Ausgabe 
26.9.1886
 
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5 8 Erleichtert athmete er beim Posthalter Sebald auf, wo er weder

Das thörichte Lisettchen. lachende Studenten, noch schwarze Seide und e bemerkte,

Von M. Day. sondern die Marie still für sich am Fenster sitzend und eifrig in

Schluß. einem Buche lesend fand. Sie bat ihn um einige Auskunft aus

Unserm unentschlossenen Heirathskandidaten kam die Sache recht diesem Buche und antwortete schnell und gescheidt auf die Fragen,

gelegen; denn:Willst du die jungen Mädchen kennen lernen, wie die er an sie richtete; sie war wirklich ein kluges Mädchen, die

sie sind, hatte seine Mutter gesagt,so suche sie in ihrer Häus⸗ Marie. Als aber der Vater hereinkam und dem Herrn Pastor

lichkeit auf; unterwegs machen sie dir Flausen vor. ein Imbiß vorgesetzt werden sollte, da zeigte es sich, daß das

So ging er zuerst zum reichen Kaufmann Fischer; denn auf Schlüsselbund nirgend zu finden war, und dem Ehebedürftigen ver⸗

die Lucie hatte er es im Grunde zunächst abgesehen. Er fand sie gingen die Heirathsgedanken beim Sprüchlein seiner Mutter von in der guten Stube, scherzend und lachend mit zwei Studenten, der Ordnung.

die sie ihre Vettern nannte. Sie kam ihm sehr sittig entgegen, Das war nun wieder mit diesem Jahrgang nichts und mußte

Beim Quacksalber. Gemalt von Werner Schuch.

bat mit der Gesellschaft vorlieb zu nehmen, bis die Eltern, die bis in den nächsten Herbst hinausgeschoben werden; mit diesem Ge nicht daheim wären, zurückkehrten, ordnete zierlich mit ihren flinken danken wanderte er dem braunen Hirschen zu. weißen Hände den Kaffeetisch und goß den schäumenden Trank ge⸗ Die Privatzimmer des Gasthofes lagen nach hinten hinaus; schickt in die sauberen Tassen; wenn er aber in den Spiegel sah, man mußte, um zu ihnen zu gelangen, einen kleinen Garten durch- bemerkte er, daß sie mit den Studenten Blicke wechselte, und mit schreiten, zu dem sich ein Pförtchen an der Straßenseite öffnete. seiner Mutter Sprüchlein von der Schönheit und Tugend im Kopfe, Aus dem Gärtchen drang dem Pastor leises, summendes Singen ging er davon, ohne die Heimkunft der Eltern abgewartet zu haben. entgegen, das ihn an ein Wiegenlied und die Verordnung seiner Die schlanke Toni Müller fand er an der Seite ihrer Mutter, Mutter betreffs der Kinderliebe erinnerte und neugierig, wie es emsig in den Modezeitungen blätternd, ringsum schwarze Seide, sonst nicht seine Art war, lugte er um die kleine rothgefärbte Laube weißen Mull und farbige, schimmernde Wollenstoffe ausgebreitet; von wildem Wein, um zu sehen, welch eine junge Kindsmagd dort aus der Nebenstube ertönte ein Klappern von Nähmaschinen. Die mit ihrem Pflegling ihr Spiel trieb. eitle Frau zeigte ihm wohlgefällig den Putz der Tochter; die Toni 5 Es war aber das Lisettchen, das auf einem niedrigen Bänkchen aber lächelte dazu und zog vor dem Spiegel das braune Haar saß und dem dicken, strampelnden Buben der armen Tagelöhnerfrau über die weiße Stirn. Da ging er wieder schnell davon, diesmal vom Hofe mit einem kleinen Löffelchen Milch einflößte. Der un⸗ mit dem Sprüchlein von Sammet und Seide. geberdige Bengel ließ' sich die leckere Kost recht wohl schmecken; als

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