Ausgabe 
2.12.1888
 
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udersack der alten Welt, rief sie aus,die Rumpelkammer die Europa alle die unbrauchbar und unmöglich 1 Elemente hinüberschickt!

Er nahm den Handschuh für sein Adoptivland auf und es entspann sich eine lebhafte Unterhaltung zwischen ihnen. Dabei er kurz auf seinen eigenen bewegten Lebenslauf zu sprechen, ihlte, wie er erst Kuhhirte, dann Viehhändler, Goldgräber und Terrain⸗Spekulant gewesen und füllte ihren Geist mit allerhand durch ihre Eigenart fesselnden Bildern. Sie fing an, Interesse für den Mann zu fühlen, der vor ihr von einer denkbar niedrigsten Lebenslage, aus der er emporgekommen, ohne Scham und ohne Prahlerei sprach der mit der Arbeit seiner Hand und seines Geistes sich ein Vermögen erworben und das Leben von seinen verschiedensten Seiten kennen gelernt. Mit einem solchen Mann war sie noch nie zusammengetroffen! Was Wunder, daß das Mädchen zu dem gebräunten, energischen und ungekünstelten Mann bald ein gewisses Zutrauen faßte, mit dem sie ihn auch von der merklich sich hebenden Stimmung ihres Onkels dazu ermuthigt, - einlud, als er aufstehen wollte, zu bleiben und den Thee mit ihnen einzunehmen. Auffallen konnte dies nicht in einem Lande, in dem man einen Gast nur selten aus dem Hause gehen läßt, ohne ihm etwas zum Essen oder zum Trinken vorgesetzt zu haben. und nach und nach fing sogar der Kapitän an, gesprächig zu werden und ließ sich, von Olga aufgemuntert, herbei, das eine oder das andre seiner amerikanischen Abenteuer zum Besten zu geben, deren Moral jedoch immer die eine war, daß Amerikaner unterschiedlos ein schurkisches Gesindel wären, wogegen sein Gast datürlich raschen, entschiedenen Protest erhob. Und so entspann ich zwischen den beiden Männern ein überaus lebendiges Gefecht. Olga besaß die Klugheit, neutral zu bleiben, obschon ihre Sympathien ganz ihrem Gaste gehörten. Was sie mehr interessirte als die Unterhaltung selber, war die Entdeckung, die sie machte, daß ihr Onkel überhaupt noch angeregt werden konnte. Sie daraus, daß ihm Verkehr mit Männern eher als Frauen⸗ lege noth that, und sie glaubte von dem Auftauchen des

erikaners die besten Resultate erhoffen zu dürfen.

Nur fiel ihr im Laufe des Abends auch wieder etwas Fieber haftes und Unstätes an ihm auf, was ihre Besorgniß weckte. Er schüttelte seinen großen, struppigen Kopf und lachte, daß es urch das Haus hindurch schallte; Freude klang aber aus diesem achen nicht heraus. Minutenlang starrte er manchmal den Umerikaner groß an, um sich wieder hinter eine dicke Dampf⸗ olke zu verschanzen, die er aus seiner Pfeife aufsteigen ließ. Ewald ward es unbehaglich zu Muthe. Er merkte, was der diere Blick des alten Mannes zu bedeuten hatte. a Du hast etwas in Deinem Gesicht, was mich an meinen zohn Ewald erinnert, schien dieser Blick zu besagen;natürlich bird es nur eine zufällige Aehnlichkeit sein mein schlechtes Gewissen schwört mir sein Bild herauf in jedem fremden Gesicht, aas ich sehe.

Die Scene vom Abend vorher trat Ewald da mit erschreckender haftigkeit vor Augen. Konnte es möglich sein, daß nach den ngen fünfzehn Jahren sein Vater noch um ihn so schwer und merzlich trauerte? Oder konnte er noch immer nicht die Ent⸗ chung vergessen, die er an seinem Sohne erlebt? Auf alle 9 5 er sich vor, die Komödie so kurz als möglich zu achen.

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Ewald kehrte von Fossevang hochaufgeregt heim. Er kam ö wie ein schlechter Schauspieler vor, der eine Rolle übernommen, Er er nicht gewachsen. Es war ihm, als thäte er am besten drran, alle Zwischenscenen einfach zu überspringen und gleich zum echlusse zu schreiten; und das hätte er wohl auch so gethan, häre nicht unerwartet ein neuer Umstand dazu gekommen, der nen harmlosen Anschlag so komplicirt machte, daß er kaum uch freier Herr über sein Thun und Lassen war. Komisch wie e sich anhören mag, war es ein Wunsch seines Herzens ge⸗ orden, Olga Reimert zu imponiren. Zu diesem Zwecke hatte n vor allem an einen amerikanischen Freund in London telegra⸗ hutschpferde und eine leichte Viktoria zu kaufen.

