Ausgabe 
9.1.1887
 
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aber ein neuer Moment ein und Bertha machte die Freundin auf merksam darauf. Herr von Lüburg schien in Gedanken, die linke Hand lag auf dem Tisch und die Finger trommelten auf der Platte herum, dabei kamen sie der Düte mit den Bonbons zu nahe, die Damen zitterten vor Aufregung, die Düte wurde näher gezogen

und ein Blick hinein gethan, dann ein Bonbon herausgenommen wenn Sie erst mein Gatte sind.

und aufmerksam besehen. Berthas Fuß suchte sich unter dem Tisch den ihrer Freundin und berührte ihn leis. Die Spannung war fieberhaft. Da warf Lüburg den Bonbon in die Düte zurück und schob sie beiseit also wirklich? Zuletzt war die Hoffnung noch einmal aufgeglimmt, aber nur um desto vollständiger zu erlöschen.

Wenn Sie also nicht zum Diner gehen, fing Lucie dann wieder an,werden Sie wenigstens den Ball besuchen?

Nein, war die sehr entschiedene Antwort;ich denke mir das nicht amüsant genug.

Wieder abgeschlagen, aber Luciens Wangen glühten schon, sie mußte den schwachen Punkt finden, kostete es, was es wollte.

Ich für meine Person hasse das Spiel, setzte sie abermals an,desto mehr liebe ich aber den Tanz, und ich hoffe, daß Sie auf dem Ball nicht verzweiflungsvoll nach der Uhr sehen werden,

Herr von Lüburg küßte seiner Dame zärtlich die Hand.O, wenn wir verheirathet sein werden, gestaltet sich ja die Sache ganz anders, meinte er,dann werde ich den Ball nicht mehr als einen verlorenen Abend betrachten; denn ich werde Sie schön und strahlend sehen, von Huldigungen umgeben, und wenn dann doch, von Zeit zu Zeit, aus diesem glänzenden Zirkel heraus, ein Blick auf mich fällt, dann wird er mein Glück sein; denn der Blick ist mir Beweis, daß Sie ein wenig an mich gedacht.

(Schluß folgt.)

Jugendlust. Nach dem Oelgemälde von E. Keyser.

Wie? fiel Bertha ein,wenn man 600,000 Mark heirathet,

wird man doch etwas darauf gehen lassen. Es wird sehr hübsch sein natürlich! gab der junge Mann mit ironischem Lächeln zurück,es werden mindestens fünfhundert,

Menschen in einem Lokal zusammenkommen, wo höchstens hundert

Platz haben; es werden eine Menge junger Leute herumlaufen, die nach Pommade riechen und sich gegenseitig auf die Füße treten; es werden Mütter dort sein, die sich die Gelbsucht an den Hals ärgern, wenn

ihre Tochter sitzen bleiben, und unglückliche Väter, die verzweiflungs- der Phantasie des Malers mag eine jener orientalischen Frauen-

voll nach der Uhr sehen und vor Müdigkeit kaum noch die Augen

aufmachen können, und das Alles von den leckenden Wachskerzen an muthig beträufelt, unter allen Umständen ein entzückendes Bild.

Sehr schön! bemerkte Bertha;aber Sie haben den Gegen stand noch nicht erschöpft, in den anstoßenden Gemächern werden sich auch seyr ernsthafte Männer befinden, wie Sie, zum Beispiel, die einen Tisch umgeben, auf dem Geld ausgebreitet ist, dort wird gespielt, Pharao oder Landsknecht.

Das reizt mich nicht im mindesten, unterbrach Lüburg,ich kenne keine Karte, ich habe noch nicht einmal Patience gelegt.

in Paris, mit Vorliebe schilderte.

Sichel's Irauengestalten.

Auf der großen Jubiläumsausstellung zu Berlin erweckte unter den Hunderten von Figurenbildern eines ganz besonderes Interesse durch den vornehmen Reiz des Kolorits und die fremdartige, phan tastische Schönheit der jugendlichen Gestalt. Dies war Sichel'sAlmee. In Egypten bezeichnet man die Straßensängerinnen als Almeen, und

gestalten vorgeschwebt haben, wie sie einst sein Meister, Landelle Allein Sichel's Pinsel zeigt eine idealisirende Tendenz, und er erhob seine Almee über den Staub und Schmutz der Gasse, versetzte sie in das lauschige dämmerhafte Gemach eines maurischen Palastes, und so erschien uns das jugend schöne Weib, mit den languiden traumhaften Augen, wie eine der Märchengestalten ausTausend und einer Nacht. Die Harfe, über welche ihre zartgegliederte Hand weggleitet, läuft in eine Sphinxbüste aus, und diese erhöht noch den Märchenzauber, der die Sängerin umwebt. Solche Mädchengestalten, glaubt man, müßten vor Jahr⸗