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Dazwischen kamen ihm dann auch wieder zornige Aufwallungen gegen Erna; er konnte ihr jenen Blick nicht vergessen und dabei fühlte er mehr als je, daß er nicht fort dürfe, ohne ein gutes Wort gesprochen zu haben. So ist der Mensch aus Widersprüchen zu— sammengesetzt! Und Erich merkte seinen Zustand nicht einmal, sondern redete sich jetzt ein, er thue dies Alles nur um des lieben Friedens willen.
Ach, er konnte ihr doch nicht sagen, daß er in seiner damaligen Stimmung sich selbst nicht gekannt, daß er sie dennoch lieb gewonnen, daß— daß—!
Aber was machte sich Erna Calander aus ihm?
Unter solchen Gedanken ritt er auf den Gutshof des Barons von Rochlitz und das Erste, was seine Augen erblickten, war die Equipage Calanders.
Der Kutscher sprang herbei, da eben ein anderer Diener nicht zur Stelle war. Erich erkannte den Fritz. Der junge Mann lachte über das ganze Gesicht.
„Ja, gnädiger Herr, ich bin Kutscher geworden und die Kathrin und ich vergessen es lebenslang nicht, wie gut Sie gegen uns ge⸗ wesen sind!“ erwiderte er auf ein freundliches Wort Erichs und dies Wort klang fast herzlich, so sehr freute Erich sich, daß er Calanders hier traf.
„Ist Herr Calander allein hier?“ fragte Erich im Flur, während Fritz ihm eifrig half, sich seiner Reitgamaschen zu entledigen.
„Das gnädige Fräulein und Fräulein Meister auch, gnädiger Herr,“ erwiderte Fritz, und ein schlaues Lächeln huschte über sein Gesicht, denn Kathrin hatte ihm anvertraut, ihr Fräulein habe sie so viel ausgefragt nach dem Herrn Baron von Willwarth und habe so hübsch gelächelt und so roth ausgesehen, als sie den gnädigen Herrn so recht von Herzen gelobt.
„Wer ist Fräulein Meister?“ fragte Erich.
„Das ist unsere Tante, gnädiger Herr, die regiert das ganze Haus, denn was die Mutter vom gnädigen Fräulein war, die ist todt und verwandt ist sie eigentlich gar nicht, aber das geht immer: fragt Tante Luise! Sagt es Fräulein Meister.“
„So, so!“ murmelte Erich, den Redefluß des Dieners kurz ab— brechend. Dann ging er hinein.
Sonderbar! Er hörte sie im Salon alle lebhaft durcheinander reden und als dann die Anmeldung verlautete, entstand mit einem Male wieder eine tiefe Stille. In diese Stille hinein klang eine scharfe Frauenstimme:„Wenn man den Wolf nennt—“
„Pst! Pst!“ hieß es dann.
Er hörte Alles.— Man hatte also von ihm geredet.
Ehe er sich recht darüber klar wurde, erschien der Baron von Rochlitz aber schon in der Stubenthür und rief ihm in seiner jovialen Weise, wenn auch mit etwas verlegenen Mienen entgegen:„Gerade halten wir hier ein kleines Scherbengericht über Sie, lieber Willwarth! Nur herein, nur herein! Was ist das für eine Manier, daß Sie Haus und Hof gleich allein lassen und für Gott weiß wie lange verreisen wollen?“
Damit hatte er Erich in den Gartensaal geführt, wo dieser außer der Frau von Rochlitz nur die Calanders traf.
„Sie verdienen ernstliche Strafe, Herr Nachbar, daß Sie Ihrer Pflichten gegen den lieben Nächsten so wenig eingedenk sind! Meinen Sie, daß wir darum den Winter hier einsam sitzen, damit unsere Nachbarn uns im Sommer auch allein lassen? Da nehmen Sie ein Beispiel an den Sonnensteiner Herrschaften.“
So rief ihm die Frau vom Hause freundlich entgegen und reichte ibm die Hand, indem sie ihn mit ihrem guten, herzgewinnenden Lächeln vor Herrn Calander führte.„Sehen Sie, das sind treue, gute Nachbarn und die soll man nach Gottes Gebot hochhalten. So wollen wir Ihnen sein und so sollen Sie auch uns leisten, was Recht und Pflicht ist!“
„Das will ich mit tausend Freuden, gnädige Frau! Da muß ich aber Herrn Calander gleich von vornherein sehr um Verzeihung bitten, daß ich mich auf dem Sonnenstein noch nicht vorstellte.— Ein Zusammentreffen der widrigsten Umstände— ich bitte mir zu glauben, daß ich es herzlich bedauere!“
Das Herz war Erich Willwarth aufgegangen bei dem liebens— würdigen Empfang und dem, wie er sehr wohl fühlte, so zarten, wie absichtlichen Hinweis auf die Nachbarpflichten.
Er erröthete— nie hatte er besser ausgesehen, als in dieser bescheidenen, bittenden Haltung. Herr Calander schüttelte ihm ver— söhnt die Hand. Erna war roth wie eine Rose und lächelte ihm zu.