Wirt und i ür sei wei Reitpferde, zwei irt und ihn gebeten, für seine Rechnung z 118.

einer Woche langte ein feierlicher, englischer Groom mit den seiner Obhut anvertrauten Thieren an. War das ein Ereigniß für den stillen, friedlichen Ort! Die ältesten Leute erklärten, der⸗ gleichen noch nicht erlebt zu haben. Mit einem Schlage war der Amerikaner der Held, von dem das ganze Land weit und breit sprach. Und als er nun Kapitän Nordahls Nichte einlud, auf seinem prächtigen Rothschimmel mit ihm einen Ritt durch das Thal zu machen, erglühte sie wie eine Rose vor Lebenslust und Lebensfreude. Dann und wann forderte er auch den Kapitän zu einer Spazierfahrt in der Equipage auf und er fing nach und nach an, wirkliches Vergnügen an der Mystifikation zu empfinden. Er kam sich selbst wie ein Romanheld vor, und eine Art kind licher Freude an dem, was doch keine Alltäglichkeit war, ließ ihn das Schlußkapitel von dem einen Tag zum anderen auf schieben. Ein Bedenken, das gleichfalls bei ihm ins Gewicht fiel, war Olgas Stimmung gegen den Verstoßenen; er hatte alle Gründe zu glauben, daß diese Stimmung weiter keine freund schaftliche wäre und daß er, wenn er sich vorzeitig als eins mit dem übel berüchtigten Menschen erklärte, sich vielleicht ganz um ihre Gunst bringen könnte. a

Nach einer Bekanntschaft von drei Wochen, während welcher sie mit dem Amerikaner häufig zusammengekommen, erhielten Olga und Kapitän Nordahl eine Einladung zum Kahnfahren von ihm. Die junge Dame, die kein Neuling in dieser Kunst war, verstand die Angel so gut zu handhaben wie ein Mann, und kreischte auch nicht auf, wie es Frauen wohl sonst thun, wenn sie einen Fang gethan hatte. Sie hatte ein außerordentliches Glück und

brachte einen Achtpfünder und einen Zehnpfünder an's Land, ehe

noch bei den anderen ein Fisch angebissen hatte. Allein dies hatte eigentlich auch seinen Grund, denn Ewald angelte zerstreut wie noch nie, und dem Kapitän fehlte das scharfe Auge, das er zu dem Sporte gebrauchte. Unterschiedliche Male ward seine Angel⸗ schnur in's Wasser heruntergezogen, ohne daß er Acht darauf gab, nur mit der Abwehr der Fliegen beschäftigt, die ihm zudringlich um den Kopf herumschwärmten. Endlich riß ihm ganz die Geduld und wüthig hob er die Angel in die Höhe und schlug nach den lästigen Insekten, wobei seine Angelschnur sich hilflos mit den Zweigen der Ellernbüsche verwickelte. Da brach er in⸗ grimmig fluchend die Angel mitten entzwei, warf sie in den Fluß, schalt die ganzeAngelei ein Narrenvergnügen und trat mit langen Schritten abseits hinein in's Gebüsch. Ewald folgte ihm, nachdem er seine Angel aus dem Wasser gezogen und Olga gebeten, ihn auf eine Minute zu entschuldigen. Nach kurzem Suchen fand er ihn in der Haltung tiefster Niedergeschlagenheit auf einem Baumstumpf sitzend.

Ist Ihnen nicht recht, Kapitän? fragte er, sich vor den alten Seemann hinstellend.

Der Kapitän rieb sich die Stirn, wie wenn er sich einen un⸗ angenehmen Gedanken zu verscheuchen suchte.

Nein, junger Mann, mir ist nicht recht, antwortete er mit grimmem Ernst,und mir wird auch nicht eher recht werden, als bis die Glocken zu meiner Fahrt auf den Kirchhof läuten.

Wer wird so sprechen, Kapitän? Sie sind doch noch ein gesunder, kräftiger Mann trotz Ihrer Jahre! Sie werden noch manchen Knoten zurücklegen, ehe Sie in Ihren letzten Hafen einlaufen. f

Ich treibe wie ein ruderloses Fahrzeug, so ist es! Das Schiff bekam ein Leck vor fünfzehn Jahren, und kein Flicken und kein Beschlagen macht es wieder flott.

Ewald hielt sich an dem Baum fest, an dem er stand. Ein Nebel trübte plötzlich seine Augen. Seine Revanche, wenn er sich nach Revanche gesehnt, hatte er erhalten. Und darum war es jetzt Zeit zu sprechen. Schon aus Mitleid mußte er es thun. Allein Ewald bekam kein Wort über die Lippen. Die Kehle schnürte sich ihm zu und die Zunge schien ihm zu schwellen. Der alte Mann hielt ihn fest im Auge, so sehr auch die großen Fliegen wieder ihr tolles, lästiges Spiel um seinen Kopf begannen.

Habe Sie eigentlich schon längst fragen wollen. Mr. Graham, hob er heiser an,ob Sie nicht vielleicht zufällig einmal Ewald Nordahl kennen gelernt. Das ist mein Sohn der einzige, den ich hatte.

Die Rührung überkam ihn bei den letzten Worten. Er

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