Ausgabe 
16.10.1887
 
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nun, die hat sie eben auf's Kräftigste unterstützt.

Teufel, die Bank! Dieser Thadden! Da geht meine Dame flöten! Und Seine Majestät gleichfalls. O jerum! In komischer Verzweiflung zählte Waldemar von Frischem ein paar Summen ab.

Alfred Krohne hatte sein Glas in einem Zuge geleert.

Du sprichst von einer Kousine

J freilich! Haha, diesmal schlägt die Dame für mich! Finger davon, Thadden, ich lasse wieder stehen! Natürlich, meine Kousine Du weißt doch noch, die kleine Gerta, mit den blonden Zöpfen war so'n stilles, sanftnüthiges Wesen und nahm Dich immer in Schutz. Na, was heute ihre Sanftmuth angeht sie kann ganz tapfer kratzbürsten, wenn sie will.

Krohne lachte zum ersten Male.

Kannst Dich ja morgen selbst überzeugen, was aus den Dämchen geworden ist.

Ich fürchte lästig zu fallen.

Larifari! Hab's den Damen nun einmal versprochen, Dich mitzubringen.

Auch Deiner Frau Mama?

Versteht sich. Sie hat es ausdrücklich gewünscht, und Adele Franz von Berg⸗ feld ist übrigens auch draußen. f

Dein Vetter, der mit uns das Gymnasium besuchte?

Heußner nickte.

Das heißt, halber Vetter, von Mamas Seite. Lange nicht hier gewesen. War im Osten. Jetzt Assessor bei der Regierung in D. Ganz amüsanter Kerl geworden. Bleibt noch einige Zeit auf Urlaub. 0

Krohne erwiderte nichts. Hätte er nur gewußt, weshalb ihm das

Herz so viel schneller pochte! Er starrte schweigend auf das Spiel

der Andern, ohne sich die Mühe zu geben, es zu verstehen. Aber öfter als zuvor nippte er an seinem Glase. Sein Nachbar machte es ähnlich, er schien sich zu erregen: Thadden hatte die Bowle ge⸗ braut, und der verstand in solchen Dingen keinen Spaß. Auch die Uebrigen wurden allmählich animirter... auch Alfred.

Am andern Morgen erwachte er mit dem dumpfen Gefühl, als bohre Jemand ein Loch in seine Hirnschale. Er mußte erst darüber

nachdenken, wo er sich befand und was ihm am Abend zuvor passirt

war. Sich Letzteres in's Gedächtniß zurückzurufen, gelang ihm nur halb.

Die Schmiedeken, die ihm den späten Morgenkaffee in's Wohn⸗ zimmer brachte, schien sehr einsilbig, seine gestrige Extravaganz war ihr doch ein bischen zu arg gewesen. Und der Herr empfand etwas wie Scham vor der Dienerin. Dabei scheute er Rahdebrok. Als er ihn aus dem Brauereigebäude auf das Haus zuschreiten sah, griff er rasch nach seinem Hute und schlenderte durch das Hofthor, mit schlechtem Gewissen wie ein Bube, welcher der Schulstunde ent⸗ rinnt.

Erst zu Mittag kehrte er heim.

Rahdebrok redete bald wieder vom Geschäft.

Gleich nach Tisch, wenn's Ihnen recht ist, können wir die Bücher durchgehen, wir haben dann noch den ganzen Nachmittag für die Besichtigung der Brauerei.

Der junge Erbe antwortete nicht.

Balzer hat ja wohl die Saalfeld'sche Zigarrenfabrik gekauft? fragte er dagegen.

Der Alte verzog das Gesicht ein wenig. Ihn ärgerte offenbar,

daß der Herr seine Worte einfach ignorirte. Zur Strafe ließ er

ihn auch ein Weilchen warten, ehe er entgegnete: 5 Der frühere Buchhalter bei Saalfeld? Freilich! Ein tüchtiger Mann und reeller als sein Vorgänger. Bei dem ist Alles recht und wahr. Ich traf ihn vorhin oben in den Anlagen. 15 Rahdebrok nickte, als müsse er Krohne's Aussage bestätigen. Ja, ja, war für uns ein guter Tausch, als der statt Saalfeld

unser Nachbar wurde!

Der letztere ist ja wohl fortgezogen?

Nach H. Na, gewissen Leuten ist er immer noch nahe genug. Aber seine Tochter ist fast beständig hier, bei Apotheker Zanders, mit deren Bertha sie ein Herz und eine Seele ist, just wie früher

die Väter ihre stillen Geschäftchen machten.

Die Schmiedeken hatte eben begonnen, klappernd den Tisch ab⸗

zuräumen. 1 Die Beiden passen ja auch ganz exquisit zusammen, mischte

ein Gethue, ein Augen⸗ eutenants! Am liebsten der Straße auf und ab draußen in der Laube d, denkt gar nicht mehr die er verkaufte, selber haler brachte. Aus den und nachher Tausende, ien ehrlichen Christen⸗ thige rothe Gold da⸗

sie sich jetzt in's Gespräch. verdrehen und Scherwenzeln 1 möchten sie wohl in Einem for spazieren, natürlich nur, wenn sitzen. Denn der Fratz, das Jet daran, daß sein Vater einmal d drehte und daneben arme Leute ur paar Thalern wurden ja aber da und Saalfeld wurde Fabrikant 1 menschen nicht mehr an, wenn hintersteckte.

