. 7
ten zen
sie
end ten fig ing
ze von ung
ute
10 bon
nd⸗
von
die ener
chen he tum ohl⸗ nicht
nen,
hen,
ron, was reife daß die heit igt,
be
uns-
83 D-
Erich kannte aber die treffliche Dame nicht und sah mit Aerger und stillem Grimm, wie sie immer wieder versuchte, ihm Erna zu entziehen. Er wußte selbst nicht, wie es denn zuletzt sich machte, daß die ganze Gesellschaft, unmittelbar vor dem Aufbruch, auf eine bauliche Veränderung zu sprechen kam, welche auf dem Sonnenstein vorgenommen worden war.
Herr Calander äußerte seine Unzufriedenheit; der Baumeister habe sich einer Ueberladung schuldig gemacht, die er geschmacklos nannte, das Ehepaar Rochlitz und Tante Louise widersprachen,— Erna stimmte dem Vater zu, indem sie sagte:
„Ich finde auch, diese Art paßt nicht für unser Haus,— an sich ist der Saal so schön und herrlich wie möglich, aber wo Alles nach Papa's Geschmack in ruhiger schlichter Einfachheit—“
Tante Louise unterbrach mit einer sonderbaren Hast das junge Mädchen, indem sie sehr anzüglich sagte:
„Nun, so mag der Saal als Ausgleich dienen; Du weißt, daß die Naivetät des Protzenthums von manchen Leuten für erträglicher gehalten wird, als die Raffinirtheit einer affektirten Bescheidenheit.“
Was sollte dies taktlose Gerede? Was der eigenthümliche Ton? Was bedeuteten die erschrockenen Blicke in Aller Augen?
Calander wurde dunkelroth, und Erna blaß bis auf die Lippen.
Erich sah von Einem zum Andern.
Die Worte waren wie ein schriller Mißton in das fröhliche Beisammensein gefallen. Da— Herr Gott—? Das hatte er ja selbst gesagt! Wort für Wort hatte er selbst gesprochen! Im Nu stand ihm jene Szene wieder vor Augen.— Froysberg, dessen Freunde, die eifrige Gier in Aller Augen, als sie von der Millionärs⸗ tochter sprachen,— ihn neckten— und er— in seiner frischen Wuth über Erna's Behandlung, er selbst hatte diese malitiöse Bemerkung gemacht. 5
Jetzt war er auch blaß geworden.
Baron Rochlitz brach dies peinliche Schweigen nun noch oben— drein in ziemlich brüsker Weise, indem er rief:„Zum Kuckuck mit diesen Klatschgeschichten!— Kommen Sie, Calander, ich muß Ihnen erst noch meinen neuen Hühnerhund zeigen.“
Erich wagte kaum Erna anzusehn und fühlte genau, ihm stand das Schuldbewußtsein auf der Stirn. O, wie er dieses Frauen⸗ zimmer haßte, die alte Jungfer, die sich statt auf die unschädliche Sentimentalität auf die starkgeistige Philosophin spielte und so er⸗ bärmlich kleinlich und tückisch war. In seiner Wuth fragte er so boshaftt wie möglich:„Fräulein Meister liebt Klatschgeschichten?“
„Nein, ich liebe sie nicht, aber sie sind mitunter zur Charakteristik unserer Bekannten höchst nützlich!“ gab sie scharf und mit feindseligem Blicke zurück.—
„Gestatten Sie mir die Bemerkung, daß diese Manier, Charakter⸗ studien zu treiben, weder korrekt noch zutreffend ist.“
„Im Gegentheil,— sie berichtigt das persönliche Urtheil oder ergänzt dasselbe.“
Frau von Rochlitz stand peinlich erregt während dieses Wort— gefechts und knüpfte Erna's Schleier fester, denn der Thau fiel stark.
Sie sah, wie das junge Mädchen zitterte und wie erregt und unglücklich der Blick der braunen Augen war.
„Ich trete auf Herrn von Willwarth's Seite, Tante Luise,“ sagte sie.„Klatsch bleibt Klatsch!— Schlechte Mittel und krumme Wege heiligt kein guter Zweck. Unsere liebe Erna wird hoffentlich mir zustimmen; in der Beurtheilung von Menschen soll man sich auf das eigne Herz und das eigene Urtheil verlassen.
„Und gründlich reinfallen!“ rief wüthend Tante Louise. Ihr Zorn war, trotz seiner Aufrichtigkeit, im Verein mit dem Ausdruck, den sie demselben gab, in der That komisch.
Erna Calander lachte plötzlich hell auf— und dies glückliche, befreiende Lachen, in welches Frau von Rochlitz einstimmte, ließ auch Erich aufathmen und nicht ohne eine gewisse triumphirende Bosheit mitlachen.
Dann hatte er in unbewußtem Impuls rasch die Hand des jungen Mädchens ergriffen und seine Lippen darauf gedrückt.
„Der Dank gebührte eigentlich mir, Baron!“ sagte Frau von Rochlitz leise. f
Tante Louise hatte sich erbos't abgewandt.