Mit einem Schlage fühlte Erich sich erleichtert, frei, glücklich, und in wenigen Minuten saß er im vergnügten Geplauder bei den Damen.
Was verschlug es ihm, daß das Fräulein Meister,„unsere Tante“ wie Fritz sie genannt, mit forschenden Blicken bis auf den Grund seiner Seele zu dringen suchte, was kümmerte ihn ihr Widerspruch, ihre sentenzenreiche kaltherzige Philosophie, er schwamm in einem Meer von Glück und Wonne, denn eben durfte er Erna unter Scherz und Lachen sein sonderbares Benehmen neulich auf dem See erklären und die Art, wie er es that, ließ ihre Wangen noch heißer erglühen, ohne daß sie den mindesten Grund hatte, ihm zu zürnen.
Herr Calander gab sich in seiner ruhigen, sichern Weise.— Erich begriff sich selbst nicht, wie er gegen diesen Mann so thöricht und unfreundlich hatte sein können und fast demüthigte ihn Calanders gleichmäßige ruhige Freundlichkeit jetzt mehr, als es ein Vorwurf in Wort oder Miene gethan haben würde.
Man besprach seine Reisepläne. Er gab mit großer Offenheit seine Gründe dafür und ließ es gern gelten, daß er seinen Schwestern eine Freude damit zu machen wünschte.— Dabei konnte er Erna auch erzählen, wie sehr Emmy sich gewundert, daß dieselbe nichts gethan, sie in der ersten Trauerzeit zu sehen.
Erna lachte wie er, und behauptete, das sei seine Schuld, während er sich als den Mißhandelten darstellte. So streiften sie fortwährend den geheimen Grund ihres nun so plötzlich beigelegten Streites, ohne denselben direkt zu berühren und dies neckende Scherzen über ein Weh, welches Beide tief gefühlt, machte sie jetzt, nun es vorüber war, um so glückseliger.
Erich dachte nicht daran wieder aufzubrechen.— Der ganze lange Sommerabend verging ihm in einem wahren Rausch von Glück und wie ein Falter um das Licht flatterte seine Unterhaltung um die geheimsten Gedanken und Wünsche seines Herzens, ohne sie direkt zu berühren.
Mit geheimem Erstaunen sahen die Uebrigen eine so auffallend plötzliche und unverkennbare Sympathie sich entwickeln. Sie konnten nicht wissen, wie lange diese beiden jungen Herzen schon sehnsüchtig einander zugestrebt und wenn ein Mitglied des Kreises eine Ahnung davon hatte, so war es Tante Luise, welche von Minute zu Minute unruhiger aussah und vergeblich warnende Blicke auf ihren Zögling warf, oder denselben auf alle mögliche Weise abzuziehen suchte von dem eifrigen Geplauder mit dem glückstrahlenden Willwarth.
Man nahm im Garten unter großen uralten Eichen das Abend⸗ brod ein.—
Der Blick über den See war wunderschön heute; drüben am andern Ufer lugte aus dichtem Gezweig das graue Schieferdach von Schloß Froysberg.
Eine treffliche Pfirsichbowle schmeckte auch den Damen, die Stimmung belebte sich mehr und mehr, und freier und ungezwungener glitt die Unterhaltung von einem Gegenstand auf den andern.
Es war ganz natürlich, daß man auch auf den unglücklichen Froysberg kam. Die Art, wie Erich über ihn und die Katastrophe redete, war so offen und rückhaltlos, daß er nicht begriff, warum sich die Blicke der Andern so eigenthümlich zustimmend und wohl⸗ gefällig kreuzten. In der nächsten Minute dachte er schon nicht mehr daran, er hatte Besseres zu thun, und ließ sich nicht träumen, daß eben jetzt, wo man sich erhob, eine kleine Promenade zu machen, Tante Louise Herrn von Rochlitz zuflüsterte:„Aber bester Baron, das ist ja das richtige Sturmlaufen! Und Sie mögen sagen, was Sie wollen,— man sieht in keines Menschen Herz. Ich begreife Erna nicht.— Ich bin empört!— Wissen Sie denn nicht, daß man erzählt, das Froysbergsche Vermögen würde kaum reichen, die Schulden dieses Eroberers zu decken? Die ganze Majorateherrlichkeit kommt unter Sequester, wenn es dem jungen Herrn nicht gelingt, eine reiche Erbin—“
„Aber meine liebe, gute Tante Louise,“ lachte Herr Rochlitz be⸗ lustigt,„sollte es dem armen Willwarth denn nur um die Erbin zu thun sein? Sehen Sie doch nicht überall in jedem ledigen Manns⸗ bild einen Mammonsknuecht, einen Geldwolf! Sie beleidigen ja unausgesetzt mit Ihren„wohlgeprüften Lebensansichten“ die ganze Menschheit!“
Der Baron kannte Tante Louise und ihre großen Tugenden und Verdienste, darum lachte er über ihre„Schrullen“ und neckte sie während des ganzen Spaziergangs über ihre skeptische Recht- haberei.
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