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durch zur Seite. Ihr eheliches Glück wäre ein vollständiges ge⸗ wesen, hätte der Besitz von Kindern dem häuslichen Herde nicht gemangelt.
Trotz seiner anstrengenden landständischen Wirksamkeit während der Jahre 18201826 gab Uhland 1822 seine werthvolle und gehaltvolle Monographie über Walther von der Vogelweide heraus. Eine Wiederwahl in den Landtag lehnte er nach Ablauf der er— wähnten Zeit vorläufig ab, wurde aber zu seiner großen Freude im Jahre 1830 als Professor der deutschen Literatur an die Universität zu Tübingen berufen. Hier sprach er in seinen Vorlesungen vor⸗ züglich über die Poesie des Mittelalters, über romanische und ger⸗ manische Sagengeschichte, über das Nibelungenlied. Als jedoch die Julirevolution in Paris einen Nachhallzauch in Württemberg hervor— rief, nahm Uhland eine Wahl als Abgeordneter für Stuttgart wieder
und der Ackerbau abgebildet; eine Lyra und ein goldener Lorbeer— kranz zieren den Deckel. 5
Da indessen die liberale Oppositionspartei selbst im Volke wenig Unterstützung fand, und der Geist der Reaktion mehr und mehr überhand nahm, lehnte Uhland eine Wiederwahl als Deputirter abermals ab. Mehrere Jahre hindurch widmete er sich ganz den literarischen Studien und Forschungen, und es erschien eine Ab—
handlung„der Mythus von Thor“ und eine„Sammlung alter
hoch- und niederdeutscher Volkslieder.“ Auch der Germanisten— versammlung wohnte er bei, welche 1846 in Frankfurt tagte, und Namen wie Arndt, Ranke, Dahlmann, die Gebrüder Grimm und Andere zu ihren Mitgliedern zählte. Denn deutsch war Uhland's ganzes Wesen, auf die Wohlfahrt des deutschen Volkes, auf dessen geistige und politische Erhebung sein ganzes Sinnen und Trachten
Der Kaffee des Leiermann.
an. bis zum Januar 1833 hinaus und löste ihn am 22. März desselben Jahres wieder auf. Da bei der ausgeschriebenen Neuwahl Uhland, den man vom Landtage fern halten wollte, der Urlaub versagt wurde, legte dieser, kurz entschlossen, seine Professur nieder. Bei seiner Rückkehr nach Tübingen, woselbst er sich ein reizend gelegenes eigenes Besitzthum mit herrlichem Ausblick in's Neckarthal erworben, wurde er von der Studentenschaft mit einem silbernen Pokale über⸗ rascht, welcher in einem Kranze von Eichenlaub die Inschrift trug: „Dem Meister deutschen Rechts und deutscher Kunst die Studirenden der Universität Tübingen.“ Der Deckel war durch einen ruhenden Löwen geschmückt, der eine Tafel mit der Inschrift hielt:„Das alte Recht.“ 5 b a Einen ähnlichen silbernen Pokal überreichten ihm auch seine Wähler. Der untere Theil desselben stellte eine Jünglingsgestalt dar mit dem Schwert in der Hand, den Arm um eine Eiche ge⸗ schlungen, an deren Stamm ein Schild lehnt mit der Aufschrift: „Wahrheit.“ Au äußeren Rande der Trinkschale sind der Handels- stand mit der abgebrochenen Zollschranke, der Lehrstand, die Kunst
Die Regierung schob indessen die Eröffnung des Landtages
Nach dem Gemälde von Fritz Kraus.
gerichtet, und von echt deutschem Geiste sind seine sämmtlichen Lieder durchweht. Und in seinem Gedichte, welches er anläßlich der Ger— manistenversammlung verfaßte, hebt er es hervor, daß wohl die deutsche Sprache, vor Allem der biedere deutsche Charakter, deutsche Treue, Wahrhaftigkeit und Tugend gewahrt werden müsse.
Für solch echt deutsche Gesinnung zeugt Uhlands ganzes Leben, in dem sein Thun und Kämpfen seinem Liede getreulich Wort hielt. Aber auch seine Volkslieder sprechen dafür. Nur wenigen Dichtern ist es wie ihm gelungen, wirkliche Volkslieder zu schaffen, Lieder, die gleichsam aus dem deutschen Volksmunde entsprungen, von dem— selben als sein Eigen anerkannt und, durch einen begabten Komponisten in Musik übertragen, im Volksmunde fort und fort tönen, sich von einer Generation auf die andere vererbend, ohne je von ihrem Reize, ihrer Volksthümlichkeit einzubüßen. Zu solchen Liedern Uhlands gehören nebst vielen andern beispielsweise„Der gute Kamerad“, „Das ist der Tag des Herrn,“„Der Wirthin Töchterlein,“ „Die Einkehr,“„Des Knaben Berglied“ u. s. w. Und haben dieselben, gleich vielen seiner Balladen, vorzüglich denjenigen, welche ihren Stoff aus der Vorgeschichte Württembergs geschöpft,


