Ausgabe 
20.3.1887
 
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zu den

Oberhessischen UMachrichten.

Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden,

r. 12. Gießen, den 20. März. gfl

Erna.

Novelle von L. Haidheim. (Schluß.)

Es war im Beginn des September. vorgesetzt, und dann wurde er roth und verlegen, als er bekennen Die Rochlitz hatten ein größeres Diner gegeben; man saß und mußte, daß er erst heute in der Morgenfrühe in Froysberg ein stand im Schein der untergehenden Sonne, den Kaffee einnehmend, vor getroffen sei. der Hausthür auf der breit vorspringenden, mit OrangenbäumenEi, ei, da können Sie sich sehr geschmeichelt fühlen, liebe geschmückten Freitreppe plaudernd, Jagden verabredend und Rochlitz, über solchen Eifer, sich nach dem Ergehen der Nachbarn überlegend, ob nicht ein Tänzchen den heutigen Tag am würdigsten zu erkundigen, rief eine alte Exzellenz.

12 beschließe, als ein Reiter auf den Hof ritt. Erich wurde sehr roth, dann blaß, denn soeben traten Calander, 1 Man blickte auf, starrte überrascht auf den Kommenden und Erna und mehrere andere Herren und Damen durch eine Gitterthür dann ging es flüsternd von Mund zu Mund:Willwarth es aus dem Park auf den Hof. Ja, es hatte ihn hierher getrieben* 0 ist Willwarth! mit unwiderstehlicher Gewalt. Sein altes Faktotum, der Verwal⸗ Und darauf athemlose Stille. ter, hatte ihm unter den Neuigkeiten der Gegend erzählt, daß sich 2Na, das fehlte noch, Gesellschaft! hatte Erich Willwarth in[Fräulein Calander mit dem Grafen Ritberg verloben werde. Das 1 1 sich hinein gemurrt. Aber dann zog er schon grüßend den Hut. war es, was er wissen wollte. Sein Herzschlag stockte und Jeder pol Die Herren zogen die ihrigen ebenso, die Damen neigten die erkannte, wie die Erregung sich in seinen Zügen spiegelte. nal Köpfe ein wenig. Jetzt kann man erfahren, ob Erna ihn liebt, flüsterten einige 1 Kein Ruf, kein Erstaunen, kein einziges: Willkommen. Damen. Herr Calander stutzte, wie die Uebrigen, die mit ihm

Ehe Erich aber befremdet darüber sich klar wurde, ja ehe er kamen, dann trat er freundlicher, als sonst seine Art war, auf nur Zeit hatte, das Gefühl in sich aufkommen zu lassen, sah er[Erich zu. den Baron Rochlitz aus der Thür hervortreten und hörte vonGott zum Gruß, Herr Nachbar, ich freue mich, Sie wieder dessen Lippen das entbehrte:Na, das muß ich aber sagen! Diese hier zu sehen! damit reichte er ihm die Hand. Zeit zu einer Ueberraschung! Willkommen! Willkommen, Herr Nachbar! Seit entsprechenden Antwort fand Erich nicht, denn da war auch Erna

n, wann sind Sie denn wieder zurück? neben ihm und tief erröthend, mit reizendem Zagen im Blick und 1. 5 a 1 5 3 01 150 175 7 1 3 doch e. sie 105 125 1 8

f. und eifrigem Gesprä ien, die Hand, ug ihm auf die ul⸗Von Herzen willkommen, Herr Baron!

505 ter, den Rücken und führte ihn, sobald Erich sein Pferd abgegeben Dies Strahlen! Dies entzückte Aufleuchten in seinen Augen, igen hatte, seinen übrigen Gästen zu. diese Gluth auf ihren Wangen, ihrer Stirn, ihrem Halse! Denn 171 Inzwischen hatten diese sich gefaßt und darauf besonnen, daß sie sah jetzt, daß alle Augen auf ihr ruhten..

blen sie, ohne den Hausherrn zu beleidigen, nicht ablehnend gegen Will Drinnen an einem der Fenster aber zerbrach mit eisernem 115 warth sein konnten. Griff Graf Ritberg, diesen Vorgang beobachtend, sein Glas, daß ren Immerhin bildeten die so gesinnten Herren ja auch nur einen ihm sofort das Blut über die Hand floß.

u Theil der Gesellschaft und Ritberg, der sich durch sein vielfachesDa hört denn doch aber Alles auf! Es fehlt nur, daß sie 1 10 Gerede zu weit engagirt hatte, um mit Ehren schwenken zu können, sich ihm in die Arme wirft, knirschte er. i u zog sich mit zwei oder drei Gleichgesinnten einstweilen in das Haus Seine Freunde umstanden ihn; nichts kein Blick, keine 101 zurück, hoffend, daß Willwarth sich bald wieder verabschieden werde. Geberde entging ihnen. Als gleich darauf die Gruppen sich wieder a Erich sah sie in der Thür verschwinden. Auch dies fiel ihm verschoben, flüsterten sie zornig und leise mit einander. Ritberg

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auf, aber die ihm wohlgesinnten Herren, unglücklicherweise heute] sah graugelb aus vor Wuth. i nur schwach hier vertreten, traten ihm jetzt mit etwas verlegenenDas müssen wir doch sehen, ob dieser Calander uns ganz Mienen um so lustiger und lärmender entgegen. Er konnte von über den Kopf wachsen soll! Er und seine Tochter werden heute

wee dem Allen gewissermaßen nur im Fluge Kenntniß nehmen, denn er lernen, daß sie besser thun, ihre Macht in unserm Kreise nicht zu

pot hatte die Damen zu begrüßen. Einige derselben waren ihm überschätzen! Und diesem Willwarth weisen wir die Wege, die er

1% bekannt, in den Gesichtern Aller, ob sie ihm nun freundlich lächel-] gekommen. f ten oder nicht, fiel ihm dieser Zug von Verlegenheit auf, in denenNehmt Euch in Acht, Kinder, das geht ohne scharfe Hiebe

1% der fremden jungen Damen eine sehr wenig versteckte Neugier. nicht ab! Er schießt außerdem brillant! warnte einer der Ver

1 Man plauderte trotzdem, man fragte ihn nach seiner Rückkehr, nünftigeren.

seiner Reise, er gestand, daß er eher zurückgekommen, als er sichHahaha! Das weiß der arme Kerl, sein Vetter, am besten! 5 5 69

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