Ausgabe 
13.3.1887
 
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Oberhessischen UMachrichten.

Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.

Gießen, den 13. März.

Im Pfarrhof, bei Erichs Freunden, war man eine Woche später in großer Aufregung.

Der Doktor hatte seinem Schwiegervater einen langen Brief ge⸗ schrieben, dessen wesentlicher Inhalt dahin lautete: man habe ihn verschiedentlich in den Häusern seiner Patienten gefragt, ob nicht er selbst oder seine Frau daheim sei in der Nähe von Froysberg, wo dieser vielbesprochene Todesfall des Besitzers vorgekommen? Die Art, wie man die Thatsache auffasse, daß die Katastrophe ohne Zeugen gewesen, setzte der Doktor dann hinzu, sei empörend für jeden redlichen Mann, er habe anfangs geglaubt, nur der Sensationssucht Einzelner zu begegnen, gestern Abend sei er aber im Café Bauer zufällig an⸗ wesend gewesen, als man alle Details dieser Katastrophe, sowie auch Aeußerungen von Verwandten Willwarths nebeneinander gestellt und die Möglichkeit, ja Nothwendigkeit einer erneuten Untersuchung be⸗ sprochen habe.

Er halte es für seine Pflicht, dies mitzutheilen, da der Pastor als alter Freund Willwarths am besten erkennen würde, ob die Pflicht vorliege, denselben zu benachrichtigen. Nun saßen Eltern und Töchter in aufgeregier Berathung zusammen.

Was sollte man thun? Was konnte Erich thun, um einem der⸗ artigen schändlichen Gerüchte entgegenzutreten? Und war es nicht viel richtiger, ihn arglos zu lassen?

Das Letztere beschlossen sie zuletzt denn auch und als einige Tage später Erich mit seinen beiden Schwestern an der Pfarre vorfuhr, da war es die kleine Doktorin, welche aus eigenster Initative Emmy anrieth, diese Zeit einer doch im Grunde nur konventionellen Trauer zu einer größeren Reise zu benutzen.

Emmy war Feuer und Flamme für dieseglückliche Idee und wie Erich von jeher dem Einfluß seiner Jugendfreundin mehr als jedem andern zugänglich gewesen, so fand er nach einigen matten Einwänden sehr bald Geschmack an dem lebhaft besprochenen Plan. Ihm war es heute ganz recht, sich zu zerstreuen und fortzukommen. Die kleine Frau aber triumphirte am Abend, als sie mit den Eltern wieder allein war. Jetzt wird man sich müde reden, die Freunde erfahren nichts davon und Erich kommt zum Herbste mit gesunden Nerven heim. Es war auffällig, wie schnell und bereitwillig auch der General und seine Gattin auf den Plan eingingen. Dem alten Herrn kam eine Entfernung jetzt in der That auch gelegen, denn dies ewige Fragen seiner Bekannten, dies Erzählen immer von Neuem widerte ihn an. Die Damen fuhren zur Stadt, um das Nöthige betreffs einer längeren Abwesenheit zu besorgen; er selbst machte sich in aller Eile reisefertig.

Theo und Diringer mietheten zum Herbst eine reizende Wohnung und versüßten den Schmerz der zeitweiligen Trennung mit der Hoffnung auf die Häuslichkeit, die ihnen nach den erlittenen Sorgen jetzt mehr

Erna.

Novelle von L. Haidheim. (Fortsetzung.)

als je ein Hafen des Glückes schien und unterdeß ritt Erich mit seinem Verwalter nach den fernen Vorwerken, besprach mit dem Förster allerlei Nothwendiges, und hatte plötzlich alle Hände voll zu thun, ohne daß der Verwalter ihm jemals eine eigne Entscheidung erließ.

Fast bedauerte er zuletzt, gehn zu sollen. Die Besitzesfreude war ihm langsam, aber nun doch fast übermächtig gekommen. Wenn er dann jedoch der schlaflosen Stunden gedachte, die ihm Nachts Erna Calanders Bild vorzauberten und der heißen Sehnsucht nach ihr, die ihm keine Ruhe ließ, dann sagte er sich:Ich muß fort ich will diesen tollen Gedanken los werden, ich will nicht der Sklave einer Phantasie sein, die nicht den geringsten realen Grund hat.

Und um sich zu bekräftigen, daß er Erna Calander durchaus nicht liebe, sondern daß eben nur ein närrischer Zauber ihn peinige, erzählte er sich unermüdlich immer wieder, daß er die Millionärs⸗ tochter unter keinen Umständen heirathen würde, nachdem das Mädchen ihm gezeigt, daß es eine Seele voll Mißtrauen und Argwohn habe. Er aber wollte ein Weib sein nennen, in dessen Seele sich nur der Himmel spiegelte und das weder an Niedrigkeit noch an das Böse glaubte, weil es Beide nicht kannte. O, nein! eine Erna Calander, welche in jedem Manne, der sich ihr näherte, einen geldgierigen Ehrlosen sah, nein! Mochte sie heirathen, wen sie wollte. Er ging fort, er würde sie vergessen und vielleicht, wenn er zurückkam, hatte sie schon ihre Hand vergeben und dann war ja Alles gut.

Vor der Abreise wollte Erich von Willwarth sich bei seinen nächsten Nachbarn, den Herren von Rochlitz, von Sathen und Werninghaus empfehlen. Besonders der Erstere hatte sich zu ihm in der letzten Zeit mehr und mehr freundnachbarlich gestellt.

Zunächst suchte er Herrn Werninghaus auf; der reiche Fabrik herr war verreist. Bei den Sathen's traf er verschiedene Gäste, lauter Verwandte der Familie, und als er sich nach einer halben Stunde tödtlich langweilig dahin schleichender Konversation wieder empfahl, nahm er den Eindruck mit sich fort, daß er gestört habe und daß man sich dort inmitten einer erregten Unterhaltung befunden, die jedes Mitglied des Kreises ungern abgebrochen sah, mit Ausnahme des Hausherrn, der ihn so liebenswürdig wie immer empfangen.

Von da ritt er die kurze Strecke weiter am südlichen Ufer des Sees entlang zu den Rochlitz. Wie peinlich war es ihm jetzt, daß er den Calander's so schroff entgegengetreten.Unfrieden mit den Nachbarn ist ein Dorn im Fleisch, hatte sein Onkel ihm noch vor wenigen Tagen gesagt und ihm gerathen, auf irgend eine schickliche Weise einzulenken.

Was Du rücksichtslos gegen Froysbergs Nachbar Dir erlaubtest, das kannst Du gegen den eignen schwer ungeschehen machen! sagte sich Erich seitdem und grübelte unaufhörlich über einen Vorwand, sich auf dem Sonnenstein noch vor seiner Abreise einzuführen.