Ausgabe 
16.1.1887
 
Einzelbild herunterladen

K r

3

TTTTTTTTTTTTTCTCCTCTVTTTTTTTT+T+X1111T1T+TTTTTTTTTTTTTTTWTWTWTTTtlT..1.1..1.1.W.1.1*

N 1 N 1 4 5

955

Tochter des Kantors heran. Sophie war ein kluges, stilles Mädchen, faßte leicht, und in manchen Fächern, wie z. B. in fremden Sprachen, hatte ich Mühe, mit ihr Schritt zu halten, während in vielen anderen Fächern ich wiederum sie überflügelte. Es war wohl nun natürlich, daß wir im täglichen Verkehr immer vertrauter wurden, und das Verhältniß zwischen uns sich bald zu einem geschwisterlichen gestaltete. So blieb es auch, bis ich die Universität bezog, woselbst ich fleißig meinen theologischen Studien oblag und nach kaum dreijähriger Studienzeit mein Examen glücklich bestand.

Allein auch eine zweite Neigung von mir, die Neigung zur Bühnenlaufbahn, fand in der Universitätsstadt größere Nahrung. Gar häufig war ich auf den Stehplätzen im Theater anzutreffen, und mit jedem Male wuchs meine Vorliebe für das Künstlerleben. Da wurde kurz vor meiner beabsichtigten Abreise nach der Heimath ein Sänger in unsere Verbindung eingeführt, dem damals die ganze Stadt huldigte, und dem besonders wir Studenten zugethan waren. Vergnügt nahm er an unserem Kneipabend Theil, sang uns mehrere seiner Lieder vor und begehrte zum Schluß auch einen Gesang von uns zu hören, zum mindesten einen Chorgesang. Der Zufall fügte es, daß ich bei Ausführung desselben neben den berühmten Sänger zu stehen kam, und ich fühlte wohl, wie er mich fest in's Auge faßte. Nach beendetem Kommers sagte er mir viel Angenehmes über die Schönheit und Klangfülle meiner Stimme und redete mir allen Ernstes zu, zur Bühne zu gehen.

Das war entscheidend für meine Zukunft.

Auf vieles, dringendes Bitten gaben meine Eltern, obwohl mit schwerem Herzen, ihre Einwilligung zur Abänderung meines Lebens planes, wurde ihnen doch dadurch eine Lieblingsidee zu nichte.

Ich aber warf mich mit vollem Eifer auf mein neues Studium, und nach Verlauf von weiteren drei Jahren erntete ich bei meinem erstmaligen öffentlichen Auftreten rauschenden Beifall. Mein Name wurde in den Zeitungen rühmlichst hervorgehoben und mehrere günstige Engagements mir angetragen. Bevor ich mich aber fest binden wollte, reiste ich zu den Meinen, mich im Hause der Eltern von der an strengenden Studienzeit erst gründlich zu erholen.

Sechs Jahre war ich nicht in meinem Heimathsorte gewesen einmal jährlich nur hatten mich die Eltern zu U... besucht und das Herz schlug mir höher, je näher ich der Vaterstadt kam. Welche Wonne, endlich wieder im Vaterhause zu sein, umfangen von den Armen solch treuer, liebevoller Eltern, wie die meinigen mir stets gewesen! Nach und nach söhnte ich die guten Alten auch mehr und mehr mit meinem Künstlerberufe aus, und besonders war es die Mutter, welche zuerst das Erhabene und Ideale eines solchen Be rufes erfaßte. Nicht wenig mochten wohl dazu die herrlichen Lieder beitragen, die ich ihr in den Abendstunden sang, und welche zu hören sie nie ermüdete.

