Ausgabe 
17.7.1887
 
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herzogin Mathilde, Hermosa und die Namenlose Schöne die besten sein dürften, erhalten die oben erwähnte Erdmischung auf Topf⸗ scherben zur Ableitung des Wassers in reingewaschenen Töpfen, werden beschnitten wie die Freilandrosen und sind im mäßig warmen Zimmer zu überwintern. Man braucht sie nicht jedes Jahr zu ver⸗ setzen, wohl aber nimmt man die oberste Lage des Erd-Ballens ab und ersetzt ihn durch frische, fette Misterde, gießt auch immer, wenn das Gießen nöthig, d. h. wenn die Oberfläche des Ballens trocken ist, mit oben beschriebenem Dungwasser, was ersetzt werden kann durch Wasser, welches 8 10 Tage auf Knochenmehl gestanden hat und vor dem Gebrauch mit gleicher Masse frischen Wassers ver⸗ dünnt wird.

Unsere Edelrosen halten den Winter mit seiner Kälte und seinem Temperaturwechsel nicht ohne Schutz aus. Neu, d. h. im Früh⸗ jahr gepflanzte Rosen schützt man am besten, wenn man im Spätherbst die Bäumchen und Sträucher mit Schonung der Wurzeln herausnimmt und dicht zusammen so in eine wasserfreie Grube legt, daß man sie noch 50 60 em hoch mit Erde bedecken kann; bei starker Kälte giebt man ihnen später noch eine Decke von Reisig, Laub, Mist u. dergl. Auch kann man sie in einem dem Temperatur⸗ wechsel am wenigsten ausgesetzten, also nach Norden gelegenen Schuppen aufstellen und die Wurzeln mit Erde u. s. w. bedecken. Mir haben in der Nähe von Gothenburg in Schweden auch die feinsten Theerosen, in dieser Weise aufzestellt, 25 C. Kälte aus gehalten, ohne den geringsten Schaden zu nehmen.

Man erreicht durch diese Art der Ueberwinterung dreierlei: erstens ist sie viel einfacher und bequemer, als das gebräuchliche Umlegen und Einpacken mit Erde, Streu u. s. w, wobei oft Stämme ab⸗ brechen, die Zweige auch von Mäusen, Ratten u. s. w. angefressen werden; zweitens werden die Rosenstöcke soweit im Wachsthum ge⸗ stört, daß sie nach dem Auspflanzen zeitig im Frühjahr erst spät austreiben und so den Spätfrösten entgehen, und drittens kann man bei der jährlichen Neupflanzung die Bäumchen oder Sträucher je nach ihrer im Laufe des vorigen Jahres veränderten Größe und Form ordnen(gruppiren), nachdem das Beet von Neuem zubereitet worden ist. Das Wachsthum der in dieser Weise überwinterten Rosenstöcke ist im darauf folgenden Sommer nicht so üppig, als das der im Freien überwinterten und das ist gewöhnlich kein Fehler aber ihre Willigkeit im Blühen wird dadurch in keiner Weise gehindert und auch die Schönheit der Blumen bleibt sich gleich. Rosen, welche schon mehrere Jahre auf ihrem Platze ge standen, müssen auf ihrem Platz im Freien überwintert werden; davon später einmal ausführlich!

Zwei neue schöne Rosen sind die in umstehenden Abbildungen treu wiedergegebenenIhre Majestät(Her Majesty der Engländer) undDie Braut(the Bride).

Ihre Majestät ist eine mehrmals blühende Hybrid⸗(Remon⸗ tand.) Rose, silberartig rosa in der Farbe und sehr groß. Der Wuchs ist aufrecht und stark; Stamm und Zweige sind mit dichten Stacheln besetzt.

Die Braut ist eine Theerose mit rein weißer, zuweilen mit Rosa angehauchter Blüthe, zu Brautbindereien ganz besonders ge⸗ eignet; die Pflanze wächst stark und blüht sehr reich.

Die hier abgebildeten drei Rosensorten sind der Firma: Gebr. Schultheis in Steinfurth bei Bad Hauheim in Hessen zum Verkauf übergeben worden. 9

Kleine Frauen-Zeitung.

