1 2395.
wöl nlicher Verbrecherkniff. Die Leute denken damit, di ig⸗ e b e. Von ihrer festen, inneren Ueberzeugung getragen, wandte O dem Detektiv den Rücken, ohne ihn 19 Auen zu 1 5 „Wenn Sie fort müssen, Herr Nordahl,“ versetzte sie zu Ewald, „möchten Sie dann nicht wenigstens erst meinem Onkel Adieu sagen? Die Herren werden Ihnen das gewiß gerne gestatten.“ Nach kurzer Berathung erklärten sich die Detektivs auch dazu bereit unter der Bedingung, daß sie bei der letzten Unterredung ihres Gefangenen mit dem Kapitän zugegen wären. Der alte Herr ging, wie sie bei ihm eintraten, ungeduldig wie ein Löwe im Käfig, in seinem Zimmer auf und nieder.
„Kapitän,“ sagte Ewald, wie er in den großen Raum voller Landkarten, Globen und Schiffsmodelle trat,„gestatten Sie mir, Ihnen diese beide Herren vorzustellen— Herr Beagle und Herr Turner— Landsleute von mir.“
Der alte Mann reichte den Geheimpolizisten verwundert die Hand und bat sie Platz zu nehmen. Er ahnte auf der Stelle etwas Außergewöhnliches und warf Ewald unter seinen struppigen Brauen einen fragenden Blick zu.
„He, Freund Graham,“ begann er,„Unwetter im Anzug?“
Ewald erklärte ihm, daß er das Opfer eines Mißverständmisses sei, daß ein Mensch, der den gleichen Namen hätte wie er, sich drüben schwere Unterschlagungen hätte zu Schulden kommen lassen — und daß er daher gezwungen sei, mit den Geheimpolizisten nach Amerika zurückzureisen, um den Irrthum aufzuklären und seine Unschuld an den Tag zu bringen. Und dann bat er den Kapitän, sich bis dahin seiner Pferde anzunehmen; er wäre gerne zu jeder Entschädigung bereit, nur möchte er die Pflege der edlen Thiere Syvert Gimse nicht überlassen.“ Der Kapitän hörte diese Geschichte mit bedenklicher Miene an, setzte sich, als Ewald geendet, an sein Pult und stieß einen sschweren Seufzer aus. Er zog ein paar Schubkasten auf, ging durch das Zimmer zu Ewald hinüber, nahm seine Hand und
schüttelte sie warm.
„Herr Graham,“ sagte er,„ich habe Sie liebgewonnen. Sie
find mir näher an mein Herz gewachsen, als je einer zuvor, außer einem— außer einem, den ich verloren habe.
Ihn, den ich verlor, trieb ich von mir— schweres Unrecht that ich ihm— und es war eine Geldgeschichte, ganz wie die Ihre— vielleicht, daß ich ihn in Tod und Verderben getrieben, weil ich, ohne Be— weise zu haben, an seine Schuld glaubte. Daher möchte ich gerne wenn es ginge, einigermaßen an Ihnen gut machen, was ich m ihm Böses gethan. Horen Sie, Herr Graham,— wenn Sie sich schuldbewußt fühlen und ich könnte Ihnen behilflich sein — in irgend einer Weise— scheuen Sie sich nicht, es mir zu agen. Ich habe zum Beispiel— da— einige zehn Tausend Thaler— und wenn sie Ihnen von Nutzen sein könnten—“ Ewald war aufgestanden. Er kämpfte mit seinen Thränen, uber er konnte sie nicht länger mehr zurückdrängen. Jetzt segnete er selbst das Unglück und das Leid, das er ausgestanden; ge⸗ währte es ihm doch einen so tiefen Einblick in seines Vaters dles Herz. Der Kapitän, der seine Erregung mißverstand und ie für ein Geständniß seiner Schuld aufnahm, legte ihm die Hand auf seine Schulter und fuhr fort: 5 Is ist eine Gunst, um die ich bitte, und kein Gefallen, den ch Ihnen thun will. Habe ich den einen ins Elend gestürzt und kann ihn nicht mehr retten, so lassen Sie mich wenigstens Ihnen die rettende Hand reichen.“ Dias war mehr als sein Sohn ruhig anhören konnte.„Vater, Zater!“ rief er aus,„mein Vater!“ n Der alte Mann wich mit erhobenen Händen, die Augen voll om Zweifel und beglücktem Wundern, einen Schritt zurück. „Ewald— Du!!“ rief er mit Beben seiner tiefen Stimme. Du— mein Sohn!“ a Diann that er seine Arme auf und drückte ihn an seine Brust. Als Olga einen Augenblick später das Zimmer betrat, standen se einander gegenüber Hand in Hand da und schauten sich forschend und beglückt einander tief in die Augen. 25 Hund ist in der Gruppe auch ein Plätzchen für mich?“ fragte e lächelnd; worauf beide ihre freien Hände zu ihr ausstreckten
„Vater, sie ist meine Braut,“ sagte Ewald, dem die hellen Thränen des Glückes und der Freude die Wangen hinabliefen.
