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22.5.1887
 
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In ähnlicher Weise wie die Farne erzieht man auch das von allen meinen freundlichen Lesern hochverehrte Alpen veilchen(Cyclamen), obwohl die Entwickelung eine ganz andere ist. Den möglichst frischen Samen säet man im August, oder später bis Dezember, in eine

Schale mit gutem Wasserabzug und Haideerde(auch auf ausgekochten

Torf wie die Farnsporen), drückt ihn mit dem Boden des Wasser⸗ glases fest und bedeckt ihn mit Holzkohlenstaub, auch mit einer Glas⸗ glocke und dergl. Hier aber erscheinen statt des platt auf der Erde liegenden Vorkeims der Farne zwei einander gegenüberstehende dicke Blättchen, die Keimblätter(Kotyledonen), zwischen denen sich oben dasFederchen erhebt, der erste Anfang der jungen Pflanze, während das Würzelchen nach unten wächst. Auch die kleinen Pflänzchen des Alpenveilchens werden, sobald sie sich mit den Fingern fassen lassen, in eine andere Schale mit Laub- und Mistbeeterde gepflanzt(pikirt) und kommen darnach in kleine, später in größere Töpfe, bleiben aber fortwährend im warmen Zimmer und werden im Winter des nächsten Jahres blühen. Gleichzeitig entwickeln sich die gewöhnlich schön ge⸗ zeichneten Blätter, die aber bald nach der Blüthenzeit absterben die Pflanze zieht ein, wonach die inzwischen gebildete Knolle durchaus trocken zu halten und erst dann in frische Erde zu ver⸗ pflanzen und zu gießen ist, wenn sie zu treiben beginnt.

Leichter und schneller geht die Anzucht von Zwiebeln- und Knollen⸗

pflanzen von statten, z. B. von Hyazinthen, Tulpen, Krokus, Lilien dc.,

auch der prachtvollen Kaladien mit ihren herrlich gezeichneten großen Blättern(Fig. 3), und mehr oder weniger großen, in gekochtem Zustande genießbaren Knollen, die zur Kultur in trocknem Sande kalt aber frostfrei überwintert und im Frühjahr in frische Erde mit Sand oder besser mit grober Koksasche gemischte Mistbeeterde versetzt werden. Je später man sie einsetzt, desto später ent⸗ wickeln sie sich und desto später ziehen sie ein; durch all mäliche An gewöhnung kann man sie mitten im Winter lebend und grünend haben und zu den herrlichsten Ausschmückungen von Winter⸗ gärten, Wohnzimmern und Festsälen verwenden.

Die geduldigsten Zimmer⸗ pflanzen sind die immer grünen Palmen, von Linne die Für⸗ sten des Pflanzenreichs genannt, welchen Namen sie um so mehr verdienen, als sie durch ihre majestätische Gestalt über allen anderen Pflanzen stehen; ihnen, die eine in sich abgeschlossene Familie bilden, kann kaum irgend eine verwandtschaftliche Beziehung zu anderen Pflanzen⸗ familien nachgewiesen werden. Man kennt jetzt ungefähr 1000 Arten von ihnen, welche mit wenigen Ausnahmen in den Tropen einheimisch sind, die meisten in Amerika, andere in Australien, Ostindien, China, Japan u. s. die Zwergpalme ö wild. Die An denpalme Ceroxylon andicola Humb. ist in West⸗ indien bezw. auf den Anden Süd-Amerika's 2000-3000 Meter hoch gefunden worden; sie nimmt also unter allen Palmen den höchsten Standort ein.

Als Zimmerpflanzen sind die Palmen, wie in meinerZimmer⸗ flora, Oranienburg 1886, schon gesagt wurde, erst seit verhältniß⸗ mäßig kurzer liebtheit, weil ihr Gedeihen bei einiger Sorgfalt in der Pflege des Liebhabers durchaus keiner Schwierigkeit begegnet. Die natürlichste, ja fast einzige Fortpflanzungsweise der Palme ist die durch Samen, der, aus dem Heimathlande eingeführt(3. B. durch die ausgezeichnete Firma Haage& Schmidt in Erfurt), am besten im Winter in Sägespäne von Kiefernholz oder in Kokusnußfaser-⸗Abfall gesäet und warm(25 30% C.) gestellt wird; er bleibt in seiner Samenschale, meist mehrere zusammen, bis er das erste,

w.; nur eine Art,

Chamaerops humilis L. wächst in Europa

Fig. 4. Kentia Canterburyana C. Moore.

