Ausgabe 
28.2.1886
 
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5 diese Ehrendenkmälersehr unglückliche Versuche, einer ungeheuren Italien eine ganze Reihe und zumeist in vortrefflichem Zustande Masse bildlicher Darstellungen einen möglichst kompendiösen Träger erhalten. In den Provinzen finden wir die Bogen des Augustus oder Raum zu verschaffen.(Beide sind nämlich von Marmorreliefs zu Aosta, Susa und Rimini, auch jener in Fano ist ihm ursprüng⸗

8 mit Szenen aus den Kriegen gegen die Dazier und Markomannen lich geweiht gewesen und jener in Pola stammt aus seiner Zeit; 8 bedeckt, die sich in ununterbrochenen Spiralen von 20 resp. 22 er wurde von Salvia Posthuma ihrem Gemahl, dem Tribun Sergius 55 Windungen um den Schaft der Säule ziehen eine Art der An Lepidius, errichtet, als derselbe siegreich aus Illyrien zurückkehrte. 5 bringung, welche das genaue Betrachten der Skulpturen im höchsten Trajansbogen finden wir in Benevent und Ancona. In Rom selbst 5 Maße erschwert, wo nicht unmöglich macht.) Die Säule mußte stehen noch mehr oder minder gut erhalten die Bogen des Drusus,

hierzu ihrer Bestimmung, welche das Tragen eines Gebälkes ist, des Titus, des Septimius Severus, des Constantin, des Gallienus entfremdet und mit spiralförmigen, also fast wagerechten Linien umn⸗ und ferner der Bogen der Goldschmiede und der räthselhafte Janus⸗

geben werden, die ihrem inneren Sinne geradezu widersprechen. bogen. Unsere Abbildungen zeigen den Drususbogen in Rom und Doch muß man anerkennen, daß wenigstens das Kapitäl sehr an⸗ den Trajansbogen in Benevent. a 5 f gemessen als bloßer verzierter Säulenabschluß, nicht als Ueberleitung Gerade der Drususbogen ist der unscheinbarste von allen, und

der Tragkraft gebildet ist. zudem läßt sich keineswegs mit unbedingter Sicherheit behaupten, Eine sehr viel wichtigere Rolle als diese Säulen spielen indeß daß er wirklich das ist, wofür er sich ausgiebt. Er liegt in Rom die Triumphbogen, deren wir zwei in der Abbildung bringen unmittelbar vor der in die Aurelianische Mauer eingebauten Porta

eine echt italische und zwar etruskische Form des Prachtbaues, San Sebastiano, und man muß ihn durchschreiten, wenn man die welche uns zugleich den Sinn römischer Dekoration deutlicher offen- alte Via Appia, die Gräberstraße, besuchen will. Somit liegt er bart, als die meisten sonstigen Ueberreste. Das einfache oder drei⸗ gewissermaßen an deren Anfang(ursprünglich lief sie von der weiter fache Thor erhielt eine Bekleidung architektonischer und plastischer nach der Stadt zurück liegenden Porta Capena aus), wie der Trajans⸗ Art, die allerdings nicht aus dem Innern kommt, sondern wie eine bogen in Benevent ihren Endpunkt oder, wenn man will, ihren glänzende Hülle herumliegt, in dieser Gestalt aber die Kunst doch Mittelpunkt bezeichnet. Die berühmte Via Appia wurde nämlich immer beherrschen wird. 312 v. Chr. vom Censor Appius Claudius Caecus als Militär⸗ Aus diesen Bemerkungen Burckhardt's ersehen wir zugleich, daß straße angelegt und führte ursprünglich nur bis Capua, von wo e sich der Triumphbogen in seiner äußeren Konstruktion unmittelbar später nach Benevent und Brundisium verlängert wurde. Ob nun i an den Thorbau anlehnt; das zweifache Thor war dabei aus⸗ der Drususbogen wirklich das im Jahre 8 v. Chr. dem Claudius geschlossen, weil es sich zumeist darum handelte, für einen siegreichen Drusus Germanicus errichtete Denkmal ist oder nicht, unterliegt Feldherrn einen Hauptdurchgang zu schaffen. Guhl und Koner sagen starken Zweifeln; in seinem gegenwärtigen Zustande, der durch die darüber in ihrem vortrefflichenLeben der Griechen und Römer Ziegelreste einer von Caracalla zu seinen Thermen über ihn hinweg: (5. Aufl. Berlin 1883. S. 503 ff.), daß gerade diese Denkmäler, geführten Wasserleitung keineswegs verschönt wird, gleicht er wirk⸗ wie sie meist durch die eigenthümlichen politischen Verhältuisse des lich allem Anderen eher, als einem Ehrendenkmal. Immerhin läßt römischen Volkes bedingt erschienen seien, recht eigentlich den Stempel sich die Konsteuktion dieser einthorigen Bogen an ihm vortrefflich der römischen Kunst an sich trügen.Die Gewohnheit festlicher studiren. Er ist aus Travertinquadern erbaut und theilweis mit Aufzüge zu Gunsten irgend welcher glücklichen Ereignisse mochte Marmor e die beiden noch erhaltenen Säulen sind schon frühzeitig darauf führen, auch festliche Pforten zu errichten, aus Marmor. Der früher den Abschluß bildende Giebel ist unter durch welche der Zug hindurchschreiten, an denen der Gefeierte Caracalla's Wasserleitung unden In demWinkel am empfangen werden konnte. Zu dem sehr natürlich sich darbietenden⸗ Thore zur Rechten liegt übrigens romantisch genug die Veranda Schmuck der Stadtthore konnte sich leicht die Errichtung freistehender einer kleinen Weinschänke, in welcher dem vom Besuche der heißen Pforten gesellen, deren statuarischer Schmuck dem vergänglicheren, und staubigen Via Appia erschöpften Wanderer ein vortrefflicher den man den Stadtthoren bei solchen Gelegenheiten hinzufügte, goldfunkelnder Genzano um ein B ligstes kredenzt wird. gleichsam eine monumentale Dauer zu geben bestimmt war. Jedes Alngleich besser erhalten ist der ebenfalls einthorige Trajansbogen Verdienst um das Staats- und Bürgerwohl konnte mit derartigen in Benevent mit seinem überreichen Skulpturenschmuck, in seiner Ehrenpforten gefeiert werden, wie wir aus den in Italien, in den Form den Titusbogen auf dem römischen Forum am nächsten Provinzen wie in Rom, erhaltenen Bogen deutlich genug ersehen stehend. Er heißt im Volke Porta aurea, das goldene Thor und können. Vor Allem aber ist hier eine ganz bestimmte Veranlassung wurde dem Kaiser Trajan 14 n. Chr. wegen Vollendung der appischen zu erwähnen, die in engem Zusammenhange mit dem kriegerischen Straße nach Brundisium errichtet. Das Material ist edelster Sinne des Volkes und dessen Lust an kriegerischen Ehrenfeiern, sehr parischer Marmor, die Höhe des Durchgangs 8,6 Meter, des Ge⸗

