Ausgabe 
25.7.1886
 
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abgelenkt sei. Wenn sie hörte, mit welcher Zärtlichkeit er von seiner Mutter sprach, dachte sie:Wie gut er ist, der Herr Mario, und wie glücklich die sein wird, die er zur Gattin wählen wird! Dann dachte sie an ihren Vater, der immer krank war und an ihr Haus, an ihre Jugend, die sie ohne die Liebkosungen einer Mutter hatte verbringen müssen, und, ganz in ihre häuslichen Sorgen versenkt, beschäftigte sie sich mit nichts Anderem mehr.

Ganz jung noch war sie mutterlos geworden, aber sie war nun auch nicht wie Andere, ein furchtsames Mädchen geworden, sondern hatte sich schnell zur Herrin im Hause gemacht und verstand es, sich

Dies Gerücht gelangte auch Herrn Comelli Valerias Vater zu Ohren, der seinem Sohn nunmehr verbot, Mario in das Haus zu führen oder einzuladen.

Aber würde denn Schlimmes dabei sein, hatte der Sohn ihm geantwortet,wenn Mario Valeria heirathete?

Ich begreife wohl, daß dies bei den jetzigen Zeiten keine schlechte*

Partie sein würde, hatte Comelli erwidert,aber da ist gar keine Gefahr, er thut ausschließlich den Willen seiner Mutter, und Frau Klara ist zu stolz, ich kenne sie, sie würde dergleichen nie zugeben. Meine Tochter würde ganz umsonst kompromittirt werden. Auch

Otto I. von Bayern.

nach sich selber zu richten. Sie hatte eine alte Kammerfrau, welche gleichsam die Gouvernante bei ihr spielte, aber Valeria ließ sich von Niemandem befehlen, und wollte, daß im Hause Alles von ihr oder von ihrem Vater abhinge, so daß die Kammerfrau, die es beklagte, einem so jungen Mädchen unterstellt zu sein, und nicht im Hause, so wie sie wollte, die Herrin spielen zu dürfen, wie sie gehofft hatte, wünschte, Valeria möchte heirathen, um unbeschränkte Gebieterin zu bleiben.

Sie hatte die Bemühungen des Herrn Mario bemerkt und darüber mit einigen Nachbarinnen geredet, so daß Alle in Kürze darauf Acht hatten, wie oft er durch die Straße käme, bemerkten, daß seine Blicke sich immer auf die kleine Terrasse richteten, wo Valeria zu gehen pflegte, um frische Luft zu schöpfen, und daß sich das Gerücht verbreitete, die beiden jungen Leute hätten sich unter einander bereits verständigt.

ich habe meine Eigenliebe, und würde Valeria Keinem geben, der ihren Werth nicht zu schätzen weiß.

Warum kam Mario nicht mehr in ihr Haus? Warum begrüßte

Frau Klara, wenn sie ihr auf der Straße begegnete, sie nicht mehr mit der gewöhnlichen Freundlichkeit, sondern zeigte ihr gegenüber vielmehr eine gewisse Kälte? Das waren zwei Fragen, die Valerias

Köpfchen in Anspruch nahmen, und die sie um jeden Preis hätte

lösen mögen, aber sie wagte nicht, Jemanden darnach zu fragen, sondern behielt Alles bei sich verschlossen.

Mario dagegen war sehr schmerzlich bewegt; er hatte mit Herrn Comelli gesprochen, hatte ihm die Sachlage ernsthaft auseinander

gesetzt, und daß nichts mehr fehle, als die Einwilligung seiner Mutter,

um sein Glück verwirklichen zu können; aber Herr Comelli hatte ihm erwidert, daß er ihm nur als Bräutigam Valerias erlauben

würde, wieder einen Fuß in sein Haus zu setzen; wenn Frau Klara 3 5

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