Ausgabe 
28.8.1887
 
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das hat wohl auch keine Noth mit Dir. Ich weiß garnicht, warum ich mich so darüber aufrege; Du kennst ja gar keine Seeleute.

Sie legte ihr Nähzeug zusammen, stand auf und ging in das Haus. Sie mochte das Mädchen nicht anblicken, es sah gar zu jämmerlich aus. Wenn sich auch nicht so eigentlich das Gewissen bei ihr regte, ganz behaglich war Jule Paulsen doch auch nicht zu Muthe.(Fortsetzung folgt.)

Die Entenmühle. Eine alte Dorfgeschichte von E. A. (Fortsetzung.)

Jakob zeigte sich bereitwilliger, als Jost es erwartet hatte. Das wilde, abenteuerliche Handwerk lockte ihn mit mächtigen Tönen. Sein Trotz, seine Kraft und seine Geschicklichkeit fanden hier ein unbegrenz tes Feld zu ihrer Entfal tung. Noch ein weiterer Umstand trat hinzu. Jakob haßte die Franzosen grim mig und seine Strafe hatte er noch nicht vergessen. Er sah in ihnen die Unter drücker, die unrechtmäßigen Zwingherren eines fremden Landes, die folglich kein begründetes Recht hatten, ihn zu bestrafen. Die Satzungen einer höheren Sittlichkeitslehre waren sei nem naturwüchsigen Sinn unbekannt und für die Un⸗ terscheidung der haarfeinen Linie zwischen Recht und Gewalt war sein Auge zu blöde. Frühzeitig der milden Mutterpflege beraubt, in einer stürmischen Zeit auf gewachsen und von seinem Vater, der unausgesetzt mit dem Leben um die karge Existenz zu ringen hatte, meist sich selbst überlassen, hatte Jakob sich seine eigenen Gesetze und Lebensanschau ungen gemacht, an denen er um so zäher festhielt, als sie sich nach ihm richten mußten und nicht er nach ihnen. Seine Seele jauchzte bei dem Gedanken, hier gleichsam seine Rache kühlen zu können.

Jost dachte anders. Ihn trieb nur die Gewinnsucht und die Aussicht auf ein ungebundenes, üppiges Leben.

Der kleine Doktor.

geschafft werden. glückliche. lichkeit in Handhabung der Büchse und des Ruders, Jost's fuchs

Die Verbindung dieser beiden Charaktere war eine

ähnliche Schlauheit, Behendigkeit und Kenntniß von Weg und Steg

bildeten ein Betriebskapital, das reiche Zinsen bringen mußte.

Im Dorf, zu dem die Entenmühle gehörte, war eine Zoll station. Der Rhein war eine Viertelstunde davon entfernt.

Die französische Zolladministration wußte die Wichtigkeit dieses Punktes gebührend zu schätzen und hatte deshalb den Posten mit sechs Douanesoldaten nebst einem Brigadier belegt. Der Rhein mit seinen vielen Altwassern und Sümpfen, in die damals seine Ufer stellenweise noch ausliefen, die zusammenhängende Kette von groͤßern und kleinern Kiefernwaldungen, die sich weit in das Land hineinschob, mußten, sozusagen, von selbst zum Schleichhandel einladen.

Nach dem Gemälde von L. von Gelder.

Er hatte bereits die nöthigen Verbindungen mit einem Kaufmann angeknüpft. Die Waaren sollten über den Rhein und dann weiter in das Land

Jakobs athletische Kraft, Unerschrockenheit und Geschick⸗

Schon des andern Tages es war ein Sonntag fanden sich Jost und Jakob bei dem Kaufmann ein. Der Großhändler, Herr Emanuel Friedling, saß grade in seinem Komptoir und las die Zeitung.Das ist mein Kamerad, von dem ich Ihnen gesagt habe, leitete Jost ein, auf seinen Begleiter deutend.

Herr Friedling, eine ausgetrocknete, ausgeklugte Krämerseele, musterte bedächtig den neuen Kandidaten. Mit heimlichem Wohl⸗

gefallen schielten seine kleinen Kalmuckenäuglein auf die breiten

Schultern und massigen Gliederformen desselben.

Der Mann scheint mir tauglich zu sein, bemerkte er dann,

Gleichgültigkeit heuchelnd, gegen Jost.

Tauglich? meinte dieser eifrig;hat denn der Jost Ihnen

je etwas Schlechtes in's Haus gebracht? Er suchte so eine Art sittlicher Entrüstung in seine Stimme zu bringen.

Und die Bedingun gen? sprang Herr Fried⸗ ling über, ohne scheinbar

Jost's Frage zu beachten.

's ist ein schweres Stück Arbeit, lieber Herr, be merkte Jost zögernd,die Station, wie Sie wissen, ist mit sechs Douanesoldaten belegt und der Brigadier ist ein Stück vom wahr⸗ haftigen Teufel. Erst vor drei Wochen hat er

Die Bedingungen, die Bedingungen! schnitt der Andere ungeduldig ab.

Jost drehte seine Mütze langsam zwischen den Fin gern.Ich denke, acht Franken per Zentner ist nicht zu viel, meinte er dann.

Acht Franken! Mann, seid Ihr bei Troste? rief Herr Friedling, entsetzt auffahrend.

Hab' meine fünf Sinne nie besser beisammen ge habt, versicherte kaltblütig.

Aber wollt Ihr mich denn partout ruiniren?

willkürlich die Hände wie zum Gebet faltend.

Ruiniren! lachte Jost hell auf,kann denn so ein armer Teufel wie unser⸗ eins den reichen Herrn Friedling ruiniren? s ist übrigens auch nicht nöthig, warf er leicht hin, Schwertfeger und Comp. haben ebenfalls nach uns gefragt; komm, Jakob! Und er griff nach der Thüre.

Na, so laßt erst einmal ein gescheidtes Wort mit Euch reden, beschwichtigte Herr Friedling, mit beiden Händen die Thüre zuhaltend.

's giebt nix zu reden, trotzte Jost,acht Franken und keinen rothen Sou wohlfeiler.

Aber lieber Herr Jost! näselte der würdige Patron,bedenkt

doch, die Zeiten sind schlecht und das Geld ist rar.

Unsereins ist noch viel rarer, warf Jost hin.

Ich geb' Euch per Zentner sechs Franken, bot Herr Friedling.

Acht Franken dabei bleibt's! betonte der Schleichhändler.

Sechs und einen halben, feilschte der Kaufmann. Jost schüttelte den Kopf.

Na, so geb' ich Euch sieben Franken, aber auch keinen Heller mehr; das ist mein letztes Wort. In Ton und Haltung des Sprechen⸗ den lag so unverkennbar die Versicherung, das letzte Gebot gethan zu

haben, daß Jost einen fragenden Blick auf Jakob hinüber warf. 4

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Jost

ächzte Herr Friedling, un-