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„Das verstehst Du nich“ um mit Dir allerlei sozi⸗
ber ich bin nicht hergekommen, zu berathen, sondern um Dich
herunterzuholen.“„Willst Dich doch nicht drücken?“ fragte sein Nachbar. „Herunter?— Ick n fragen, was Dich in so später„Nur einmal hinaus.“ Stunde—“ Die Brust war ihm voll zum Zerspringen. Er wußte selbst
„Späte Stunde i Stunde, wie Du ee
gut! Und was mich in so später rführt? Herrgott, Mensch, ich bin
Alfred schaute dem Spiel ohne Interesse eine halbe Stunde zu. a Dann stand er auf. Was sollte er eigentlich hier?
nicht, warum. In der Küche nickte Gertruds weißer Kopf schlaftrunken über
Dein Gast, das hei nicht allein, Ordowsky, Textor und einem zerlesenen Zeitungsblatt. Seine Schritte weckte sie; weit⸗ 9 die Andern sind o eöffneten Auges starrte sie ihren jungen Herrn an. i a 8 9 8 „Ah so!“„Sie sind's! Und aus der Mördergrube da? Hat sich Ihnen 1 „Ah so! Er zm ein Licht auf. Also nur mit!“ denn nicht das Herz im Leibe umgedreht bei dem Treiben?— So „Ich möcht war's früher nicht, Herr Alfred; da war um halb elf spätestens Der Lieut den halb Widerstrebenden schon aus dem Alles still, und ein ehrlick er Christenmensch konnte seine rechtschaffne P Zimmer gezo— Nachtruhe halten.“ Der„ehrliche Christenmensch“ spielte in Gertrud „Hilft o Du willst oder nicht. Schwerenoth, seit Schmiedekes Reden eine ziemliche Rolle.„Aber nun!— Rahdebrok, acht Jahren en!—“, das Ungeheuer, kümmert sich ja wohl garnicht d'rum, was die Herren 1 Unter v ter wurde Alfred die Treppe hinuntergeführt. treiben; er sagt, sie hätten das Zimmer für ihre Abende gemiethet, „Meir ich habe die Ehre— mein Freund, Doktor und was d'rin vorginge, wäre nicht seine Sache, Jugend hätte nicht Alfred Ki err von Thadden, Lieutenant von Ordowaky, Tugend, und dergleichen Firlefanz mehr. Hat ihnen ja extra einen 1 Lieutenant Textor, Herr von Ahrberg— aber, zum Kukuk, macht Kellner besorgt, damit ich sie nicht zu bedienen brauche. Hätte mir ö das Uebrige selber ab! Wer kann die Namen alle gleich so herbeten!“ freilich passen können, denen auch noch um Mitternacht aufzuwarten!“. „Also unser Herr Wirth!“„Warum gehen Sie denn nicht schlafen, Schmiedeken?“* a; 1 dignirt sah die Alte dem Fragesteller in's Gesicht.* „Famos, Heußner, daß Du ihn noch'ran geschleift hast! Indig g 5 11 Alfred war es, als sei er im Traum hierhergekommen. Er d g Wer 179 1 achten, daß 1 70. nice nach hatte mit gar keinem Gedanken mehr daran gedacht, daß in seinem r ffizierstube hin—„ung das Haus nicht über dem g Hause Gäste verkehrten.. 3 4 a Der Kellnerbursche hatte ihm ein Glas hingestellt; Heußner, der 8 ich 195 Herren agen, es fei Zeit 7 g 5 jelt i f;„Nein, Herr! Nein, das thun Sie doch lieber nicht! Sie zahlen 0 es füllte, hielt ihm zugleich das seine entgegen. 0 7 g g n 95 Ein fideler Willkomm in der alten Heimath, wenn sie auch ja anständig, und es steckt immer ein schönes Stück Geld in ihren e 1 e e 1 eimath, wenn sie auch Abenden, darin hat Rahdebrok Recht. Wenn sie nur nicht so gottes. b nur ein muffiges Mistfinkennest ist!“ lästerliche Dinge trieben!“ 6 Wohl oder übel mußte Krohne anstoßen. Alfred hatte von dreierlei keine rechte Idee: erstens, daß er für 6 1* 7 2 11 7„ N U Sede waren längere Zeit auswärts?“ fragte ihn einer der das Hazardspiel, welches er in seinem Haufe duldete, als Geschäfts⸗ l Er begabte eigenthümer mit verantwortlich war, zweitens, daß die Schmiedeken ü f 5 l g 4 seinen Vortheil eifriger bedachte, als er selbst, und drittens, warum b e 10 G e 7— 1 8050 er nicht wegen seiner Verantwortlichkeit und trotz des Gewinnes, 1 „ i. ab an welchem ihm nichts lag, die Spielgesellschaft einfach aus den 5 gesehen von besonders warmen Sommerabenden, um diese Stunde Hause trieb. Die ganze Sache berührte ihn kaum, er hatte ja noch 1
ziemlich still auf der Berglust zu sein.