Sophie sah ich nach der langen Trennung zum ersten Male wieder, und wie erstaunte ich über die Veränderung, welche mit dem damals dreizehnjährigen Kinde vorgegangen war. Schöner als sie versprochen, war Sophie geworden, und die feinen, immer noch etwas bleichen Züge, belebt von großen, blauen, melancholisch blickenden Augen, paßten gut zu der zarten, schlanken Gestalt. Fast erschien sie mir noch stiller als ehedem, aber eine Anmuth und Grazie kenn zeichnete jede ihrer Bewegungen, sodaß auch das unbefangenste Auge nur mit innigem Wohlgefallen auf ihr ruhen konnte. Ich suchte das alte geschwisterliche Verhältniß zwischen uns wieder herzustellen, scheiterte aber an ihrem zurückhaltenden Wesen. Bald fühlte jedoch auch ich selbst, daß ich den früheren unbefangenen Ton nicht recht wiederzufinden wußte, daß wärmere Gefühle für Sophie in meiner Brust emporgekeimt waren. Ob Sophie dieselben erwiderte? Ich wußte es nicht, hoffte aber, wie die Jugend stets hofft, und hätte wohl damals schon um ihre Hand angehalten, wäre ein trauriger Zwischenfall nicht störend dazwischen getreten.

Von einem Pflichtgange kam mein Vater eines Abends stark erkältet nach Hause und legte sich, um nie wieder aufzustehen. An gesichts des Schmerzes meiner Mutter über seinen unersetzlichen Verlust, und mit dem eigenen schweren Kummer im Herzen war es mir un moglich, jetzt um mein eigenes Glück zu werben. Ich sah mich nun ernstlich nach einem Engagement um, und nahm die Mutter mit mir fort nach X... Nach und nach aber, als der Schmerz über den herben Verlust durch die Zeit einigermaßen gelindert war, machte ich die Mutter mit meiner Liebe zu Sophie bekannt und mit meiner Absicht, in den nächsten Tagen um deren Hand

anzuhalten. Wohl schüttelte die Matrone abrathend mit dem Haupte und bezweifelte Sophien's Gegenliebe ich aber ließ mich dadurch nicht abhalten und schrieb vertrauensvoll der Geliebten.

Wenige Tage darauf erhielt ich auch Antwort zusagende Antwort, aber sie war vom Vater Sophiens geschrieben, in den schmeichelhaftesten Ausdrücken abgefaßt; von der Geliebten selbst lag keine Zeile dabei. Ein heftiges Kopfweh, entschuldigte der alte Kantor, habe sie am Schreiben verhindert. g

Wieder machte die Mutter eine bedenkliche Miene, ich aber eilte besorgt nach T... und fand die Aussage des Kantors be stätigt. Bleich und angegriffen trat Sophie mir entgegen, und meiner innigen Umarmung entzog sie sich mit trübem Lächeln. Nur einmal während meines kurzen Aufenthaltes in ihrem Hause sah ich die Farbe auf ihre Wangen kehren. Wir hatten einen Spaziergang in den nahen Lusthain unternommen und trafen auf dem Rückwege mit der Kunstreitergesellschaft zusammen, welche zur Zeit in T... ihre halsbrecherischen Künste zum Besten gab.

Bonislaw damals der Held des Tages grüßte und schaute meiner Braut scharf und bedeutungsvoll in's Gesicht. Eine glühende Röthe übergoß ihr Antlitz, und ich fühlte, wie ihre Hand auf meinem Arme zitterte. Da ich aber den kecken Burschen zurechtweisen wollte, bat sie:Laß gut sein, und ihrer sanften Bitte gab ich nach. O, wie ist mir noch jede Kleinigkeit aus jenen fünf kurzen Tagen des Glückes gegenwärtig! Noch heute sehe ich ihr zartes, bleiches Antlitz vor mir, fühle die leise Abwehr meiner Liebkosungen, die ich einer mädchenhaften Scheu zuschrieb, sehe den bangen, klagenden Ausdruck ihrer schönen Augen! Manches Absonderliche in ihrem Benehmen, wovon ich die Ursache in ihrer Unpäßlichkeit suchen zu müssen glaubte, sah ich später in ganz anderem, nur zu grellem Lichte.

