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5 A 68 D 0 erschüttert standen wir um den Todten. Der Kutscher warf einen Dann sagte der Kommissar, sich an uns wendend: scheuen, ängstlichen Blick herab und die Pferde, denen aller Blut⸗„Spricht die Frau die Wahrheit!“
f geruch zuwider ist, schauderten zusammen und wieherten ängstlich.„Es ist die Wahrheit.“ 1 Dann hoben wir den Leblosen auf und trugen ihn auf der Decke„Dann ist unser Auftrag erledigt,“ wandte der Beamte sich zu 5 in den Wagen. seinem Begleiter, fügte aber gegen uns sich kehrend hinzu:
5„Kennen Sie den Freund, von dem er sprach?“ fragte der Arzt„Der Mann lebte hier unter einem falschen Namen. Er war
leise den Kurhessen. steckbrieflich verfolgt wegen Betheiligung an dem Morde des Fürsten „Ja, es war sein Hund, den der Baron erschlug. Sein Be— Lichnowsky.“ 5 N
„ gleiter in der Verbannung.“ Der Kurhesse zeigte auf die stillen, friedlichen Züge des Ent— * Langsam fuhren wir der Stadt zu, mit dem todten stillen Mann schlafenen. 5 neben uns auf den Kissen.„Ist das das Antlitz eines Mörders, Herr Kommissar? Der 5—. Mann, den Sie suchen, steht jetzt vor seinem Richter. Aber ich .. Es war des andern sage Ihnen, daß er 5[Tags in der abend⸗ die Seele eines Kindes,
das Herz eines tapferen Mannes hatte, und seine Hand rein von jenem Blut war. Wer erhob diese Anklage gegen ihn?“
Der Polizeikommis⸗ sar schwieg, uns fixi⸗ rend. Dann antwor⸗ tete er, wie zur Ent⸗ schuldigung:
„Sie mögen Recht haben, aber es war unsere Pflicht. Wir erhielten eine ano⸗ nyme Anzeige. Von wem diese Anzeige kam, wußten wir, doch wir schwiegen.“ Da pol⸗ terten wieder Männer⸗ tritte draußen auf Treppe und Vorsaal. Diesmal waren es die Leichenträger.
Auf dem stillen Friedhof senkten wir ihn ein und sprachen ein„Fahr wohl.“ Vom dunklen Abend— himmel schwebten Schneeflocken nieder, sie fielen auf den Lor⸗ beerkranz, den wir dem edlen Todten auf's Grab gelegt und hüll— ten bald den frischen Erdhügel in einen weißen Mantel ein.
lichen Dämmerstunde. Der Kurhesse, ich und einige andere Bekannte von der Tafelrunde des Café national hat⸗ ten uns in der Nähe des kleinen Hauses auf dem Sternwartenweg versammelt, um dem heimgekehrten Flücht⸗ ling das Geleit zur letzten Ruhestätte zu geben.
Der Kurhesse ging mit mir hinauf in das Wohnzimmer Franks, wo dieser aufgebahrt im Sarge lag. In dem Zimmer brannten zwei Kerzen und war⸗ fen ihr trübes flackern⸗ des Licht auf das fried⸗ liche stille Antlitz des Todten. Die Leichen⸗ frau und die alte Wir⸗ thin Franks wachten bei der Leiche. Die Wirthin saß am Tische und las im Gesangbuch, während die Leichen— frau an einem schwar⸗ zen Strumpf strickte. In dem Zimmer war nichts sonst verändert.
Auf dem Schreib— tisch lag ein zusammen⸗ gefaltetes und versie— geltes Schriftstück mit der Aufschrift:„Das ist mein letzter Wille.“ Neben dem Ofen stand
ein Tisch mit Gläsern
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Walter Frank hatte Recht. Der Baron und einer Flasche Grüner vergiftete Kei— Branntwein für die nem das Leben mehr
Leichenträger. Da Der Drususbogen in Rom. g und schlug Niemand polterte es draußen wieder todt. Er lag
auf der engen hölzernen Treppe.„Das sind die Leichenträger,“ meinte mehrere Monate an der Wunde auf dem Siechbett, dann starb er
die alte Wirthin, das Gesangbuch weglegend und die Brille abnehmend. an Blutvergiftung. Was aus Franks Hinterlassenschaft geworden, Aber statt der Leichenträger erschienen zwei Polizeibeamte in darüber habe ich lange nichts erfahren können. Aber später hörte Uniform in der geöffneten Thür. 5 ich, daß seine Verwandten sein Testament, welches nicht formell Bei dem Anblick des Sarges mit der Leiche stutzten sie. Dann rechtsgiltig gewesen, angegriffen hätten. fragte der Vorderste: Von ihm selbst hatten sie sich einst losgesagt. Nach seinem „Wohnt hier ein gewisser Walter Frank aus Nordamerika?“ Gelde aber griffen sie mit gierigen Händen. Wenn ich recht be— „Er wohnte hier, ja, Herr Kommissar,“ sagte die alte Frau, richtet bin, so leben sie heute noch und erfreuen sich der vollen sich die Augen wischend. Achtung ihrer Mitbürger und der Erbschaft des unpraktischen „Wo ist er?“ Schwärmers, wie sie ihn nannten. g „Dort,“ und sie zeigte auf den Sarg. 8 8 Die Polizeibeamten blickten sichtlich betroffen bald uns, bald.
die Leiche an.


