N 1 ö N 9 5 1 f . .
ö
.
r
220.
der römischen Herrscher(Triumvii), Mare Antonius, diesem ein Gastmahl, bei welchem der Fußboden einen Cubikus(65 cm) hoch mit Rosen bedeckt war, die ungefähr 3000 Mark unseres Geldes gekostet hatten, dieselbe Kleopatra, welche im Jahre 30 v. Chr. wegen der kriegerischen Niederlagen ihres Geliebten durch Ansetzen einer giftigen Schlange sich selbst tödtete. Nero, der wegen seiner Grausamkeit berüchtigte römische Kaiser(von 54— 68 n. Chr.), verbrauchte bei einem Gast⸗ mahle allein für Rosen, die aber von Asien herbeige⸗ schafft waren, an 4 Mill. Sesterzien oder ungefähr 600,000 Mk., und Helio— gabalus(auch Elagabal, eigentlich Bassianus ge— nannt), der von 218 n. Chr. wie wahnsinnig regierende römische Kaiser, entledigte sich seiner Feinde dadurch, daß er sie bei großen Fest⸗ essen unter Rosen ersticken ließ; er wurde i. J. 222 ermordet.— Auch in China, von wo viele der oben er— wähnten Rosenarten und Spielarten stammen, ist seit den ältesten Zeiten die Rose eine vielgeliebte Blume, und die in den kaiserlichen Gär⸗ ten gezogenen Rosen sind so zahlreich, daß die aus ihnen bereitete Essenz jährlich un⸗ gefähr 100,000 Mk. ein- trägt, obwohlnur die kaiser— liche Familie und die Man— darinen sich ihrer bedienen dürfen.
Soviel nur über die Be— deutung der Rose! Es ist auch nicht meine Absicht, mich weiter in die Geschichte des Rosenstocks und der Rose zu vertiefen, denn darüber sind schon ganze Bibliotheken geschrieben worden, und selbst für einen kurzen Auszug aus diesen würde der Raum unseres ge— schätzten Blattes nicht aus- reichen. Meine Absicht ist nur, der verehrten Leserin in kurzen Zügeneinige Rath— schläge zur Pflege ihrer Lieb— lingsblume zu ertheilen und ihr ein paar der neuesten Sorten im Bilde vorzu— führen.
Die neuesten Sorten! Woher kommen sie und wo— hin gehen sie? Der Deutsche braucht viele Jahre, ehe er einer in Form und Farbe„noch nicht dagewesenen“ Rose die Er— laubniß ertheilt, einen Namen zu führen und auf öffentlichem Markte zu erscheinen. Bisher hat auch der Name immer einen französischen oder englischen Klang haben und einen Helden oder Heldin dieser Länder verherrlichen müssen. Nur Rektor Drögemüller in Neu— haus a. d. Elbe, der berühmte deutsche Rosenzüchter, giebt seinen Rosen deutsche Namen, und dafür sei ihm die Anerkennung aller Rosenliebhaber gezollt. Ueber seine Rosen spreche ich ein andermal ausführlich, denn sie sind es werth.— Die Franzosen und Engländer bringen jährlich einige Dutzend neuer Rosen auf den Markt, die sie aus mehreren tausend Sämlingen ausgewählt haben und die oft ebenso schnell verschwinden als sie gekommen sind, weil sie alljähr⸗
Die namenlose Schöne.
Von Max Deegen II. in Köstritz.
lich von dem Allerneuesten, oft auch besseren verdrängt werden; nur wenige Sorten behalten Jahrzehnte hindurch und länger die Liebe
ihrer Verehrer, und wünsche ich von ganzem Herzen, daß den hier dar⸗ 0
gestellten drei Sorten dieses Glück für alle Zeiten gesichert sein moge. Die eine dieser drei Sorten,„die namenlose Schöne“,
ist eine weißblühende Rose aus der Sippe der Thee-Noisetten, ist namentlich für den Topf, also für Zimmer geeignet und blüht auch im Winter reich; ihr Geruch ist sehr angenehm; wegen ihrer langen Stiele scheint sie für jede Art von Blumenschmuck sehr ge— eignet. Diese Sorte ist von dem Handelsgärtner Herrn Max Deegen II. in Köstritz gezogen(aufgefunden?) und Herrn Gebr. Schultheis in Steinfurth bei Bad Nau⸗ heim in Hessen zum Verkauf übergeben worden. Ehe ich der verehrten Leserin die anderen zwei neuen Rosen vorstelle, möge sie mir erlauben, einige Worte zu sprechen über die Entstehung der Sorten, übet die Vermehrung und die Pflege der Rosen überhaupt. Im Allgemeinen theilt man die Arten und Spiel- arten des Rosenstockes in Land- undinEdelrosen. Ich erwähne von ersteren nur die Arten, welche im Garten einige Bedeutung haben, nämlich die weiße Rose(Alba L.), die Zen⸗ tifolie(Centisolia L.) mit schön gebauten und wohl—
maszener- oder Monats- Rose Damascena Mill.), welche gewöhnlich sehr reich blüht, die französische oder Essig⸗Rose(Gal- lica L.) mit gefüllten aber meist einzeln stehenden Blü⸗ then; der Strauch ist voll- ständig winterhart; die gelbe Rose(Lutea Mill.) mit dottergelben Blüthen, die aus den Gipfelknospen junger Zweige erscheinen, weshalb der Strauch erst nach dem Blühen beschnitten werden darf. Die Bisam., Moschus-, weiße oder Büschelrose(Moschata Ehrh.) blüht im Herbst sehr reich in großen Enddolden oder Rispen. Die Blumen riechen sehr gut; die vielblumige Rose(Multiflora Thb. oder Polyantha Hort.), eine reichblühende Kletterrose mit kleinen Blüthen, oft 20-30, auch 100 in einer Dolde; die Apfelrose(Villosa L.) mit eßbaren Früchten aus der Gipfelknospe der jungen Zweige(vergl. mit der„Gelben Rose,“ s. o.), die Hundsrose(Canina L.), gewöhnlich als„Unterlage“ für die Edelrosen benutzt; die indische Rose(Indica L.) mit immergrünen Blättern und zahlreichen Blumen in den verschiedensten Farben, u. a. m.
Die Edelrosen sind meist Spielarten entweder direkt von der indischen Rose oder solche, welche durch Kreuzungen dieser mit der Damaszener u. a. Rosen, auch aus anderen Arten, entstanden sind. Ich nenne von ihnen die indische Rose(Indica Lindl.), die
riechenden Blumen, die Da— 1


