Ausgabe 
8.1.1888
 
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N 8 8 2 2 5* 5 1 NO 25s.' * 12 2. rächen wollte, wie, das war mir im Augenblick freilich selbst nichts Besonderes aufgefallen? Keine Ausflüchte! es ist

noch nicht klar.

Als ich mich, nothdürftig gefaßt, endlich zur Gesellschaft

zurückwandte, fand ich meine Kameraden in einiger Aufregung; eben war ein Diener im Saale erschienen und hatte unsern Oberst abgerufen. Draußen sei eine Ordonnanz mit einer wichtigen Meldung, hieß es.

Mit begreiflicher Spannung harrte man seiner Rückkehr, konnte doch bei der jenseits des Grenzflusses herrschenden Gährung jede Stunde irgend eine alarmirende Nachricht bringen.

1 In der allgemeinen Erregung fiel mein verstörtes Wesen 5 nicht auf; ich mußte aber unwillkürlich die Angelegenheit mit dem soeben gelesenen Billet in Verbindung bringen.

Als nach einigen Minuten der Oberst wieder eintrat, war sein Gesicht sehr ernst, dennoch wehrte er unsere ungestümen

Tadsch bei Agra.

Fragen mit einem sorglosen:Nichts von Belang, meine Herren, lassen Sie sich in Ihrem Vergnügen nicht stören! ab. Mir entging es aber nicht, daß eine Wolke auf seiner Stirn verblieb und er zuweilen scharf beobachtende Blicke auf unserm liebens f würdigen Wirth ruhen ließ. Komteß Wladislava war noch nicht 5 wieder zu der Gesellschaft zurückgekehrt. Nach einer Weile erhob sich der Oberst und schritt zu einem Nebensalon, wo musizirt wurde, zu meiner Verwunderung mir 5 einen verstohlenen Wink gebend, ihm dahin zu folgen. Dort 3 nahn er auf einem von mächtigen Palmwedeln überdeckten kleinen . Eckdivan Platz, wo ich an seine Seite genöthigt und wie 9 ich wohl merkte zum Schein in eine lebhafte Konservation über Musik von ihm verwickelt wurde.Bitte, bitte, gnädiges Fräulein, nun einmal dieTürkische Schaarwache! das ist mein Leibstück! rief er plötzlich zu der am Klavier sitzenden jungen Dame hin über, als diese eben wieder eine Piece beendigt hatte und unter den rauschenden Klängen dieses Musikstücks wechselte er dann unvermittelt den Gesprächsgegenstand, indem er sich nahe zu mir neigte und flüsternd fragte:

Ich weiß, Sie beschäftigen sich viel mit der schönen Tochter

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dies eine dienstliche Frage, unterbrach er mich mit scharfer Be⸗ tonung, als ich verwirrt eine unzusammenhängende Autwort stammeln wollte,Ihre Pflicht ist es, dieselbe der Wahrheit gemäß zu beantworten. 5

Trotz des heißen Rachedurstes, der mich erfüllte, widerstrebte es mir, den Angeber zu machen!

Komteß Wladislava war allerdings heute ein wenig unruhig und zerstreut, gab ich zögernd zu,doch schien mir ihre Er⸗ klärung, daß der Sturm sie nervös mache, völlig ausreichend dafür; ich verstehe daher nicht, was der Herr Oberst mit dieser Frage meinen könnten?

Mein Chef sah mich einen Augenblick scharf prüfend an, es wurde mir schwer genug, unter seinem durchdringenden Blick meine unbefangene Miene zu bewahren.

Gartenpforte.

Gut, so will ich mich deutlicher erklären, sagte er nach einer schwülen Pause,aber verstehen Sie wohl, Herr Lieutenant, es ist strenges Dienstgeheimniß, was ich jetzt Ihrer Ehre an⸗ vertraue. Die vorhin eingetroffene Ordonnanz brachte mir die von dem nächsten russischen Kommando eingelaufene Meldung, daß ein vornehmer Pole, in welchem man ein hervorragendes Mitglied der bestehenden Revolutionspartei vermuthet, einen regen nächtlichen Verkehr mit dem hiesigen Schlosse unterhielte. Es sei zweifelhaft, ob diesem geheimnißvollen Besuche eine Lieb schaft mit der schönen Komteß oder ein politisches Einverständniß mit deren Vater möglicherweise auch Beides zusammen zu Grunde liege. Da man nun vermuthet, derselbe werde diese Sturmnacht abermals zu einem solchen Besuch benutzen, so sind wir gebeten worden. hier auf ihn zu fahnden und im Ergreifungs⸗ falle ihn der russischen Regierung auszuliefern. Auf Grund dieser Mittheilungen ist mir nun von unserm Oberkommando der Befehl zugegangen, ein wachsames Ange hier auf das Schloß und seine Bewohner zu haben, und den Polen bei seinem toll⸗ kühnen Unternehmen womöglich sei es durch List oder Gewalt abzufassen. Der Auftrag ist mir gegenüber dem Grafen, dessen

des Hauses, Herr Lieutenant, ist Ihnen an derselben heut Abend Gastfreundschaft wir eben genießen, wie Sie begreifen werden,