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Lange jedoch dauerte der geschlossene Friede nicht, da die alte Dietrich, durch die gezwungene Nachsicht ihrer Herrin auf— gemuntert, nur noch unverschämter als früher ihre Unterschlagungen und Räubereien fortsetzte, bis der Amtsräthin endlich die Geduld riß und sie die ungetreue Dienerin trotz aller Bedenken und Rücksichten in einem Anfall von Jähzorn entließ, ohne sich um die möglichen Folgen zu kümmern.
Schon im nächsten Augenblick bereute sie diesen übereilten Schritt und ließ die Alte noch zurückrufen, um durch eine Geld— summe ihr Schweigen zu erkaufen, da dieselbe in alle ihre Ge— heimnisse eingeweiht war und um ihre verborgensten Angelegen— heiten wußte.
Aber die vertraute Dienerin war nirgends zu finden, und Niemand konnte ihr sagen, wohin sie gegangen, worüber die Amtsräthin in große Unruhe gerieth und so besorgt war, daß sie die ganze Nacht kein Auge zu that, von banger Angst und Gewissensbissen gequält.
Unterdessen fuhr die rachsüchtige Frau, von Haß und Wuth erfüllt, mit dem nächsten Eisenbahnzug nach der Stadt, wo sie in einem billigen Gasthof einkehrte und sich nach der Wohnung des ihr nur dem Namen nach bekannten Hauptmann von Hanstein erkundigte, zu dem sie sich sogleich begab, um mit ihm, wie sie vorgab, über eine für ihn höchst wichtige Sache zu sprechen.
Einigermaßen verwundert ließ dieser das fremde Weib ein— treten, dessen Aeußeres, besonders die tückisch stechenden Augen und der boshaft verkniffene Mund ihn zurückstießen und kein allzugroßes Vertrauen erweckten, so daß er sie für eine gewöhn— liche Bettlerin oder Schwindlerin hielt und kurz abweisen wollte, woran ihn nur seine außerordentliche Gutmüthigkeit hinderte.
„Wer sind Sie?“ fragte er in etwas barscherem Tone als gewöhnlich,„und was wollen Sie?“
„Ich bin die Dietrich,“ versetzte die Alte mit kriechender Freundlichkeit,„und bringe dem Herrn Hauptmann das Glück in's Haus getragen, Geld, viel Geld, mehr als hunderttausend Thaler.“
„Sie sind wohl nicht bei Sinnen oder wollen mir etwas vorschwindeln.“
„Gott soll mich bewahren! Ich bin eine ehrliche Frau und habe zwanzig Jahre Ihrer Schwägerin, der Frau Amtsräthin Bock, treu und redlich gedient.“
„Der Amtsräthin Bock!“ rief der Hauptmann überrascht.
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„Jetzt erinnere ich mich, Sie schon bei ihr gesehen zu haben. Was führt Sie zu mir?“
„Das Testament, womit sie den gnädigen Herrn über's Ohr gehauen hat, daß es eine wahre Schande ist.“
„Reden Sie!“ erwiderte er aufgeregt. Was wissen Sie von dem Testament?“
„Das will ich Ihnen Alles sagen, wenn der Herr Hauptmann mir sein Wort geben, daß ich eine anständige Belohnung be— komme, sobald Sie den Prozeß gewinnen, und daß Sie mich nicht verrathen.“
„Sie dürfen auf mein Schweigen und auch auf meine Er— kenntlichkeit rechnen. Wenn Sie mir wirklich die nöthigen Be— weise liefern können, sollen Sie auch eine angemessene Belohnung erhalten; dafür bürgt Ihnen mein Ehrenwort. Aber versuchen Sie nicht, mich zu täuschen; das könnte Ihnen schlecht bekommen.“
„J, wo werde ich denn! Was ich sage, ist die reine Wahrheit, und ich will es vor Gericht beschwören.“—
„Setzen Sie sich und erzählen Sie, was Sie von dem Testa— ment wissen!“
Mit sichtlicher Spannung erwartete der Hauptmann den Be— richt der alten Dienerin, die seinen längst gehegten Verdacht be— stätigten und von deren Aussage die Entscheidung des für ihn so wichtigen Prozesses abhängen sollte.
Wenn er selbst auch jede Hoffnung auf die ihm zugedachte Erbschaft aufgegeben hatte und auf das Geld nicht mehr rechnete, so hielt er sich im Interesse seiner Familie, besonders seiner Tochter verpflichtet, kein Mittel unversucht zu lassen, um die Zu— kunft seiner unversorgten Angehörigen zu sichern, so unangenehm ihm auch die Verhandlungen mit der widrigen Alten waren.
