Ausgabe 
9.1.1887
 
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Deo

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14.

wart, denn er versteht es meisterhaft, seine Frauengestalten durch die Farbe zu charakterisiren. Seine reiche Farbenskala wirkt wie die wohllautgesättigte Sprache eines Heine schen Gedichts und so muthen uns seine Frauengestalten an, als seien sie vom Zauber der Poesie umflossen. Mag man zuweilen Ausstellungen an Zeichnung und Modellirung zu machen haben, das reiche blühende Kolorit seiner Bilder wird auf jeden Beschauer eine große Wirkung üben. Seiner kräftigen Phantasie hat sich das Schönheitsideal erschlossen und Frauen⸗ schönheit übt in der plastischen Kunst dieselbe Wirkung aus wie Versöhnung in der Tragödie, sagte Hebbel. Sichels holde Frauen gestalten verbreiten stets eine märchenhafte Stimmung, sie erheben uns also über die gemeine Wirklichkeit und das ist die Mission eines echten Kunstwerks. R. E.

Ich und mein Nachbar Joddel. Frei nach dem Englischen von Jenny Piorkowska.

Von den kleinen Villen in der Ostvorstadt gehört mir Nummer Eins, Foddel Nummer Zwei. Es sind ganz hüͤbsche Häuser, aber ich gäbe sonst etwas darum, wenn mir Jemand den Miethskontrakt von Nummer Eins abnähme. Und daran ist Niemand anders schuld, als Betchen Betchen ist nämlich meine Frau Beate; die war ganz entzückt von dem kleinen Hause, weil da alles so hübsch bei sammen ist, wie sie meinte; und weil es wie sie sagte, so niedrig sei, daß man, falls einmal Feuer ausbräche, so leicht fort könnte; und darin das muß ich sagen hat sie recht; denn aus der Schlafstube konnte man ganz bequem zum Fenster hinaus springen.

Damals war Foddel noch nicht da, sonst wäre ich lieber sonst wohin gezogen, ehe ich diesen Miethskontrakt unterzeichnet hätte. Aber acht Tage nach mir kam Foddel und zog neben mir ein, so wurden wir Nachbarn.

Ohne mir schmeicheln zu wollen, darf ich wohl sagen, daß ich eigentlich ein ganz gutmüthiger Mensch bin, bei dem Namen Foddel steigt mir aber die Galle, und ich kann ihn nicht nennen, ohne irgend ein Beiwort hinzuzufügen und wäre es nur derverflixte Foddel.

Es kann sich aber auch kein Mensch eine Vorstellung davon machen, wie dieser Mann mein armes kleines Betchen und mich geärgert und schikanirt hat.

Gleich am ersten Abend, als er eingezogen war, schickte er seine Rieke und ließ sagen,ihr Herr lasse schön grüßen, aber er habe seine vorige Wohnung nur des vielen Mustzierens halber verlassen und ließe uns bitten, mit Singen und Pfeifen aufzuhören.

Das nur als ein Beispiel. Verging doch kein Tag, an dem dieser kleine, runde, unangenehme, kahlköpfige, alte Junggeselle oder seine zitronengelbe Schwester, die ihm die Wirthschaft führte, sich nicht über irgend etwas zu beklagen gehabt hätte!

Das allein wäre nun schon noch zu ertragen gewesen, aber der Aerger über die Wohnung selbst nahm auch nie ein Ende, etwas war immer in Unordnung. Da war der Klingeldraht gerissen, dann platzte das Rohr am Ausguß, dann blieb der Schwengel am Brunnen hängen, dieser Schwengel war mir überhaupt immer ein Dorn im Auge! Kurz, so regelmäßig wie die Uhr stellte sich täglich irgend etwas ein, worüber ich mich ärgern mußte, bis diese Unannehmlich keiten eines Tages ihren Höhepunkt erreichten, und dieses neue Aergerniß kostete mich baare hundert Mark und machte Nachbar Foddel auf ewig zu meinem geschworenen Feinde.

Ich war eben aus dem Bureau heimgekommen, hatte es mir bequem gemacht und labte mich bereits an dem Duft des Mittag essens, der aus der Küche heraufstieg. Betchen saß an ihrem Näh tisch und war fleißig. Alles war rosig und behaglich, als ich plötzlich schnupperte.

Dann schnupperte Betchen.

Riecht es nicht furchtbar brandig? bemerkte ich endlich.

Das ist wieder dem gräulichen alten Foddel sein Schornstein, der raucht, sagte Betchen;ach, Rebbchen,(ich heiße nämlich Robert;) ach, Rebbchen, laß uns doch ausehen, diese Foddels sind zu un angenehme Leute, s'ist kaum zu glauben, aber denke Dir, neulich, wie ich am Fenster saß, schnitt mir die alte Jungfer thatsächlich Gesichter. Herein! unterbrach se sich darauf selbst, als es an

die Stubenthüre klopfte. die Eintretende.

