Ausgabe 
22.5.1887
 
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trocknet im Herbarium eines guten Freundes gefunden werden.

Und diese Beachtung verdienen sie recht wohl, denn sie zeichnen sich durch die Mannigfaltigkeit der Formen wie durch die wahrhaft elegante Haltung der Blätter(Wedel) aus; meist auf der Unter seite der Blätter und Flie⸗ derblättchen befinden sich eigenthümliche Zeichnungen, welche meist durch dunkel⸗ braune Pünktchen entstehen, wie beim spitzzähnigen Schildfarn Aspidium spi- nulosum Sw.(Fig. 1), bei anderen schmiegen sie sich als zusammenhängende Streifen an den Rand des Blattes an, wie beim Saum⸗ farn(Pteris), und wieder andere Gattungen und Ar⸗ ten haben diese Pünktchen nicht an den Blättern, son⸗ dern an besonderen Stie len, wie beim Königsfarn (Osmunda reg. L. Fig. 2). Diese Pünktchen oder Streifen bestehen aus Zellen, den ein⸗ fachsten Organen der Pflanzen; sie haben sich von den Blättern ab⸗ gehoben und werden Sporen genannt. Gleichviel, ob man sie von den im Walde wachsenden oder im Herbarium seit Jahren vertrock⸗ neten Wedeln abschabt immer geben sie neue Pflanzen von gleich schöner Form, wie unsere Abbildung sie zeigt, wenn man verfährt, wie sofort beschrieben werden soll, aber immerhin nicht eher, als bis in den ersten Anfängen der Pflanzen, den Vorkeimen(prothallia) die Befruchtung vor sich gegangen ist, die bei mehr ausgebildeten, im System höher stehenden Pflanzensippen durch die Geschlechtsorgane stattfindet, welche sich in den Blüthen befinden.

Zur Anzucht der Farne nehme man im Februar, März oder April ein Stück Torf, koche es, um Ungeziefer und Unkrautsamen zu tödten, lege es in eine Schale mit Wasser, von dem es durch und durch feucht, aber nicht naß erhalten wird und das man stets ersetzen muß, wenn es durch Aufsaugung und Verdunstung nahezu verschwunden ist. Die von den Wedeln abgeschabten Sporen ver⸗ mischt man mit Kohlenstaub, streut sie auf dem Torfstück gleich⸗ mäßig aus und drückt sie fest. Das Ganze wird mit einer Glas⸗ glocke oder mit einem Wasserglase bedeckt und so von der äußern Luft abgeschlossen; die an der innern Seite dieser Gefäße durch die Ver⸗ dunstung sich bildenden Wassertropfen müssen täg⸗ lich abgewischt werden zjedes Gießen ist überflüssig, wenn in der Schale u. dergl. sich immer noch wenigstens eine Spur von Wasser befindet; es ist aber auch schädlich, weil es die Sporen aus ihrer Stelle rückt und das Keimen erschwert. Die Schale mit dem Torfstück und den Sporen stellt man an das Fenster des war⸗ men Zimmers.

Das Keimen der Farne ist außerordentlich interessant. Nach einiger Zeit bilden sich nämlich auf dem Torf zahlreiche grüne Flecken, die bei näherer Betrachtung kleinsten Blätt⸗ chen nicht unähnlich sind; sie liegen platt auf dem Torf und sind die oben schon erwähnten Vor- kei me, welche die Auf gabe haben, die aus ihnen aufwachsenden fungen Pflänzchen zu er⸗

Aspidium spinulosum.

Fig. 1.

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nähren, bis die später entstehenden, nach unten wachsenden Würzelchen

stark genug sind, diese Pflicht zu übernehmen, was jedenfalls nicht eher geschieht, als bis der eigentliche Keim(Embryo) sichtbar wird, also nicht eher, als bis die in der weiblichen Spore oder in der, im Vorkeime befindlichen Ei-Zelle von dem männlichen Organ der in derselben oder in der männlichen Spore befind⸗ lichen männlichen Zelle be⸗ fruchtet worden, d. h. nach⸗ dem diese in Form einer Spirallinie bis zu jener vorgedrungen ist, und sich mit der Ei⸗Zelle vereinigt hat.Wenn in einem Vorkeime beide Geschlechter vertreten sind, wie bei den Farnen, dann befinden sich, wie ich schon in meinem Grundriß der Lehre vom Gartenbau J. Theil, Leipz. 1886 gesagt,,die weiblichen Zellen dicht an dem Winkel, der von dem die Herzform bedingenden Einschnitt ge bildet wird, und die männlichen Zellen liegen ihr nahe. Aus dem Vor- keime entwickelt sich nach der in seinem Innern vor sich gehenden Befruchtung nach oben zuerst ein einfaches, d. h. ein nicht getheiltes, nicht gefiedertes Blatt, dem bald das zweite und dritte und nach unten das Wurzelchen folgen.

Wenn die Pflänzchen groß genug geworden, hebt man sie mit Hilfe eines Holzstäbchens vom Torf ab und pflanzt sie nicht zu eng, etwa ein Centimeter weit aus einander, in eine Schale, die mit Abzugslöchern versehen, unten mit Ziegelstücken, Topfscherben oder Coksstückchen(der Wasserabzug) belegt und mit Haideerde nahezu gefüllt ist. Die Pflänzchen werden wieder mit obengenanntem Holz- stäbchen so tief wie bis zum untersten Blatt eingesetzt, mit über⸗ schlagenem, bis 30 C. warmem Wasser angegossen und ferner feucht gehalten, die ersten Tage auch mit einer Glasglocke u. dergl. bedeckt, um durch Absperrung der Luft das Anwachsen zu befördern, schließlich aber, wenn sie in der Schale sich drängen, einzeln in kleine, später in wenig größere Töpfe mit eben genannter Erde verpflanzt, wenn man nicht vorzieht, die dazu geeigneten Arten sofort auf eine passende, d. h. schattige Stelle im Blumengarten zu versetzen. Nach und nach werden sie die Formen der Mutterpflanzen zeigen und den Züchter ob solcher

Fig. 2. Osmunda regalls.

Fig. 3. Caladium bulbosum.

gelungenen Anzucht mit Stolz und Freude erfüllen. Gegossen wird immer erst dann, wenn, wie bei allen Topfpflanzen, die Oberfläche des Wurzel ballens beginnt trocken zu werden, also im Winter wenig, oft ganz und gar nicht, im Sommer, beson ders während des Wachs thums, sehr oft und stark. Viele Arten der Farne zie hen vor Winter ganz ein und sind nicht eher zu gie ßen, als bis sie, gewöhnlich in Form von Krummstäben, neue Wedel zeigen. Aeltere Farne von kraut⸗ artigem Wachsthum können auch dadurch vermehrt wer⸗ den, daß man sie im Früh⸗ jahr ausgräbt und den Wurzelstock in so viele Stücke zertheilt, als er An⸗ sätze zu erneutem Wachs- thum besitzt. Einige Gat⸗ tungen bilden auf ihren Wedeln kleine Pflänzchen, die man abschneidet und als Stecklinge später wie die aus Sporen gezogenen Pflänzchen behandelt.

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