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benöthigt, ehe wir die Frage über die Heirath des Fräulein de St. Villefrane seinem erhabenen Ermessen unterwerfen. Ich bedauere, daß Ihre Unkenntniß unserer Sitten und Prinzipien Sie so gänzlich hat irre führen können. Leider hatte ich nicht die geringste Ahnung von Ihrer unbegreiflichen Auffassungsweise, ich wäre sonst jeder Aeußerung von Ihrer Seite zuvorgekommen.“ So war jede Hoffnung mit einem scharfen Schwerthieb ver—
nichtet; Scham, Verdruß, Verzweiflung machten mich Monate lang sedem Verkehr unzugänglich; und damals entwickelte sich langsauu
der Einsiedler, den Sie als alten Mann kennen gelernt haben. Der Baron de St. Villefranc war kaum sechzig Jahre alt, seine Frau etwa fünfzig; welchen Hoffnungen häfte ich mich hingeben dürfen, selbst wenn ich der Liebe von Made— mosselle Evote ganz sicher gewesen wäre? Sie war und blieb unerreichbar für mich. Trotzdem habe ich damals in meinem Wahnsinn ihr geschrieben und Monate lang wie im Fieber auf eine Antwort geharrt, es blieb Alles stille, und nach und nachwurden das Schweigen und die Einsamkeit meine vertrautesten Freun— de, und nie mehr drang eine Nachricht, ein Nachklang aus enen Tagen in Frankreich zu mir herüber. Dank, herz— lichen Dank, mein lieber junger Freund, für den Gruß, der dem kurzen Frühling den Gedenkstein setzt. Sagen Sie der Frau Gräfin Dutillier, daß ich ihn herzlich erwiedere. Und nun fragen Sie sich, ob es wirklich der alte Mann ist, der Jahr aus Jahr ein in dem stillen weiten Arbeitszimmer am Schreibtisch sitzt, der Ihnen diesen Brief schreibt? Ihr Brief hat mich wie mit einem Zauberstab
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Herzog Ferdinand von Sachsen Koburg Kohary,
der von der Sobranse gewählte neue Färst von Gulgarten.
berührt und hat mir die Jugend auf Augenblicke zurückgegeben; es“
ist mir ergangen, wie der Memnonssäule, deren Steinbild bei Sonnenaufgang mächtig erzittert. Es würde mir wohl thun, mehr von Frau Gräfin Dutillier zu hören. Die kurzen Bemerkungen, die Ihr Schreiben enthalt, lassen mich darauf schließen, daß ihre Vergangenheit Ihnen nicht unbekannt ist.“
Alsobald nach der Ankunft in dem weiten, im Renaissancestyl erbauten Schlosse setzte ich mich nieder und entwarf einen detaillirten Brief an den General. Ich theilte ihm Alles mit, was mir der Pfarrer von Piney erzählt, und erwähnte mit besonderer Genug— thuung von einer Neigung, die sie Jemandem zugewendet, der nicht nach dem Geschmack ihres Onkels gewesen, und wie sie allein und rathlos, bestürmt von allen Seiten, endlich einem ihr gleichgültigen Manne ihre Hand gereicht.
(Schluß folgt.)
Anlerwegs nach Nom.
Die Geschichte einer Lebensreise. Von Ludwig Salomon.
Heute Nachmittag habe ich ein altes abgerissenes Buch in die oberste Reihe meines Bücherregals gestellt und es damit einer ehr— würdigen Gesellschaft zugefügt, die„hoch über'm niederen Erden leben“ ein beschauliches Dasein führt. Denn nur selten wird eines dieser Bücher einmal von mir herabgenommen. Allesammt haben sie sich über ihren ursprünglichen Zweck, gelesen zu werden, erhoben und sind zu werthvollen Gegenständen der Erinnerung geworden. Auch der heute dort eingestellte Band ist ein solches Erinne— rungsbuch, ja, ich möchte fast sagen, er ist der bedeutendste der ganzen Samm— lung, schließt er doch die Geschichte eines ganzen langen Men schenlebens ein. Man wird es ihm freilich nicht ansehen, denn er ist nur eine billige Ausgabe von Goe— the's„Italienischer Reise“, und trägt noch dazu allerwärts die Spuren starker Benutzung, so daß der Antiquar, der vielleicht einmal meine kleine Biblio, thek in Bausch und Bogen kauft, das
verschlissene Buch verdrießlich unter die Makulatur wirft.
Und doch— wie große Freude hat es erregt, als ich es einst vor vielen Jahr— zehnten meinem lie— ben Freunde Ulrich schenkte, und wie oft, ach wie unzaͤhlige Male hat er es glan— zenden Auges durch— studirt. Ja, es gab für ihn kein Buch, das ihm lieber ge— wesen wäre, als dies, Zeit seines Lebens. Er war eine über— aus feinfühlige Natur; mit einem zart empfindenden Herzen ver— band sich bei ihm eine warme Begeisterung für alles Edle und Schoͤne; nie ward er von den Sorgen und Arbeiten des Tages so tief hinabgezogen, daß er darüber die Freude am Schonen ganz verloren hatte, sa mitten im Plack des Lebens brach sich diese nicht selten gewaltsam wie ein schäumender Gebirgsbach Bahn und schwemmte ihm allen Staub, der ihn belästigte, vom Wege. Es beherrschte ihn daher, obgleich er mit Noth und Sorgen oft genug ernst zu kämpfen hatte, stets eine gewisse freudige Grundstimmung, ein stiller Enthusiasmus, der aber schnell zu hellen Flammen auf, schlug, so bald er Nahrung fand. Und das war vor Allem der Fall, wenn Italien in seinen Gedankenkreis trat. Dann sprühte er vor Begeisterung; denn Italien war ihm das gelobte Land des edelsten Lebensgenusses, der höͤchsten künstlerischen Befriedigung, die der Mensch erlangen kann,— das Land seiner Sehnsucht. Er
lebte und webte in dem Gedanken an Italien, so daß man auch von ihm wie von Goethe's Vater sagen durfte:„er konnte nie im


