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Die großen dunklen Augen der Leidenden öffneten sich erstaunt,— hefteten sich auf den Fremden, dessen Antlitz von tiefer Bewegung wie durchleuchtet war,— und plötzlich kam Leben in ihr bleiches, starres Antlitz. 0
„Maria! Ist es denn wahr?“
„Wahr, Mama! Und ich habe ihn so lieb! O, Mama, liebste Mama, ich bin so glückselig, so dankbar dem Himmel!“
„Ich sehe, er hat Dich sehr lieb! Sie sind gut“— wandte sie sich an Totzenbach,„ich werde Sie lieb haben können—! Mein Gott und Herr, so wäre also doch noch Glück für uns möglich?“
Ihre Stimme hatte plötzlich einen ganz andern Klang.
„So wahr mir Gott helfe, ich will dazu thun, was in meinen Kräften steht! Segnen Sie uns, liebe Mutter!“ sagte feier⸗ lich Totzenbach.—
Eine halbe Stunde später fuhr der Doktor auf den Hof. Maria und Totzenbach saßen aglück⸗ strahlend allein im Thee⸗ zimmer.
Der alte Arzt sagte nichts Beunruhigendes, als er den Baron ge⸗ sehen, nur dem Pächter des Gutes flüsterte er im Wegfahren zu:„Leichter Anfall— Lähmung der rechten Seite— wird sich wohl dies Mal erholen — kann noch ein paar Jahre leben— aber—.“ Und die Achseln zuckend, gab er seinem Pferde die
Peitsche.
Zwei Jahrespäter war in Eyhrstein ein eifriges Hin- und Herrennen der Dienerschaft. Das kleine hübsche Schlößchen lag im goldenen Morgensonnen— strahl, renovirt und neu eingerichtet, die Thüren bekrän zt, der Hof mit Maien bepflanzt da, und erwartunge voll harten alle Bewohner der Mit⸗ tagsstunde entgegen, wel⸗ che den neuen jungen Be⸗ sitzer, Onno Baron Hoog⸗ lander, mit seiner jungen Frau von einer mehr⸗ monatlichen Hochzeitsreise zurückbringen sollte.
Ein gewisses rosen⸗ farbenes Boudoir war für die reizende junge Frau besonders schön ausgeschmückt worden, und
Eine Bescheerung. Nach dem Original-Gemälde von Karl Reichert.
die es in liebender Fürsorge gethan, Maria, Baronin von Totzen⸗ bach, beschäftigte sich eben damit, freudig lächelnd dem Gärtner einen
Korb vell Rosen abzunehmen, um ihn auf den Tisch in der Mitle des Zimmers zu stellen.
Nicht weit von ihr im Sessel sitzt Baronin Valerie, noch immer in Trauer gehüllt, denn der Baron ist vor achtzehn Monaten sanft und schmerzlos entschlafen.
In dem Antlitz der sonst so liebreizenden Frau liegt deutlich die Spur schwerer Lebenskämpfe, in welchen sie fast unterlegen, aber über dieselben glänzt jetzt ein unbeschreiblich inniges, glückseliges Lächeln, welches dem Knaben ihrer Maria galt, der auf dem Schooße der Groß— mutter begehrlich nach den Blumen in der Hand seiner Mama strebt.
Und nun ist Alles fertig für Helo's Empfang. Mutter und Tochter überblicken freudig das wohlgelungene Werk; da tritt auch der Baron von Totzenbach ein und lobt lächelnd das rosenfarbene Nestchen, von dem ihm einst Maria, als ihrer Mutter gehörend, erzählt hat.
Die Welt wird diese Baronin von Totzenbach nicht beklagen, das sagt ein einziger Blick in das von Liebe und Glück strahlende Antlitz ihres Gatten und das verkündet Jedem, der es hören will, die alte Baronin Lautenberg, die sich als die Stifterin dieser guten Partie ansieht.
Sie sind Alle herübergekommen, Onno und Helo in ihrer nun⸗ mehrigen Heimath zu be⸗ grüßen. Auch Graf Bolko gesellt sich zu ihnen. Sein Lieblingskind soll nicht ohne ihn diesen Einzug begehen, und es betrübt Keinen in diesem kleinen Kreise sonderlich, daß die Gräfin nicht mit ihm kam, weil sie Elma, der jetzigen Gräfin Arco-Lornow, Ge— sellschaft leisten mußte, da deren Gemahl nach Petere⸗ burg versetzt war, wohin Elma ihm demnächst erst folgen konnte.
Die Lieutenantsehe ihrer Helo war der Gräfin Isenreut immer ärgerlich und blieb es, auch als Ehrstein Onno gericht⸗ lich wieder zugesprochen wurde.
Tante Lätitia ist ge⸗ storben. Der Einzige, der sie ehrlich betrauerte, war Onno, mit dem sie sich, mürbe gemacht durch ihre Leiden, zuletzt ver⸗ söhnte.
Aber horch! Da fällt ein Schuß. Wieder einer! und noch einer!
Es ist die Begrüßung des jungen Ehepaares. Eine Viertelstunde später liegt Helo, blühend wie eine Rose, in Maria's Armen und flüstert glück— selig:
„O, Maria, wie hattest Du Recht, als Du sagtest, ich könne noch glücklicher werden wie als Braut. Ich bin es jetzt.“
Onno von Hoog— lander hat die Uniforar mit dem Beruf des Land— edelmannes vertauscht und ist ganz der Mann, die Irrthümer und Fehler seines Vaters energisch wieder gut zu machen.
Gegensätze.
Endlich hatte ich die Mauern der Stadt hinter mir, hatte mich meinen Kollegen empfohlen und hatte von unserem hochangesehenen Kapellmeister, der sich nur um die hervorragendsten Mitglieder der Kapelle zu kümmern pflegte, ein ungnädiges Kopfnicken auf meine wohlgesetzte Abschiedsrede erhalten. Er hatte dieses Mal nicht Un⸗ recht, unser königlicher Kapellmeister, mit seiner Unzufriedenheit der Kapelle gegenüber. Langandauernde Proben, das Einstudiren vieler
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