Ausgabe 
25.12.1887
 
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lächelnd. Der kleine Blondkopf aber erwiderte zögernd:Ja raunte: Thor, es ist nicht wahr, Du täuschest Dich, es ist Phan⸗ aber nur, wenn Mutter mitgeht. tasterei, Du jagst einem Schemen nach umsonst, das pochende

Die Plauderei des Kindes interessirte Walter und er fragte des- Herz wollte ihm schier die Brust zersprengen und jeder Nerv in halb weiter:Hast Du denn keinen Vater? ihm schrie nach Glück. Wie ein Rausch war es über den Mann

Nein, nicht mehr, der ist todt, im Him⸗ mel! Und dabei schaute er fast mit einer Miene der Erleichterung zum Himmel auf.

Das sah aber so putzig aus, daß Walter, der Große, nur mit Mühe ernst bleiben konnte.Hattest Du Deinen Vater denn nicht lieb? 5

Energisches Kopf schütteln von Seiten des Kindes.Vater schalt Mama immer und hat mich geschlagen, auch wenn ich ganz artig war. Mutter hat dann immer so viel geweint seit wir hier in

] dder fremden Stadt sind,

weint sie viel seltener! So wohntet ihr

nicht immer hier? Nein!

Walter fragte nach

dem Namen der Stadt, aus welcher der Kleine stammte, erhielt aber keine Auskunft, er war

dem kindlichen Gedächt⸗ niß längst entschwunden. Seid ihr schon lange hier?

Nein, noch nicht lange, erst seit Vater todt ist und Mutter das schwarze Kleid an⸗ gezogen hat.

Walter hatte fast athemlos den Worten des Kleinen gelauscht, der so kindlich unschul⸗ dig in die Welt hinein schwatzte, ohne zu ahnen, welchen Sturm er in der Blrust des blassen Mannes an seiner Seite errege. Die blauen Augen des Kleinen schau⸗ ten aufmerksam auf die Spielsachen, die er im Arm trug, damit ja nichts verloren gehe; dabei fielen die blonden Löckchen tief in die Stirn und wenn der Schein einer Straßenlaterne auf

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gekommen, und während er die Rechte auf die breite Brust legte, als wolle er die Schläge des Herzens dämpfen, flehten seine feuchten Augen: Allmächtiger Gott, täusche meine Hoffnung nicht! Walter der Kleine ahnte nichts von der Bewegung seines Freun⸗ des und rief plötzlich fröhlich aus:Du, da ist unser Haus, da wohne ich! Sie traten in ein unschönes Haus, eine echte Mieths⸗ kaserne, schritten durch den unsaubern Flur des⸗ selben und tasteten sich mühsam durch den engen, düstern Hof des Hauses. Der Kleine wies auf eine finstere Hintertreppe mit abgetretenen Stufen dort mußten sie hin⸗ auf. Ein widerlicher Geruch von schlech ten Speisen und ungelüf⸗ teten Zimmern das Parfüm der Armuth, drang auf Walter ein und beengte ihm die Brust. Hastig schritt er empor, das Kind nach sich ziehend. Sie kamen an unzähligen Thüren vorbei, hinter denen bald das Gekreisch von Kindern, das Bellen eines Hundes, oder eine johlende Männerstimme erschallte.O, mein Gott, wär's möglich, daß mein armes Lieb sich hier in diesem Hause des Elends verborgen hielte? dachte Walter und schöpfte Athem. So, jetzt waren vier Treppen erstiegen und der Knabe drückte die Klinke einer kleinen Thür auf, seinen Freund in das Innere eines dunklen Zimmers zie⸗ hend. Reine, gute Luft umfing ihn hier und Walter sog den harzigen Duft grüner Tannen

das Gekraus fiel, so leuchtete es goldig auf.

Es drängte sich Walter dete er ein Streichholz wieder unabweisbar die und erblickte auf einem Aehnlichkeit des Kindes mit seinem Gretchen auf und dann die Schemel ein Christbäumchen mit bunten Lichtern, vergoldeten ö Erzählung des Knaben O, wie stürmisch sein Herz klopfte; Aepfeln und Nüssen. Den hatte die Mutter für ihr Kind ge⸗ wäre es denn möglich, sollte das Glück bei ihm einkehren, sollte schmückt. Wie viele Nächte mochte sie wohl gearbeitet haben, um sein Glücksstern wieder aufgegangen sein? Der starke Mann bebte dieses schlichte Bäumchen erübrigen zu können. Walter schaute sich wie im Fieber. Es half nichts, daß die Vernunft ihm ins Ohr nach einer Lampe oder einem Lichte um, fand jedoch nichts der-

ein. Rasch entzün⸗

Vom Weihnachtsmarkt. Ein Bild nach dem Leben von C. Koch.

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