„Ich brauche nicht erst,“ begann dieselbe,„dem Herrn Haupt— mann zu sagen, daß der selige Herr Amtsrath gern ein Glas
über den Durst trank und in der letzten Zeit niemals ganz
nüchtern war. Wie er nun immer elender und kränker wurde, lag ihm die Frau Amtsräthin so lange in den Ohren und quälte ihn, bis er sich entschloß, sein Testament zu machen. Er ließ auch wirklich aus der nächsten Stadt den alten Justizrath kommen, da er sich zu schwach fühlte, zu ihm zu fahren, und ließ von ihm seinen letzten Willen aufsetzen, wie er Alles gehalten haben wollte nach seinem Tode. Dann unterschrieb er in Gegenwart zweier Zeugen, die auch ihren Namen darunter setzten, so daß Alles so weit in schönster Ordnung war und auch mit rechten Dingen zuging.“
„Es fragt sich nur, ob der Amtsrath zu der Zeit nüchtern war und sich bei vollem Verstande befand?“
„Das muß er wohl gewesen sein; denn sonst hätte der Herr Justizrath nicht mit ihm das Testament aufgenommen, da der ein zu anständiger Mann war, um sich zu einer Schlechtigkeit herzugeben.“
„Wenn sich aber das so verhält,“ versetzte der Hauptmann einigermaßen enttäuscht,„dann liegt auch kein Grund vor, das Testament anzugreifen und den Prozeß wieder aufzunehmen.“
„Nur Geduld, Herr Hauptmann!“ beschwichtigte die Alte. „Sie werden schon erfahren, wie sich Alles zugetragen und was die Frau Amtsräthin gethan hat. Ich merkte ihr gleich an, daß sie mit dem Testament nicht zufrieden und sehr verdrießlich war. Als ich des Abends mit ihr allein war, beklagte sie sich auch bitterlich, unter Thränen, daß der Amtsrath sie zu Gunsten seiner Verwandten sehr benachtheiligt und ihnen den dritten Theil seines Vermögens vermacht habe.“
„Das wollte er auch thun, aber im Testament fand sich darüber kein Wort. Wie konnte das möglich sein?“
„Das sollen Sie bald hören. Ich tröstete sie so gut ich konnte und sagte ihr, daß sie doch noch immer genug hätte und daß ich mit dem zwanzigsten Theil und noch weniger schon glücklich wäre; worauf sie mich lange ansah, als ob sie mich mit ihren grünen Augen durchbohren wollte. Nach einer Weile meinte sie, daß sie gern ein paar tausend Thaler geben würde, wenn ich oder vielmehr mein Mann ihr helfen wollte.“
„Ihr Mann?“ fragte der Hauptmann verwundert.„Was hatte der mit dem Testament zu schaffen?“
„Mein Mann war damals Wirthschaftsschreiber bei dem Herrn Amtsrath Bock, und weil er eine schöne Hand schrieb und auch sonst sehr anstellig war, so diktirte ihm der alte Justizrath das Testament, das er selbst nur mit seinem Namen unterzeichnete und mit dem Petschaft des Amtsraths versiegelte.“
„Jetzt begreife ich Alles.“
„In der Nacht,“ fuhr die Alte fort,„als der Amtsrath ein— geschlafen war, nahm die Frau aus dem verschlossenen Schrank, zu dem sie die Schlüssel hatte, das Testament und brachte es meinem Mann, zusammen mit dem Petschaft.“
„Das Testament wurde vernichtet und ein gefälschtes unter— geschoben.“
„Ich weiß nicht,“ versetzte die schlaue Frau,„was die Beiden gemacht und habe mich auch darum nicht gekümmert. Nach einer Stunde ging die Frau Amthsräthin wieder sehr vergnügt fort, nachdem sie meinem Mann ein Päckchen mit Kassenscheinen in die Hand gedrückt. Einige Tage darauf fuhr sie mit dem Amtsrath, der sich unterdessen wieder etwas erholt hatte, nach der Stadt, wo sie auf das Gericht gingen und das versiegelte Testament deponirten. Sechs Wochen später starb der Herr Amts⸗ rath und auch mein Mann machte es nicht mehr lange. Kurz vor seinem Tode vertraute er mir, was er gethan. Weil aber die Frau Amtsräthin mich zu sich nahm und gut zu mir war, blieb ich bei ihr und hielt meinen Mund, bis mir die polnische Wirthschaft zu toll wurde und ich davon ging.“
Während die Alte so berichtete, sah sie mit ihren schielenden Augen den Hauptmann fortwährend von der Seite an, als ob sie den Eindruck ihrer Worte beobachten und seine geheimen Ge— danken erforschen wollte. Er schien jedoch von ihren Mit⸗ theilungen keineswegs so befriedigt zu sein, als sie erwarten mochte, und sein ernstes Gesicht verrieth, daß er noch immer schwere Bedenken hatte, obgleich er die Wahrheit ihrer Erzählung nicht bezweifeln konnte.
„Das Alles, was ich von Ihnen gehört habe,“ sagte er nach längerer Ueberlegung,„bestätigt zwar einen Verdacht, genügt
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