häufig zur Errichtung von Ehrenpforten wie bei uns von sammtbaues 15,6 Meter. Die Statue des Kaisers mit dem Vier⸗ Siegesdenkmälern geführt hat. Es ist dies die Sitte, einem gespann, welche ihn einst krönte, ist verschwunden, dagegen sind die

siegreichen Feldherrn nach Beendigung eines Krieges, dessen Wichtig- Inschrift und die Mehrzahl der Skulpturen ausgezeichnet konservirt. keit den Maßstab für die zu erweisende Ehre abgab, einen feier⸗ Unser Bild zeigt die der Stadt abgekehrte Seite des Bogens. In lichen Einzug in die Stadt zu gewähren, bei welchem derselbe auf den Zwickeln über dem Durchgange lagern die Gestalten zweier prächtigem Wagen an der Spiße des festlich geschmückten Heeres Flüsse, der durchgehende Fries schildert den germanischen Triumph⸗ einherfuhr, um zugleich den Göttern zu danken und dem Volke zug Trajans. Rechts und links von der Inschrift erblicken wir eine seinen Sieg und dessen Bedeutung theils in bildlichen Darstellungen, Götterversammlung, welche die Adoption Trajans durch Nerva be⸗ theils in wirklichen Beweisstücken an Beute und Gefangenen vor- schließt und den dazischen König Dezebalus zu Trajans Füßen. zuführen. Diese als höchste Ehre angestrebten Triumphzüge sind In weiterer Folge von oben nach unten sehen wir zur Linken den recht eigentlich als ein Erzeugniß des römischen Volksgeistes und Triumph Trajans über Dazien und die Einverleibung Armeniens der Verhältnisse des römischen Volkslebens zu betrachten. Kein als römische Provinz, zur Rechten die Vermählung Hadrians mit Wunder, daß auch der Baukunst, die mehr oder weniger bewußt Sabina und orientalische Gesandte vor Trajan. Aehnliche Dar⸗ alle Seiten des nationalen Lebens zu verkörpern und künstlerisch zu stellungen enthalten der Durchgang und die Innenseite. gestalten wußte, eine neue Aufgabe daraus hervorging. Der Triumph⸗ Neben die reinen Ehrendenkmäler treten als Monumente ähn⸗ zug rief den Triumphbogen hervor, durch welchen die festliche bompa lichen Zweckes und Geistes die Grabdenkmäler. Auch diese kannte des Soldatenzuges hindurchging und in welchem er gleichsam seine das alte Rom in verschiedenartigster und höchst reicher Entwickelung, monumentale Verewigung finden sollte. So stellten die Reliefs und von anderen Stätten abgesehen, sind dieselben auf der Via dieser Denkmäler nicht selten Szenen des Zuges, den sie hindurch⸗ Appia und auf der Gräberstraße vor dem herkulanischen Thore in lassen sollten, in voller Anschaulichkeit dar, und am Bogen des Titus Pompeji in solcher Fülle und Mannichfaltigkeit vertreten, daß sie ist ein Relief enthalten, welches dieses Denkmal selbst darstellt, das dem Studium in allen ihren Erscheinungsformen offen liegen. Die es zu zieren bestimmt ist. Nirgends zeigt sich überdies der Bogen⸗ ältesten, etruskischen und altitalischen, unter denen das freilich wohl bau und das Prinzip der Wölbung die eigentlichen Charakteristika in späterer Zeit entstandene Grabmal der Horatier und Curatier der römischen Baukunst so schlicht und zugleich so wirkungsreich bei Albano hervorgehoben sein möge, sind, falls sie nicht in Fels⸗ wie im Triumphbogen. grotten oder Gewölbe bestehen, meist in Kegelform gehalten. Daran

Von diesen so wichtigen Kunstdenkmälern sind uns nun in anknüpfend ging die Architektur späterer Tage zum Rundbau mit

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