Erich kümmerte sich nicht um sie;— er fühlte, daß er sie haßte, aber jetzt war keine Zeit für den Haß, sondern nur für die Liebe. O, wie er Erna liebte, die so scheu und doch so kindlich gläubig ihn anblickte.
Ein Diener kam und meldete, der Wagen sei vorgefahren, Herr Calander warte.
So mußte man denn scheiden und—
„Grade jetzt. O, Fräulein Erna, folgen Sie in Ihrem Urtheil dem eigenen Empfinden!“ bat Erich im Gehen leise.— Wie gern hätte er einige weniger gemessene Ausdrücke über„diese boshafte, alte Katze“ hinzugefügt, aber sie war Ernas„Tante“ und Erna hing an ihr.—
So trennten sie sich. Worte und Blicke wagten sie nicht mehr, ihre Herzen waren so voll von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Liebe und Sehnsucht, daß sie Beide instinktiv fühlten, sie mußten schweigen oder Alles sagen.—
Erich ritt gleich nach dem Abfahren des Wagens auch nach Haus. Es litt ihn nicht mehr unter Menschen, selbst wenn sie so lieb und freundschaftlich waren, wie die Rochlitz.— In ihm war plötzlich ein wilder Tumult von Leidenschaft und Furcht.
Er liebte Erna. Ein feindseliger, nicht zu unterschätzender Einfluß machte sich gegen ihn geltend und nun sollte er verreisen, monatelang fortgehn?
Würde Erna jenen Einflüsterungen widerstehn? O, gewiß, wenn sie ihn liebte! Aber— liebte sie ihn denn? Sein Herz jauchzte: Ja!— und er beschloß gleich andern Tages nach dem Sonnenstein zu fahren, um das entscheidende Wort zu sprechen. Dann mochte reisen, wer Lust hatte, er ging nicht mit.
Calander und Erna wußten, ihm blieb nur noch dieser eine Tag, sie erwarteten also sicher morgen seinen Besuch— er hatte denselben ja sozusagen angemeldet.—
Nach und nach wich indeß der Jubel seines Herzens einer weniger zuversichtlichen Stimmung und die Nacht hindurch quälte er sich schlaflos mit allen Zweifeln und aller Bangigkeit, die einem Liebenden vor der Entscheidung das Leben zur Qual machen.—
Als er dann am nächsten Tage in unruhevoller Herzensnoth über den See fuhr und an dem Thürmchen landete, war es ihm eine bittere Enttäuschung, Erna nicht hier zu treffen, und wie er sich auch einen Thoren schalt,— es war ihm, als sei dies ein böses Omen für seine Wünsche.
Er schritt durch den Park, der vollkommen dem glänzenden Rufe, den er besaß, entsprach.
Ueberall hoffte er Erna zu erblicken, er horchte, ob er nicht ihre Stimme höre und rang mit seiner Aufregung und Unruhe, denn er wollte sich durchaus von seiner besten Seite zeigen.
Endlich lag das Schloß hoch und stolz vor ihm.
Sein Herz zog sich krampfhaft zusammen, denn auf dem freien Platze vor demselben arbeiteten mehrere Gärtner eifrig daran, einen riesenhaften Blumenkorb, welcher die Mitte desselben einnahm, mit frischen Blumen und Gewächsen zu füllen.
Das geschah nicht in Anwesenheit der Herrschaft, zu solchen Arbeiten wählte man die gelegeneren Stunden einer Ausfahrt.
Wie er geahnt, so war es, die Herrschaften seien schon Morgens in die Stadt gefahren, berichtete ihm einer der Gärtner und be⸗ stätigte ein höflich herankommder Diener.
„Ist irgend eine unerwartete Nachricht—?“
Er hielt mitten in der unwillkürlichen Frage inne, die wie ein Aufschrei aus seinem Herzen empordrang.
„Nein,— davon ist mir wenigstens nichts bekannt geworden, gnädiger Herr!“ war des Dieners Antwort.
Erich gab mit zitternder Hast seine Karte ab. Er hätte es am liebsten nicht gethan, aber sollte er dem Menschen, der sich auf die Sitten der Gesellschaͤft gut genug verstand, zu denken geben mit einer solchen Verleugnung der üblichen Form? Sollte er zeigen, daß er gekränkt war?
Er ging denselben Weg, den er gekommen, wieder zurück.
„Das ist Absicht, das ist Absicht! Du hast gestern errathen lassen, wie dir ums Herz war, man refüsirt dich in der mildesten Weise.— O, man hat Uebung darin. Und diese Tante Luise haßt dich! Sie hat wohl einen andern Schützling! Mitten in die harmlose Freude gestern schleuderte sie ihren Giftpfeil!“
Das waren seine Gedanken, während er strack und stramm dahin schritt und vor sich selbst und den Bäumen die Komödie der ver— gnüglichen Unbekümmertheit spielte.
Erst als er wieder in seinem Boot saß und allein war und ungesehen, mitten auf dem See,— erst da schlug er die Hände vor das Gesicht und stöhnte laut. 8


