Ausgabe 
28.3.1886
 
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Das ist alles, was noch zu finden war, sprach er,aber es ist derbes Papier, das ein gutes Feuer abgeben wird.

Und bald flackerte das Feldfeuer, neu genährt, wieder lustig auf.

Das giebt doch etwas mehr Wärme ab bemerkte ein Offizier, der, fest in seinen Mantel gehüllt, in Rosen's Nähe lag.

Dieser betrachtete forschend die dunklen lebhaften Augen und den fast weißen Bart seltsam, daß er diesen Offizier bisher noch gar nicht gewahrt hatte.

Nach einer Weile spielte er zerstreut mit einigen Zeitungsblättern, die neben ihm am Boden lagen, als seine Auge plötzlich auf den Namen Wilna fiel.

Wilna sprach er halb zu sich selbstein hübscher, seltener Name.

Es freut mich, daß er Ihnen gefällt, sprach der dunkeläugige Fremde an seiner Seite;auch meine Braut heißt Wilna.

Ueberrascht sah Rosen zu dem Redenden auf, und plötzlich kam ihm der Gedanke, daß er seinen verhaßten Nebenbuhler vor sich habe. Ihn selbst nach seinem Namen fragen mochte er nicht; doch so bald die Gelegenheit sich bot, fragte er einen seiner Kameraden, wer der Offizier mit den stechenden Augen und dem grauen Bart wohl sei.

Major von Pleyel, ward ihm zur Antwort. f

In der folgenden Nacht mußte eine wichtige Botschaft nach dem nächsten, ungefähr eine Stunde entfernten Feldlager gebracht werden. Der Weg dahin war ziemlich gefährlich; er führte durch ein Dorf, in welchem sich eine beträchtliche Zahl französischer Soldaten befand. Man wählte Major von Pleyel und sonderbar, zu seinem Begleiter machte das Loos Konrad von Rosen.

Mit Einbruch der Nacht begaben die Zwei sich auf ihren ge fahrvollen Weg, der Aeltere nichts ahnend von dem Haß, den der Jüngere gegen ihn empfand.

Nur bemüht, in der pechfinsteren Nacht einander nicht zu ver lieren, schritten sie schweigend einer vor dem andern her. Als sie am Ende des Dorfes ein schmales Thor zu passiren hatten, streifte Rosen's Säbel das Eisengitter und verursachte einen klirrenden Ton.

Wer da? klang da des Feindes Ruf. Und in der nächsten Sekunde ertönte ein heftiger Knall.

Thor, in dieser Finsterniß sein Pulver zu vergenden! mur⸗ melte Rosen, ruhig vorwärts schreitend.

Doch nach einer kleinen Weile gewahrte er, daß er allein war. Er rief den Namen seines Begleiters und da keine Antwort erfolgte und er Verfolgung befürchten mußte, so eilte er weiter, langte un versehrt in dem Feldlager an, entledigte sich seiner Botschaft und kehrte dann zu seinem Regiment zurück. Zu seinem Erstaunen ward ihm da die Kunde, daß sein Gefährte, Major von Plevyel, noch nicht zurückgekehrt sei. Am nächsten Morgen machte er sich auf, und ging denselben Weg wie Tags zuvor. An dem kleinen Eisen⸗ gitter, am Ende des nunmehr gänzlich verödeten Dorfes angelangt, sah er zu seiner großen Verwunderung Major von Pleyel auf einer rohgezimmerten Bank vor einer Hütte sitzen.

Was in aller Welt treiben Sie da? hub er an, doch das Wort erstarb ihm auf den Lippen, als er näher trat; Major von Pleyel war todt, eine Kugel war ihm mitten durch den Kopf ge⸗ gangen. Der Schuß in vergangener Nacht hatte ihn getroffen und ohne auch nur einen Schrei auszustoßen, war er auf die Bank ge⸗ sunken, wo die Mauer des Hauses den Todten vor dem Fallen ge⸗

schützt hatte.

Als Lohn für seine Tapferkeit wurde Rosen zum Hauptmann ernannt. Der Erste, dem er Mittheilung von seinem Glücke machte, war Baron von Remsbach; gleichzeitig hielt er in dem Brief förm lich um die Hand Wilna's an. Als Antwort kam ein von Glück und Wonne überströmender Brief von der Geliebten selbst.

Und als der Sommer wiederkehrte, kam auch der tapfere Offizier zu seiner Braut zurück, um sie nach wenig Monden mit Kranz und Schleier zu dem Altar zu führen und von ihren zarten Lippen das ewig bindende und beglückendeJa zu hören.

wegung mit dem runden Kinderarm.