Es war ganz gut, daß Jung Schüsseln zusammen hatte. Sie n

Rahdebrok's Lachen begleitete

(Fortsetzur

einen leidlichen Satz t sehr ereifert haben. vollen Abgang.

Lose Blätter.

Stephan von Gumpenberg. Der Streit um Deutschlands Kaiserkrone war zwischen Ludwig von Bayern und Friedrich dem Schönen von Oesterreich entbrannt. Von des Habsburgers Partei war Herr Heinrich von Schwankenrist in des Feindes Land gefallen. Bei der freien Reichsstadt Eßlingen stießen die Oesterreicher auf den bayrischen Heerhaufen, die Stephan von Gumpenberg führte. Wild tobte der Kampf. Es trafen aber die beiden Führer im wilden Zweikampf zusammen. Schon blutete der bayrische Ritter aus mancher Wunde, da traf sein Hieb das Roß des Gegners, daß es niedersank, seinen Herrn mit sich reißend. Auf den Niedergeworfenen stürzte nun der Troß, um den sonst Gefürchteten zu tödten; Gumpenberg wehrte ihm aber und erklärte, der Ritter sei nach allen Sitten und Gebräuchen sein Gefangener, und wer ihn und sein Recht kränken wolle, möge sich hüten den Grimm zu reizen. Dabei hob er sein Schwert. Dann befreite er Schwankenrist aus seiner Lage und sagte zu ihm:Ihr seht die Euren sind zersprengt und auf der Flucht. Gebt mir Euer Schwert als mein Gefangener und be⸗ steigt mein Pferd.Welches Lösegeld bestimmt Ihr? fragte Schwankenrist. Bestimmt es selbst; zuvor Ihr Euch gelöst, ist Euch der Waffen Führung nicht gestattet. Heinrich sprengte davon und schon nach Eile Wochen hielt er vor Gumpenbergs Schloß und brachte tausend Mark Silber(45 000 Mark und über das Vierfache dieser Summe nach damaligem Geldwerthe) er hatte seine Güter verpfändet, um diese Summe aufzubringen.Genügt Euch die Lösung? fragte er Gumpenberg. Dieser schüttelte den Kopf. Nehmt das Silber zurück, erwiderte er;Helden wie Ihr lösen sich durch ihre Freundschaft. Bei den Worten umarmte er ihn. W. G.

Ein militärisches Original aus der früheren Zeit. Unter die in⸗ teressanten Originale früherer Zeiten gehört auch der Feldmarschall⸗Lieutenant und Gouverneur der Festung Luxemburg, Bruder der Kaiserin Katharina von Rußland, Fürst von Anhalt⸗Zerbst. Er ging eines Abends durch die Straßen der Festung Luxemburg und begegnete einem kleinen Knaben, welcher bitterlich weinte und dem Fürsten, welcher ihn mit warmer Theil⸗ nahme nach der Ursache seiner Thränen fragte, weinend berichtete, daß er von seinem Vater geschickt worden sei, Tabak zu holen, den dazu bestimmten Kreuzer aber verloren und nun die schrecklichsten Prügel zu erwarten habe. Nein, mein Sohn! rief der menschenfreundliche Fürst,Du sollst keine Prügel bekommen, Dir soll geholfen werden! Und schnell ließ er aus der nächsten Kaserne zwölf Grenadiere herbeirufen, eilte mit ihnen zu einem Wachszieher, gab jedem eine brennende Fackel in die Hand und durchzog an ihrer Spitze die Straßen der Stadt, den verlorenen Kreuzer zu suchen. Nachdem so bereits einige Stunden verflossen und die Fackeln abgebrannt waren, wandte er sich trostlos zu dem Knaben, drückte sein lebhaftes Bedauern aus, daß der unglückliche Kreuzer, 11 aller angestrengten Bemühungen, nicht zu finden sei, und rieth ihm, mut ig nach Hause zu gehen, den Vater auf irgend eine Art zu versöhnen, und im Falle das Pichl nicht zu erreichen wäre, die Prügel mit Ergebung und Standhaftigkeit zu ertragen. Daß der Dank des Jungen, der nun noch soviel Zeit verloren, und die einfache Portion Prügel dreifach zu erwarten hatte, nicht sehr lebhaft war, läßt sich denken, man will sogar aus einiger Entfernung einAh le vieux fou vernommen haben.

Napoleon, welcher sehr den Schlagfluß fürchtete, fragte eines Tages Corvisart, einen Arzt, um eine posttive Ansicht über diese Krankheit. Sire, antwortete ihm der Arzt,die Apoplexie ist immer gefährlich, allein sie hat vorläufige Symptome. Es ist selten, daß die Natur zu Boden schlägt, ohne früher zu mahnen. Ein erster Anfall, beinahe immer leicht, ist eine kostenfreie Citation; ein zweiter, stärkerer, eine Citation mit Kosten; ein dritter ist ein Verhaftsbefehl. Er selbst lieferte einen traurigen Beweis von der Wahrheit seiner Behauptung. 0.

Lord Byron hatte einen sonderbaren Widerwillen gegen graue Augen. Ihr seid junge Leute und könnt von dem Nutzen ziehen, was ich sage! äußerte er eines Tages, als von Physiognomik die Rede war.Traut Niemandem recht, der graue Augen hat.Sie haben ja selbst solche? entgegnete man.O, es wäre für Manchen, der mit mir zu thun hatte, gut gewesen, wenn er diese Regel befolgt hätte, war seine Autwort.

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