„Gott segne euch,“ schloß der Kapitän mit tiefer, feierlicher Stimme.
Die alte holländische Uhr in der Ecke zeigte tickend mit pein⸗ licher Genauigkeit Sekunde auf Sekunde an, doch aus der glück— lichen Gruppe ließ keiner sich davon stören, bis endlich der alte Vater Chronos selbst aus dem Gehäuse heraustrat und eine Reihe lauter, vibrirender Hammerschläge abgab.
Da drehte der Kapitän sich zu den Fremden um und sagte:
„Wohlan, meine Herren, so wollen wir alle zusammen nach Amerika hinüber, um diesen Irrthum aufzuklären. Und nun bitte ich Sie, bis morgen meine Gäste zu bleiben.“
Am nächsten Vormittag lief aber in aller Frühe aus Cadix in Spanien ein Telegramm des Inhalts ein, daß Mr. William
A. Graham aus Chicago in dieser Stadt ergriffen worden und
sich bereits zur gezwungenen Rückreise über den Ozean anschickte. Das war der Grund, warum die Herren Beagle und Turner mit leeren Händen und in schlechter Laune allein Norwegen verließen.
Des Majors Geburtstag. Novelle von H. Nichthofen.
In der bürgermeisterlichen Gartenlaube, vom Wohnhause
durch die Straße getrennt, wurden Vorbereitungen zum Nach⸗ mittagskaffee getroffen. Das zierlich gekleidete Stubenmädchen klapperte verrätherisch mit den Tassen, die sie einem großen Korbe entnahm, und fachte die Spiritusflamme unter dem blank⸗ geputzten Wasserkessel zu rother Gluth an. Dann kehrte sie wieder mit dem leeren Korbe zum Hause zurück.
Der Referendar Georg Manstein beobachtete durch das hohe Stacket, welches den Garten umgab, mit augenscheinlichem Interesse diese Vorgänge. Noch einen Moment blieb er zögernd stehen, um seine Brillengläser zu putzen, worauf er mit entschlossener Miene den Garten betrat. Der Kies knirschte unter seinen Füßen und bei diesem Geräusch hob ein junges Mädchen, welches, über ein Buch gebeugt, in der Laube gesessen, den Kopf empor.„Sie sind es, Georg,“ sagte sie und blickte wieder in ihr Buch.
„Störe ich Sie?“ fragte er, und es klang bekümmert aus dem Ton seiner Stimme.„Ich sah von der Straße her Ihr helles Kleid durch die Zweige schimmern— und konnte dem Anblick nicht widerstehen. Hedwig, ich habe vor meiner Abreise mit Ihnen zu sprechen—— legen Sie Ihr Buch einen Augen⸗ blick bei Seite. Ist es denn von so sehr spannendem Inhalt?— Die Wirklichkeit übertrifft oft in der Mannigfaltigkeit der Er⸗ eignisse selbst die reichste Phantaste des Dichters—— Schenken Sie, bitte, dem Roman meines Lebens für wenige Minuten Ihre Beachtung!“
Sie sah ihn mit demselben kühlen Blick an, welcher schon sein Kommen begrüßt hatte. Und dann sagte sie mit einem spöttischen Verziehen des reizenden Mundes:„Fühlen Sie sich etwa zum Helden geboren, Georg?“—
Er erwiderte eine ganze Weile nichts, sondern sah gedanken⸗ verloren in den Sand zu seinen Füßen, dann sagte er, wie zu sich selbst redend:„Bis vor Kurzem hoffte ich, daß meine Ge⸗ fühle, welche mit meinem ganzen Sein und Wesen verwachsen sind, welche mit unzerreißbaren Fäden bis in die Kinderzeit hineinreichen, Erhörung finden würden. Sie wissen es wohl, theuerste Hedwig, daß ich allezeit Ihr getreuer Ritter und Be⸗ gleiter war, schon in den Kinderspielen, und daß ich heute Ihnen mehr wie je auf Leben und Tod ergeben bin. Warum weisen Sie nun meine Gefühle zurück, die der Knabe und Jüngling erwidert wußte, die sich beim Manne nun und nimmer anders gestalten können? Nur ein Gedanke beseelt mich: Sie mein nennen zu dürfen, Sie glücklich zu machen.“ Seine ehrlichen blauen Augen suchten die ihrigen, sie aber hielt den Blick ge⸗ senkt. Eine heiße Röthe hatte ihr Antlitz dunkel gefärbt,— in einer gewissen holden Verwirrung packte sie ihr Nähzeug in einem kleinen Korbe zusammen, legte das Buch darauf und er⸗ hob sich. Wie sie indessen nun vor ihm stand, in gleicher Größe mit ihm, kam es ihm vor, als ob sie aus unnahbarer Höhe auf ihn herabsähe, und ein Hauch von Eiseskälte überschlich mo⸗
1 d sie zwischen sich zogen.