Knaben, Frohsinn in jedem Zug des Gesichtchens.

Hie kaugke nichts. Von H. Schobert.

Du bist ein ungezogener Junge, Ludwig! Warte nur, der liebe Gott schreibt das Alles in sein dickes Buch und eines Tages bekommst Du Deine Strafe dafür! Der kleine, kaum sechsjährige Knabe, an den die derbe Köchin, die eifrig am Waschfaß hantirte, diese Worte richtete, hatte beide Ellenbogen auf den hölzernen Rand desselben gestützt, den Kopf auf die kleinen Fäuste gedrückt, und sah mit blitzenden braunen Augen, die Wangen mit flammendem Roth übergossen, zu der Sprechenden auf. f

Das lügst Du, Anna, sagte er überzeugt und frotzig,der liebe Gott weiß gar nichts von mir, ich kann thun, was ich will.

Jesus Maria, wie Du nur sprichst. Das Mädchen streifte den Seifenschaum von den nackten Armen und warf die Wäsche in

den Kessel.Warum sollte der liebe Gott gerade von Dir nichts.

wissen?

Er blickte sie nachdenklich an.

Weil ich keine Mama mehr habe, die ihm Alles erzählt, und Dir, unserer Köchin, glaubt der liebe Gott garnicht, wenn Du es auch versuchst.

So? Na, wer weiß! Aber wo ist denn Deine Mama U 7 Ludwig? Ganz fort, Anna, irgendwohin und er macht eine Be⸗

Papa und Tante Marie sagen, sie taugte nichts. Weißt Du, was das ist, wenn eine Mama nichts taugt?

Herr meines Lebens, wie das Kind spricht! Ja, es ist ein böses Ding, wenn Einer sein eigen Fleisch und Blut verläßt. Ich brächt' es nicht über's Herz. Gelt, Du kannst Recht haben, armer Wurm, sie taugte nichts!

Einsam, ganz einsam ist es um die schlanke blasse Frau. Aus dem Dämmer, das die sinkende Helle noch in dem Atelier zurückgelassen, leuchten Gypsabgüsse in allen Größen, allen Formen, Modelle aus Thon, und mitten darin ein Marmorblock, vorsichtig verhängt, seiner Ausarbeitung entgegensehend. Ueberall die Spuren ernsten Schaffens, strengen Fleißes.

Mit leisem Schritt, als wolle sie ihre Schöpfungen nicht stören, durchmißt die Künstlerin den Raum und nimmt von einer der kleinen Eckkonsolen eine zierliche Statuette, die Figur eines spielenden Sie küßt sie und legt sie sorgsam in ihren Schoß, während sie die schlanken Finger um dieselbe faltet.

Langsam löst sich eine Thräne von der Wimper und fällt gerade in die todten Augen der Statue, und leise rinnt sie bis auf die kalten Lippen.

Die Dämmerung wird tiefer, aber die Einsame merkt es nicht. Still, den Kopf an die Lehne des Sessels gedrückt, sitzt sie da und hört auf die Stimmen in ihrer Brust, die sie sanft forttragen in das tiefe Meer der Erinnerung und ihr für die Zukunft den Lorbeer um die Schläfe winden.

Ein Glockenton erweckt sie. Er kündigt ihr ihren alten Lehrer, der gern die fünf Stock hinaufsteigt, um mit seiner be⸗ gabten Schülerin ein paar Worte zu plaudern.

Nun, Frau Felicia, ob Sie fleißig gewesen sind, brauche ich nicht erst zu fragen, Sie beschämen darin alle meine jungen Leute.

Vielleicht habe ich auch mehr Ursache dazu wie Jene, sagt sie mit sanftem Lächeln.

Wenn ein Weib ehrgeizig ist, wie Sie, Frau Felicia, setzt sie immer viel mehr ein, wie der Mann, entgegnet ihr Gast und sieht kopfschüttelnd in ihr bleiches Gesicht,aber Sie müssen sich mehr Ruhe gönnen, selbst im hastigsten Lauf läßt sich Ruhm nicht sofort ersagen. Haben Sie denn gar keine Zeit?

Nicht viel.

Und warum nicht? Sie drückt?

Anvertrauen? Sie lächelt bitter.Es ist so wenig, was ich zu sagen habe, Tausende erleben vielleicht dasselbe wie ich. Als ich heirathete, liebte ich meinen Gatten, als ich ihn verließ, wußte ich, daß die Ehe auch erniedrigende Bande bergen kann.

Wollen Sie mir nicht anvertrauen, was