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überdies, was wir auch in
1 Römische Denkmäler.
Wenn heutzutage, und es ge— schieht ja nicht eben selten, irgendwo einem verdienten Manne, dessen Ruhm vielleicht nicht über den ganzen Erdkreis reicht, der aber in seinem engeren Wirkungskreise Großes und Bleibendes geschaffen hat, ein Denk⸗ mal errichtet wird, sei es nun eine Statue oder Büste oder sonst der⸗ gleichen, so erhebt sich alsbald bei
blasirten Leuten ein wegwerfendes
Gespött über die„Denkmalsseuche“ unserer Zeit. Abgesehen davon, daß das Vorhandensein einer solchen ganz besonders ausgebildeten Denkmals⸗ seuche für diese unsere Zeit durchaus bestritten werden muß, freuen wir uns im Gegentheil dieser Erschei— nung. Möglich, daß der Eine oder der Andere ein derartiges Denkmal nicht verdient hat, möglich auch und in der Hälfte der Fälle wahrschein⸗ lich, daß ein solches Denkmal in künstlerischer Beziehung sehr frag⸗ würdig ausfällt— ein Volk, das
seine Todten ehrt, ehrt sich selbst,
und es ist besser und lobenswerther, wenn in diesem Punkte zu viel ge⸗ than wird, als wenn aus Furcht vor
der Bank der Spötter Unterlassungs⸗
sünden begangen werden, welche die Nachwelt nicht wieder gut machen kann. Und noch einen andern und größeren Werth haben diese Denkmäler— einen geschicht⸗ lichen und kulturhistorischen Werth, der sich unmittelbar neben jenen der überlieferten Litteratur stellt und deren Lücken und Dunkelheiten sehr häufig in willkommener Weise ergänzt und aufhellt. Wir lesen in diesen Chroniken von Erz und Stein wie in einem aufgeschlagenen Buche, und eine einfache Inschriftentafel weiß uns häufig mehr und Wichtigeres zu erzählen, als ein ganzes Kapitel des Livius oder Sueton.
Wer die Städte der Alten mit offenem Sinne durch— wandert, wird grade aus ihren Kunstdenkmälern die größeste Belehrung schöpfen, und jenen Dank wissen, daß sie auch unwichtigere Ereig— nisse der Verewigung nicht blos durch die Schrift, son— dern gerade auch durch Erz und Stein für werth hielten. Wenn man es denn Denk— malsseuche nennen will, so war sie im Alterthum jeden⸗ falls unendlich mehr ent⸗ wickelt, als bei uns, und
Das Grabmal des Eurysaces.
größeren Leistungsfähigkeit der Kunst, wenn beispielsweise die Siegesdenk⸗ mäler Jener, mit denen sie vielleicht etwas mehr kargten als wir, in der Regel besser ausfielen, als die un⸗ serigen— ein architektonisches Mon⸗ strum wie etwa die Siegessäule auf dem Königsplatz in Berlin, hatte das alte Rom schwerlich aufzuweisen. Nun mag es auch Jenen sehr häufig begegnet sein, daß sie Denk⸗ mäler errichteten, wo es im Grunde recht überflüssig gewesen wäre; der Byzantinismus und die liebe Eitel⸗ keit spielten damals ihre Rolle wie heute, es gab Köche, die sich riesige Pyramiden über ihrer Grabkammer errichten ließen, wie es geschlagene Feldherren gab, die sich aus eigener Machtvollkommenheit einen Triumph⸗ zug bewilligten. Doch auch diese Mo⸗ mente sprechen mit bei der Be⸗ urtheilung des kulturellen Stand⸗ punktes eines Volkes, wie die Denk— mäler unserer Zeit der Nachwelt er⸗ zählen werden, ob wir den öffent⸗ lichen Dingen einen großen und freien oder einen engherzigen und beschränk⸗ ten Sinn entgegengetragen haben— und was gar die künstlerische Seite anbetrifft, so kümmert uns nicht sowohl der Entstehungsgrund eines Denkmals, als die Form, in welcher es in die Erscheinung tritt. Wir haben es zunächst mit den Ehrendenkmälern zu thun, welche zu Ehren einer bestimmten Per⸗
son oder zur dauernden Er⸗ innerung an ein für wichtig gehaltenes Ereigniß errichtet worden sind. Man wählte dazu, speziell bei den Rö⸗ mern, die verschiedenartig⸗ sten architektonischen Formen, Tempel, Hallen, Theater, in erster Linie aber Säulen und Triumphbogen. Von den Säulen sind uns in Rom noch zwei erhalten, die des Trajan auf dem Trajaus⸗ forum und die des Mare Aurel auf der Piazza Co⸗ lonna. Freilich sind die heid— nischen Kaiser von ihrer Spitze verschwunden, und das Papstthum hat Petrus und Paulus mit Schwert und Schlüssel an ihre Stelle ge— setzt. Wir wissen nicht, welche Gefühle die Brust der eher— nen Apostel durchstürmen, wenn sie auf das heutige Rom niederschauen, das ihnen, wo nicht die Schlüssel, so doch das Schwert längst aus der Hand gewunden.— In ar⸗ chitektonischer Beziehung, und das gilt nebenbei von allen derartigen freistehenden Säu⸗ len, sogar von der Berliner
diesem Punkte thun mögen,
wir ahmen doch nur jenen
Alten nach. Es liegt an der
Der Trajansbogen in Benevent.
Siegessäule, nennt Burck— hardt in seinem hier schon öfter angezogenen„Cicerone“


