sie sich der Symbolik des Gewerks, um sich gegenseitig zu verständigen, ohne daß ein nicht zu ihrem Orden gehörender die Zeichen, die sie sich gaben, bemerkte. So verräth noch heute ein besonderer Druck der Hand, ein besonderes Klopfen dem Maurer, daß ihm ein Bruder naht. Jene Bau⸗ hütten an den Domen übten auf die Entwickelung der Baukunst einen ebenso bedeutenden Einfluß aus, wie es die Meistersinger-Zünfte auf die Poesie ihrer Zeit thaten. J. H.

Die Symbolik der Ringe. Die Ringe haben eine ebenso sinnreiche Bedeutung und Sprache als die Blumen. So sind z. B. zwei gegen⸗ einander gestreckte Hände das Sinnbild der Aufrichtigkeit. Eine goldene Schlange mit einem Diamanten auf dem Kopfe ist das der Klugheit. Das der Schmeichelei aber ist ein Kugelring von echten Perlen. Ein kleiner aus fünf Türkisen gebildeter Ring, am kleinen Finger der linken Hand getragen, heißt: Erinnere Dich meiner; ein großer gordischer Knoten in Gold: Unzertrennlich, und ein Todtenkopf in Berliner Eisen: Ent zauberung. Dieser Schmuck wird am Zeigefinger getragen, und bedeutet, wenn er mit Granaten und Perlen besetzt ist, ein Herz, das auf ewig gefesselt ist, aber ohne Hoffnung glüht. Der Allianzringe wollen wir nur nebenbei erwähnen, da ihr Emblem zu bekannt ist; doch haben sie durch ihr Allgemeinsein nichts in ihrem Werthe eingebüßt. Unter den Edelsteinen giebt es zwölf, die mit einem darauf gravirten Sinnbilde einem der zwölf Monate des Jahres entsprechen. Der Granat bezeichnet den Monat Januar, der Amethyst den Februar, der Jaspis den März, der Saphir den April, der Smaragd den Mai, der Onyx den Juni, der Karneol den Juli, der Sardonyx den August, der Chrysolit den Sep tember, der Aquamarin den Oktober, der Topas den November und die Türkise den Dezember. Der Ursprung der sinnbildlichen Deutung der edlen Steine verliert sich in das tiefste Alterthum. Man findet das ganze Detail dieses Aberglaubens im Talmud. So ist es auch bekannt, daß das Brustschild des jüdischen Hohenpriesters oder das viereckige Stück Zeug, welches er auf der Brust trug, und das einen Theil des priesterlichen Gürtels bedeckte, gleich einer Ceremonien-Mütze, ganz mit kabalistischen Figuren übersäet war. Im Jahre 1560 fertigte der berühmte Astrolog Lac Gauric für Katharina von Medici einen talismanischen Gürtel an, der mit den zwölf zodiakalischen Steinen geschmückt war, und wozu er die Idee aus dem Talmud genommen hatte. Auch Maria Stuart trug hieroglyphische Armbänder, deren Zauberkraft jedoch weder hinreichte, sie vor ihrer Rückkehr nach Schottland zu bewahren, noch ihr den Thron und das Leben zu erhalten. M.

bescheinung und wagte kaum, die Augen aufzuschlagen.