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tausenden mit ihrem Harfenspiel die Töchter der Ramseniden in den Frankfurt während einiger Jahre Bildnisse und siedelte im Jahre Schlaf gelullt, oder die stolze Cleopatra auf ihren Nilfahrten be- 1878 nach Berlin über, wo er bis heute dauernd seinen Wohnsitz hat. gleitet haben. Unser Bild giebt Sichel's Almee in der Zeichnung Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat Sichel eine Anzahl von wieder, aber leider heißt es einem Schmetterling den Farbenschmelz Frauentypen geschaffen, welche durch den Stich und die Photographie von den Flügeln eine weite Verbrei⸗ streifen, wenn man tung erlangten. einem Sichel schen Seine Medea, sein Bilde das Kolorit Fellahmädchen, seine nimmt. In der fei⸗ Wasserträgerin, seine nen harmonischen Salome und die Farbenstimmung Träumerin sind Fi⸗ liegt der vornehmste guren, deren Schön⸗ Reiz seiner Bilder, heit im Strahl der und den Glanz und heißen Orientsonne Reichthum seiner Pa⸗ gereift zu sein scheint. lette hat er sich in Auch seine Almse ge— Rom und Paris er⸗ hört in die Galerie rungen. der drientalischen N. Sichel ist im Schönheiten, bei de⸗ Jahre 1844 am nen sich mit dem Rhein geboren und sinnlichen Reiz ein zwar im goldenen traumhafter Zug ver⸗ Mainz. Früh er⸗ bindet, der ungemein kannten seine Ange⸗ poetisch wirkt. Neu⸗ hörigen die entschie⸗ erdings hat Sichel dene Begabung für einige glückliche Mo⸗ die Malerei und tive auf der Bühne sandten ihn auf drei gefunden. Die Ophe⸗ Jahre nach Berlin, lia des Frl. Sorma wo er die Akademie und die Portia des besuchte, und wo er Frl. Meyer vom Kgl. durch Professor Ju— Schauspielhaus in⸗ lius Schrader vor⸗ spirirten ihn zu zwei zugsweise eine ener⸗ Gemälden, von de⸗ gische Förderung sei⸗ nen das Erstere die nes Talents erfuhr. kindliche Lieblichkeit Im Jahre 1866 er⸗ der Wahnsinnigen, hielt Sichel für sein das zweite die Grazie Bild„Joseph deutet und den Adel der vor— die Träume des Pha⸗ nehmen Italienerin rao“ den großen betont. Vielleicht Preis für Rom. So aber ist die jüngste wurde es ihm durch seiner Frauengestal⸗ Staatshülfe möglich, ten zugleich die reiz⸗ den Alterssitz der vollste. Wilden⸗ Künste am Tiber zu bruchs„Karolinger“ besuchen. In Rom gaben dem Künstler blieb er zwei und ein die Anregung zu halbes Jahr, dann diesem neuen Werk. siedelte er nach Paris Jene Maurin, welche über in der Absicht, beim Beginn der sich hier unter Lei⸗ Tragödie, gegen eine tung der großen Hi⸗ Säule gelehnt, von storienmaler gleich- der Heimath falls zum Geschichts⸗ schwärmt, hat er in maler auszubilden. einem warmtönigen Während seines fünf⸗ Gemälde geschildert. jährigen Aufenthalts Eine in der Berliner in der Seinestadt Gesellschaft wohl⸗ malte er Geschichts— bekannte Schönheit bilder wie:„Car⸗ lieh ihm für dies dinal de Guise em⸗ Gemälde ihre Züge pfängt den Kopf des und die schöpferische
Coligny in Rom“, 5 195 1 Phantasie des Ma⸗ ferner Maria Stu- Almee. Nach einem Gemälde von N. Sichel. lers hat durch den art's Abschied von(Aus der Jubiläums⸗Kunstausstellung in Berlin.) schmachtenden Aus⸗
Melville“, eine druck des holden Ant⸗
Szene aus der Geschichte des Don Carlos und andere mehr. litzes, durch die träumerische Haltung der üppigen formenschönen Allmählich jedoch gewann Landelle, der ausgezeichnete Schilderer des Gestalt, durch die Pracht der maurischen Gewänder und die schim—
südlichen Volkslebens, den entscheidenden Einfluß auf seine Kunst⸗ mernden Säulen des Palastes die schöne Wirklichkeit romantisch
richtung. Im Orient suchte er hinfort sein Schönheitsideal. erhöht. Solche Frauengestalten mögen einst durch die Alhambra Eine Reihe von verlockenden Aufträgen führte Sichel zunächst eines Boabdil geschritten sein.
von Paris nach der Heimath zurück und er malte in Mainz und Sichel gehört jedenfalls zu den bedeutendsten Koloristen der Gegen—
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