Die Mode.

eck der Mode ist, die Toilette bis in's Unendliche zu variiren,

und Au. rd in's Werk gesetzt, um dieses Resultat zu erreichen. Die Veränderungen, die Verschiedenheiten, welche sich in den Sommeranzügen bewirken, geben sich in den Stoffen und in den Arrangements kund, welche je nach der Bestimmung jener wechseln, hier elegant und kostbar erscheinen, dort einfachere und bescheidenere Allüren annehmen, in den meisten Fällen aber einen wohlgefälligen Eindruck hervorbringen. Eine große Vorliebe bewahrt die Mode, ob Winter, ob Sommer, dem schwarzen Kleide, das sich für eine Menge von Gelegenheiten von wirklichem Nutzen erweist Die Garderobe einer einsichtsvollen und verständigen Frau, welche eine weise Sparsamkeit mit einer gewissen Eleganz vereinen will, muß wenigstens zwei schwarze Kleider enthalten: das eine in Wolle(Voile, Etamine ꝛc., je nach der Saison), einfach garnirt, aber von gutem Schnitt

und hübscher Anordnung, das andere in Seide oder Spitzen. Das erstere wäre mit einem schlichten oder plissirten Einsaßtheil aus Seiden Peéting, aus brochirter oder ungemusterter Seide, oder auf der einen Seite mit einer wollnen Quille in Soutachestickerei auszustatten, oder auf der Tunika mit einem Passementerie- oder Perlengalan zu umsäumen, welche Garnirung sich dann als Plastron wiederholt. Und wenn das schwarze Wollenkleid, aus schönem, leichten Stoff hergestellt, graziös und geschmackvoll drapirt ist, kann man auch auf den Besat Verzicht leisten und sich an einigen Bandschleifen genügen lassen. Das elegante schwarze Kleid wird gegenwärtig aus Foulard in vor⸗ züglicher Qualität, aus Beugaline, Faille, Satin merveilleux gefertigt, ferner aus durchbrochener Streifengrenadine, aus Peking, Gaze, besonders aber aus schwarzen Seidenspitzen(Genre Chantilly und dentelle de Lyon) und aus Seiden⸗Guipüre auf seidenem Fond. Dem Kleid aus schweren Seidenstoffen ließe sich durch Spitzen oder Perlenbordüren nebst Jetmotiven noch ein Ausdruck größerer Eleganz geben, während dasjenige aus Gaze oder Spitzen in seiner Leichtigkeit am schönsten durch sich selbst und durch flatternde Schleifen aus Faille.Picotrband oder Moiré band wirkt. Schleifen würden auch der geeignete Aueputz für die Foulardrobe sein, auf welcher man noch vielfach ausgeschlagene Stoffgarnituren anbringt. i An derartigen Kleidern gestaltet man das Leibchen vorn halboffen, umrahmt diese Oeffnung mit Spitzen, oder füllt sie, je nachdem, mit einer schwarzen oder weißen Guimpe aus. Die luftigen Kleider werden größten. theils mit einem Faltenleibchen ausgestattet, das in eine Schnebbe endet oder, für schlanke Damen, von einem Gürtel umspannt wird, der seitwärts in eine große Schleife mit Enden geknüpft. 1 Es giebt viele Damen reiferen Alters, welche eine solche ernste Toilette verjüngt, und auch junge Frauen kleidet sie meist zum Vortheil. Ich will hiermit indeß keineswegs anrathen, sich immer in Schwarz zu kleiden. Aber, wie schon oben flüchtig erwähnt, es paßt sich so vielen Zwecken an, und wenn man einen Blumenstrauß hinzufügt, so gewinnt solch ein düstres Kleid sogleich ein geputztes Air. ö Die gelben Blumen sind hierzu vornehmlich begünstigt. Ich bemerkte letzthin einen ganz willkürlich und leicht zusammengerafften Strauß, ochstieli aus einer gelben Rose, einer solchen, ziemlich aufgeblühten Knospe, zwei italienischen Tazetten und zwei römischen Kamillen, Alles in Gelb, dazu srisches Frühlingslaub: es war ein kleines Meisterwerk der Blumenfabrikation. Nichts fehlte als der Duft, um mich glauben zu machen, die Blumen wären natürlich. Die lila Blüthen: der Heliotrop, die Alpenveilchen, die