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wirkliche Blatt gebildet hat. Die ersten Blätter sind stets einfach und mit an der Spitze zusammenlaufenden Nerven versehen; erst später erscheinen die zusammengesetzten oder geschlitzten Blätter. Bei dem keimenden Samen und jungen Pflanzen darf der mit dem Nabelstrang, Keimblatt und Stengel in die Höhe gehende Kern nicht eher entfernt werden, als bis das Glied(der Nabelstrang), welches ihn mit der Pflanze verbindet, verdorrt ist; eine vorzeitige Entfernung desselben hat beinahe immer die Form der Pflanze verdorben oder verunstaltet. Die Palmsämlinge können längere Zeit unverpflanzt in der Samenschale stehen bleiben.

Ich möchte doch darauf aufmerksam machen, daß die Anzucht von Palmen für den Liebhaber ziemlich unsicher ist; es empfiehlt sich daher der Ankauf junger Pflanzen, die von der schon oben genannten Firma Haage& Schmidt in Erfurt billig abgegeben werden (12 Sorten Zimmerpalmen Mk. 8,0, 50 Sorten für Mk. 100,0.

Im Zimmer sollte man den Palmen immer einen erhöhten, selbst abgesonderten Standpunkt geben, weil sie uns so ihre volle Schönheit entwickeln und zeigen können; es ist nicht durchaus nöthig, sie wie die Alpenveilchen dicht ans Fenster zu stellen, wohl aber müssen sie gegen brennende Sonnenstrahlen geschützt, in den Sommermongten auch im Freien im Halbschatten und gegen starke Winde geschützt aufgestellt werden. Gaslicht und Leuchtgas sind ihnen weniger schädlich als anderen Pflanzen. ö

Beim Versetzen der Palmen nach Beginn des Wachsthums benutzt man nur mäßig große Töpfe von gewöhnlicher Höhe und eine Erdmischung von halbverfaultem Laub, Lehmerde, gut verrotteter Mistbeeterde mit Sand oder grober Koksasche, auch Ofenruß und kleinen Ziegelstücken. Von der Wurzel schneide man die angefaulten oder sonst beschädigten vorsichtig heraus, lasse aber die gesunden ganz un berührt; niemals darf der Wurzelhals in die Erde kommen, wohl aber darf er oben auf sitzen. Das Gedeihen der Palmen be⸗ fördert man durch einen Kranz von feinem Rindsdung mit Erde unter einer Moosdecke, den man 1015 cm. breit um den Wurzelhals legt. Die oft vorkommenden trocknen Spitzen der Blätter sollte man stets und immer so abschnei⸗ den, daß die gefällige Form beibehalten wird. Die auf der unteren, auch oberen Seite der Blätter sich festsetzenden Schild⸗ läuse müssen mit dem Finger⸗ nagel abgeschoben werden, wo⸗ nach die Blätter mit schwarzer Seife abzuwaschen sind. Die meisten Zimmerpalmen befin⸗ den sich in einer Temperatur von 1012 C. sehr wohl.

Von den zahlreichen die Zimmerluft ertragenden Pal⸗ men nenne ich nur zwei: Kentia Canterburyana C. Moore(Fig. 4) von der Lord Howe's Insel und Areca Baueri Hook, von der Norfolk-Insel(Fig. 5). Wer bei einem reellen Samen- und Pflanzengärtner kauft, wird immer die Sorten erhalten, welche im Zimmer am besten gedeihen; ich wollte deshalb die Geduld meiner liebenswürdigen Leserinnen und Leser nicht noch mit Aufzählung vieler botanischer(lateinischer) Namen in Anspruch nehmen.

Kentia Canterburyana, Canterbury's Kentia, ist eine sehr

Fig. 5. Areca Baueri Hook.

Zeit bekannt, erfreuen sich aber jetzt allgemeiner Be elegante Palme mit großen ausgebreiteten und gefiederten Blättern,

spiraligen Blüthen und pflaumenartiger Frucht.

Areca Baueri,

Bauer's Areka- oder Betelpalme, kann schon in einer Wärme

von 110 C. überwintert werden und ist eine der schönsten Palmen. Die Betelnüsse werden wegen ihrer betäubenden Wirkung von den Indiern gekaut und sind ihnen unentbehrlich, wie dem Europäer

der Branntwein. Sämmtliche Arten der Betelpalme werden dies⸗

auch zweite

seits(Ostindien) und jenseits des Ozeans wegen ihrer Nüsse angebaut. O. Hüttig.

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