„Das süße Geschöpf,“ rief Marianne, indem sie sich eilig, wie um ein Unrecht gut zu machen, nach dem Hause wandte.—
Eine fröhliche Mahlzeit vereinte eine Stunde später die ganze, zahlreiche, muntere Gesellschaft. Käte war fast noch mehr als
Marianne selbst der Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit. —„Bist Du nicht wohl, Kätchen?“ fragte der Freiherr ein paar Mal, von ihrer Blässe betroffen.
„Ein wenig überanstrengt vielleicht,“ entgegnete sie in leichtem Ton.
„Ein Ritt in den Wald wird Dich erfrischen,“ schlug Oktav vor,„wie lange saßen wir nicht zusammen zu Pferde!“
„Ach ja, ein Ritt in den Wald!“ stimmte sie bei, den Ernst vergessend, der sie seit der Ankunft in Sassen übermannt hatte. „Komm auch Du mit uns, Veit! Du kannst meinen Algol haben, ich reite den kleinen Fuchs!“—
Ein Chor von lachen— den Stimmen protestirte gegen diesen Plan.— In geheimnißvollen An— spielungen gab man es Käten zu verstehen, wie nöthig ihre Gegenwart bei den Vorbereitungen zu den geplanten Abend⸗ überraschungen sei. Ihre liebliche Erscheinung schien die unterneh⸗ mungslustigen Vettern zu allerlei neuen Ideen begeistert zu haben. Mit stillem, etwas abge⸗ spannten Lächeln gab sie ihre Einwilligung zu allen den geflüsterten Vorschlägen.
„Vor allen Dingen hätte ich Dich gern ein Stündchen, Kleine,“ sagte Marianne.„Ich habe Dich so lange nicht gesehen und werde Dich nun wieder so lange entbehren müssen.“
„Ach, und ich habe Dir viel zu sagen, Dich so viel zu fragen!“ er⸗ widerte sie nachdenklich.
„So kommst Du gleich nach dem Essen ein halbes Stündchen in mein Zimmer. Wir packen mein Brautkleid zusammen aus und Du hilfst mir, es anprobiren. Willst Du?“
Das Gebell der Hunde, die in diesem Augenblick einen neu vorfahrenden Wagen meldeten, lenkte die all— gemeine Aufmerksamkeit von dem erröthenden Mädchen ab. Nur Ma⸗ rianne, die ihre Blicke voll und fragend auf das weiche Oval des lieben, langentbehrten Angesichtes geheftet hielt, fing! das Zucken des schönen Mundes, den schnell aufthauenden
N ö NN
Von Franz Defregger.
Der Erstgeborene. Photographie im Verlage von Fr. Hanfstängl in München.
Augen auf.
Welche Deutung sie jenem Mienenspiel unterlegte, weiß ich nicht und vergebens forschte ich in ihren Zügen danach;— ein leises Lächeln, das um ihre Lippen irrte, war der einzige Wiederschein
einer inneren Bewegung.——— Während dann die Schwestern Arm in Arm den neuen Gästen
Schimmer der beredten'