Exiken erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit die Maiglöckchen und die Schneebälle, die Maaßliebchen, wie überhaupt die Sternblumen nicht zu vergessen, welche in diesem Sommer ebensowohl zu Vorstecbouquets wie auf Hüten viel getragen werden. Besonders hier in Heringsdorf! Sagte doch letzthin mein Nachbar an der table d'hôte, ein berühmter eee ö als er die Damen mit Kamillen, Maaßlieben, kleinen Astern ꝛc. geschmückt sah:Wenn man soviel Sterne auf der Erde sieht, wandelt Einen gar nicht mehr die Lust an, die Gestirne zu betrachten. Zu schwarzen wie zu farbigen Moiré- und Failleröcken werden neuer dings Polonaisen und Leibchen nebst Tunikas aus schwarzen wie aus weißen Spitzen getragen, und für die Festlichkeiten in den Bädern fertigt man auch vollständige weiße Spitzenkleider. Man nimmt indessen selten ein reines Weiß, sondern mehr das Weiß mit gelbem Schimmer wie Rahm und Elfenbeingelb, da ein solches Kleid sich während einer ganzen Saison frisch und sauber erhält. Wenn man dann die Farbe der Schärpe und der Schleifen (am Halse, auf den Schultern, den Aermeln ꝛc.) verändert, gewinnt der Anzug immer ein neues Ansehen. Die rahm⸗ oder elfenbeingelben Schleifen sind dergroßen Toilette vorbehalten, dann geht man zu Blau über, zu Rosa, Malvenlila oder Roth, je nach dem Teint. Es gilt für sehr elegant, die Strümpfe mit den Bändern in Farbeneinklang zu bringen. Nur zu einer, ganz in Rabm⸗ oder Elfenbeingelb gehaltenen Robe wählt man die Strümpfe in beliebiger, jedoch mehr dunkler Nüance, stets mit elfenbeingelben Zwickeln. Wenn die Spitzenrobe nicht mehr frisch genug ist, um über einem gleich- nüancirten Unterkleide getragen zu werden, 0 gestattet die Mode auch ein farbiges. Ich kann es nicht oft genug wiederholen, daß es durchaus nicht nöthig ist, einen großen Vorrath von Kleidungestücken zu besitzen, oder viel Geld auszugeben, um hübsch gekleidet zu sein. Freilich thut man gut, die Toilettengegenstände bester Qualität zu nehmen, und je sparsamer man sein muß, um so mehr muß man die wohlfeilen Dinge meiden, welche durch glühende Sonne oder unerwarteten Regen vernichtet werden können. Mit den sogenannten Waschstoffen ist es in diesem Sommer übel be- stellt. Die Mode will nicht viel von ihnen wissen, wenngleich sie ihnen ein Daseinsrecht zugesteht: den Zephyrs und Toiles ein größeres, den Satinettes und Cretonnes ein geringeres. Die beiden letzteren machen sich zwar in neuen, reizenden Dispositionen bemerkbar, auch verwendet man sie mehr br Morgenkleidern und zur Kindergarderobe. Die Zephyrs erscheinen mit sehr großen, erhabenen Satin-Carreaux, blau mit rothen, rahmgelben und hell. bronzenen Carreaux ꝛc., in großen Damenbrett Carreaux, diese mit feinen Durchbruchslinien, ferner mit Pompadourstreifen und in ganz breiten Streifen, der eine weiß mit festen gerippelten oder mit durchbrochenen Linien, der andere farbig und schlicht. Dann hat man batistartige Gewe mit gerippten Linien und darüber mit großen, ausgestreuten Broche Pastillen, 4 mit breiten Streifen, der eine, in der Breite von 89 Centimeter, m geslickten Streublümchen oder gestickten Blumen Guirlanden geziert, der andere, in der Breite von 58 Centimeter, mit gerippten Linien du zogen, z. B. himmelblauer Grund mit marineblauen Blümchen und solchen Linien, oder robgelber Grund mit rohgelb und roth oder blau gemischten Blumen ⸗Guirlanden und ebenso gemischten Linien. J Das Neueste und Eigenartigste sind aber die Crepe de Java und ein indisches Baumwollengewebe; dasselbe präsentirt einen krausen Grund 1 Gittercarreaux aus doppelten schnurartigen Linien. Ist der Crepe de Jara