Lebhaft griff Waldemar Heußner seine Worte auf.
„Geändert? Bitte gehorsamst, was sollte sich hier geändert haben! Die lieben Röhrstädter rauchen Abends noch aus derselben langen Pfeife wie vor acht Jahren, und wenn Du drüben in's Wirthszimmmer guckst, kannst Du gerade Nachbar Balzer und Axotheker Zander im Begriff sehen, ihr friedliches Dach aufzusuchen. Ist nämlich gleich halb elf, das ist so ihre Stunde, just wie früher.“
„Halb elf?“ rief der korpulente Freiherr von Thadden und gab dem Kellner einen Wink.„Dann ist's ja die höchste Zeit.“
Die Andern lachten.
„Thadden will seine Unkosten von gestern decken,“ rief Lieutenant Textor, Heußner's vis-A-vis, zu diesem hinüber.
„Ein bischen Revanche!“ warf Thadden gelassen hin, während er ein Bild, das der Kellner von der Wand genommen hatte, mit der Rückseite nach oben vor sich hinlegte. Letztere trug die bekannte Zeichnung des„Tempels“.„Allons, Herrschaften!“ rief der an-
nicht gelernt, sich als Eigenthümer fühlen, viel weniger als Wirth.
Was ging ihn das Alles an! ö
Eben schien er sich im Anschauen der mächtigen Küchenuhr zu verlieren, deren dumpftönendes Pendel sich schwerfällig hin und her bewegte. Es war ein Meisterstück holländischer Arbeit, mit kunst⸗ 1 voll bemaltem Zifferblatt, das schon sein Knabeninteresse in hohem Maße erregt hatte. 5 ö
Sinnend stand er vor dem alten Werk. Wieviel Geschlechtern 4 mochte der Zeiger da schon die Lebenszeit abgemessen haben, an
wieviel Freud und Leid das alte Pendel wohl schon gleichgültig vorübergetickt sein! Die Uhr stammte noch von seinem Großvater. Er gedachte der früh verlorenen Eltern, des Oheims, dessen Tod ihn nun heimgerufen hatte— hierher! Langsam fuhr er zuletzt.
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mit der Hand über die Augen, dann wandte er sich der Treppe zu, sein Zimmer wieder aufzusuchen. Seine Stimmung paßte nicht
in die laute Gesellschaft der Offiziere. 1
Der Eintritt eines Postbeamten hielt ihn zurück.
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1 gehende Bankhalter.„Höchster Satz: zwanzig Mark!“„Herr Lieutenant Heußner wäre hier—“ 1 f„Sackerlot, für den Anfang ein bischen flott! Aber darum keine Der Mann hatte eine Depesche. i 1 Feindschaft; zuletzt ist man kein Spielverderber,“ sagte Heußner und Alfred selbst brachte sie dem Adressaten in's Zimmer. 1 I kramte ein paar Goldstücke aus seiner Boͤrse.„Thust doch mit,„Was da?— Ah so!“ Rasch zerriß der Lieutenant die bekannte 1 Alfred?“ blaue Verschlußmarke und überflog mit einem Blick den Inhalt des 9„Ich kenne das Spiel nicht; ich weiß kaum, was die Karten Blattes.„Bah, Quark!— Franz, geben Sie dem Boten draußen 0 bedeuten.“ ein Glas Bier!“ 3 1.„Dann laß Dich für Geld sehen.— Apropos, kommst morgen„Sehr wohl, Herr Lieutenant.“ 1 mit heraus nach Schönholz!“„Und nun weiter im Text. Hier dies auf den König, und
Ein aufmerksamer Beobachter hätte bemerkt, wie der Doktor bei dies— so— ich diene meinem König treu und meinem Mädchen 0 den flüchtig hingeworfenen Worten bis über die Schläfen erröthete. auch dabei.“ Damit besetzte er die Dame.„Vorhin fabelhaftes“ Aber aufmerksame Beobachter fehlten am Tische; aller Augen waren Glück gehabt, Kerl!“ wandte er sich an Alfred.„Uebrigens bleibst ö auf Thadden gerichtet, der eben die erste Karte abzog und bald in Du jetzt hübsch hier; wollten sa noch zusammen reden, wegen morgen, f 1 I. geschäftsmäßigem Schweigen mit dem Gelde hantirte. habe strikten Befehl meiner Schwester, Dich mitzubringen, und das 9 1 Heußner hatte Unglück. Schlag auf Schlag vergrößerten seine Cousinechen ist gleichfalls neugierig, wie Du Dich gemacht hast. Also 1 Einsätze Thadden's kleines Anlagekapital. auf frohes Wiedersehen!“ 1 ö 9„„Bah, kannst es leiden!“ sagte dieser gleichmüthig.„Gestern Die Beiden stießen miteinander an. 0 Kröͤsus geworden— heute mir, morgen Dir.“„Läßt Du stehen, Heußner?“