Mit Sophien's Vater verabredete ich den Tag unserer Trauung. Der Kränklichkeit meiner Mutter wegen waren wir übereingekommen, dieselbe in Stille und Einfachheit zu X... zu feiern, da die Reise nach der ehemaligen Heimath und die mancherlei Erinnerungen, die hier auf die Matrone einstürmen würden, ihre ohnedies schwache Gesundheit leicht gefährden konnten.

Ungeduldig und sehnsüchtig harrte ich des Tages meiner Trauung. Fühlte ich mich doch erst vollständig sicher im Besitz Sophiens, nach dem sie mir am Altar mit leiser, bebender Stimme das Jawort gegeben hatte, und ich sie nun in meine Häuslichkeit als Weib und Gebieterin einführen konnte. Hatte ich doch damals noch keine Ahnung von der Unbeständigkeit alles irdischen Glückes.

(Schluß folgt.)

Lose Blätter.

Zwei Afrikareisende.(Siehe Illustrationen.] Der schwarze Welttheil verschlingt viele unserer begabtesten und kühnsten Männer. Mitte November wurde in Kismaju, nahe der Jubamündung, Dr. Karl Ludwig Jühlke ermordet, nachdem kurz zuvor sein Begleiter Lieutenant Güntter verunglückt war. Dr. Jühlte hatte, wie aus seinem letzten Bericht hervorgeht, die Absicht, nach dem Juba zu gehen und dort eine Niederlassung zu gründen. Der Wali von Kismahu aber erklärte ihm, daß er das 1 werde. Der deutsche Reisende unterschätzte die Gefahr, in welcher er sich befand und trotzte den Somalis, in dem Glauben, daß die Autorität des Sultans von Sansibar ausreichen werde, ihn zu schützen. Er fiel als ein Opfer seiner Kühnheit. Said Bargaschs Ansehen reicht nicht aus, um irgend einen Europäer an der Somaliküste zu schützen. Dr. Fühlke war am 6. Sept. 1856 u Eldena bei Greifswald geboren, wo sein Vater damals die landwirth schaftliche Anstalt leitete. Ns der Letztere dann Gartendirektor zu Potsdam wurde, besuchte der junge Jühlke das Gymnasium dieser Stadt, später die Universitäten von Tübingen, Leipzig, Heidelberg und Berlin und bestand in der Reichshauptstadt seine Prüfung als Referendar im Jahre 1881. Im April 1884 betheiligte er sich an der Gründung der Gesellschaft für Koloni sation und ging im September desselben Jahres mit der ersten Expedition nach Ostafrika. In den kaiserlichen Schutzgebieten wurde Dr. Jühlke mit der Ausübung der Gerichtsbarkeit betraut. Um denerworbenen Gebieten auch Hafenplätze zu sichern, hißten die Gebrüder Denhardt im Witulande die deutsche Flagge auf und Dr. Jühlke wollte sich des Küstenstrichs zwischen Tana und Jub bemächtigen, welchen er alsherrenloses Land ansah. Diese Erwerbung kostete ihn das Leben. Die Bewohner der Somaliküste sind um ihrer Hinterlist und Leidenschaft willen gefürchtet. Dem Sultan von Sansibar, welcher seit 1870 Garnisonen an vier Küstenplätzen unterhält, ist es bis heute noch nicht gelungen, diese wilden fanatischen Stämme im Zaum zu halten, Europäer werden schwerlich dauernd an dieser Küste festen Fuß zu fassen vermögen.

Dr. W. Junker, unser zweiter Afrikareisende, ist während einer sieben⸗ jährigen Reise von so vielen Gefahren bedroht gewesen, daß seine Rückkehr nach Sansibar fast wie ein Wunder erscheint. Dr. Junker, welcher von deutschen, in Rußland lebenden Eltern abstammt, trat Anfang Dezember 1879 J

e