Nun, Christel, was giebt's? fragte sie

Ach, Madame, wenn Sie doch mal herunter kommen wollten!

Was ist denn geschehen, Christel?

Ich habe, wie Sie mir sagten, unten im Eßzimmer ein tüchtiges Feuer angemacht, und nun kracht und braust es so, daß ich mich ängstige.

Du wirst uns das Dach über den Köpfen angebrannt haben! rief ich heftig, die Zeitung auf den Tisch werfend.

Das meinte der Friedrich auch schon, gab sie zur Antwort.

Ich lief eilends im Schlafrock die Treppe hinab in das besagte Zimmer, und wirklich, zu meinem großen Schrecken krachte und loderte es ganz unheimlich, und riesengroße Rußflecken kamen durch die Esse heruntergeflogen. Wenn nicht eilends etwas gethan wurde, kam mir die Feuerwehr noch über den Hals, und wir konnten sechzig Mark zahlen, wenn uns nicht gar das Haus wegbrannte

Da würde aber der alte Foddel mit abbrennen, dachte ich und einen Moment durchzuckte eine teuflische Freude meine Brust. Aber von Natur gutmüthig, verscheuchte ich schnell wieder diesen schadenfrohen Gedanken, griff nach dem Salznäpfchen, schüttete dieses auf's Feuer, schickte unsere Christel in die Küche, daß sie die große Salzbüchse hole, und stürzte auch diese auf dem Feuer um.

Da das aber nichts zu helfen schien, rief ich unserer Christel zu, sie solle ein paar Eimer voll Wasser bringen, die trug ich mit ihr die Treppe hinauf, stieg eine kleine Leiter in die Höhe, öffnete die Bodenthüre, stieg aufs Dach und ließ mir die Eimer zureichen.

Das wird einen heillosen Schmutz geben, dachte ich, wie ich mir so den Ruß anguckte, der in dem langen engen Schlot herum tanzte; denn die Esse war eben so klein und eng wie alles in diesem Hause.

Ja, einen heillosen Schmutz wird das geben, dachte ich,aber was liegt daran? besser eine schmutzige Stube als sechzig Mark an die Feuerwehr zahlen, fuhr ich in meinem Selbstgespräch fort Ha, das Salz hat gewirkt! jetzt giebt es keine Funken mehr: das von Chlornatrium durch die Hitze erzeugte Chlorgas hat das Feuer erstickt! nun noch einen guten Schluß!

Mit diesen Worten ergriff ich einen der Eimer und goß seinen Inhalt in die rauchende Esse hinab, dann trat ich schnell zurück, um den erstickenden Dämpfen zu entgehen, setzte den leeren Eimer nieder und griff nach dem vollen.

Heute brauchen wir keine Löschmannschaften hier, sagte ich, vergnüglich lachend, und wie so ein gurgelnder Ton durch den Schorn stein zu mir heraufkam, goß ich einen zweiten Eimer voll hinunter und stieg dann wieder hinab.

Wünschen Sie noch mehr Wasser? fragte Christel, als ich wieder unten angelangt war.

Ich glaube nicht, entgegnete ich. Eßzimmer, mein liebes Betchen?

Es hat aufgehört, so zu lodern, Rebbchen, sagte meine Frau; und wie wir in das Zimmer traten, sah ich zu meiner angenehmen Ueberraschung, daß das Feuer hell brannte, während das beängstigende Prasseln aufgehört hatte, und Alles ganz schön sauber war.

Aber, mein geliebtes Betchen... hub ich an, da ging das merkwürdige Geräusch von Neuem los, aber diesmal nicht in unserer Esse, sondern vor unserer Stubenthüre, klang es doch, als wenn Jemand dieselbe von draußen einzuschlagen beabsichtigte.

Laß mich öffnen, sagte ich, indem ich Christel hastig beiseite schob,es wird die Feuerwehr sein.

Fest entschlossen, jedem Feuerwehrmann, der es wagen sollte, sich gewaltsam Eintritt in mein Haus zu verschaffen, muthig entgegen; zutreten, ging ich nach der Thüre und öffnete sie vorsichtig, aber nur um schnell wieder zurückgetrieben zu werden von einem wider lichen kleinen Wesen, in Gestalt meines Nachbars Foddel: rund, wüthend, schwarz wie Ruß, naß wie eine Wasserratte und mit vor Zorn schäumendem Munde.

Vor ihm fürchtete ich mich nicht, aber er war so schmutzig, daß ich erschrocken in die äußerste Ecke flüchtete, wo ich, mich mit den vier Beinen eines Stuhles vor seiner Nähe schützend, anhoͤrte, was er mir zu sagen hatte, während mein Betchen und unsere Christel sich ängstlich in einen Winkel drückten.

Sie verwünschter Schurke! keuchte er aus der Mitte seines spaßhaft schwarzen Gesichts heraus, während er mit seiner schwarz berußten Hand an dem naßschwarzen Vorhemd und an der bedenklich

Wie ist es denn unten im

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