Ausgabe 
22.8.1886
 
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er fuhr zurück, täuschten ihn seine Sinne was er da sah eine flüchtige Bleistiftskizze es war sein Bild, daneben stand,

5 zu ebenfalls mit Bleistift hingekritzelt: Was die Seele ganz erfüllt, elt drängt nach Gestaltung, das ist ein Naturgesetz, so darf ich mich aben, nicht scheuen, daß ich die liebsten Züge auf's Papier gebracht, mögen ste. sie mir nun eine Erinnerung oder eine Verheißung bedeuten end gleich viel!

1 Ihn schwindelte; es war ein überwältigendes Gefühl: Glück, and. Freude, namenlose Seligkeit und doch ein grenzenloser Jammer!

Sie liebte ihn und er ja, ja, auf einmal wußte er's, er war

des so lange wie ein Blinder umhergegangen und nun war er sehend ißen, geworden, in Martina lag sein ganzes Glück und doch niemals d niemals konnte sie die Seine werden. Einen Augenblick fühlte er 9 bis 1 sich völlig fassungslos, ihm war es, als müsse er vor ihr nieder daß stürzen und ihr Alles bekennen; doch schon im nächsten hatte er sich ahnt. wieder gesammelt, sie durfte nichts erfahren, nichts ahnen: schweigen war für ihn das Gebot. Hand N Er hatte das Buch rasch geschlossen, nun hörte er auch schon N einen leichten Tritt hinter sich sie war es Fassung, Fassung n um jeden Preis! Noch ehe sie den Erker betrat, war er ihr ent⸗ t, u gegengekommen:Leben Sie wohl, Fräulein Martina, ich muß fort. g G. Er hatte seine Stimme zur Ruhe gezwungen, dennoch mußte hn ihr etwas auffallen, sie sah ihn befremdet an:So schnell? 5Ich erwarte zu Tische einige Freunde, die Zeit drängt, wenn 19 1 ich mich nicht verspäten will. Mein Wagen steht an der kleinen f Gartenpforte. nIch will Sie noch begleiten. Sie nahm den großen Gartenhut vom Tische und ging mit augen ihm hinaus. der Ihn peinigte ihre Nähe, er wollte harmlos plaudern und fand doch kein Wort, das nicht aus der Ueberfülle der Gefühle gekommen Ane wäre, die ihn zu erdrücken drohte. Sie schien indeß nichts zu be⸗ de merken, sondern machte ihn unbefangen hier und da auf einige 5 Blumen aufmerksam und pflückte einige der schönsten Rosen. Sie 110 hatten die kleine Pforte erreicht. 1 6Wie unruhig ihre Pferde sind, sagte sie,es sind junge, ibten muthige Thiere. Sie mahnen mich, daß es höchste Zeit für mich ist. Leben Well Sie wohl, Fräulein Martina. b Sie hatte unterdeß zwei Rosen an ihrer Brust befestigt und kun. reichte ihm die beiden andern.Da, nehmen Sie. Gab. Er ergriff mit den Rosen zugleich ihre Hand und zog sie an enen. seine Lippen.Dank, Martina, und leben Sie wohl. te enAuf Wiedersehen. 5 hl e, Er sprang in den Wagen und sie winkte ihm grüßend zu. m de Ehe der Wagen um die Ecke bog, sah er sich noch einmal um, da u, stand noch die holde Gestalt noch ein Blick, dann war sie ver⸗ ndih schwunden. lieb⸗ Heddenheims Gäste fanden ihn heute besonders gesprächig und 0 heiter und meinten, der Wein aus seinem vortrefflichen Keller munde nk, ihm selbst gut, denn er leerte hastig Glas auf Glas. Er hatte ten durch diese auffallende Lebendigkeit, in die er sich selbst hinein⸗ 1 gesprochen, um den einen Gedanken, der alle andern zu überwältigen aten drohte, zu besiegen, Alle getäuscht, nur Weber nicht, der ihn mit ili forschendem Blick betrachtete. Was mochte den Freund in eine Gl derartig erregte Stimmung versetzen?! blkIhr beiden Unzertrennlichen da, rief Af essor von Lengen, war 6 der sich bereits in der heitersten Stimmung befand, über den Tisch, umiunser hochgelobter Wirth und Sie, weiser Aeskulap, erzählen Sie Bt uns doch, wie es in dem Zauberschloß bei der reichen alten Hexe st nd gaussieht, ich bin verteufelt neugierig. b je un Weber sah, wie die Ader auf Heddenheims Stirn anschwoll, n während er achselzuckend erwiderte:Ich verstehe Sie wirklich nicht, ü. was wollen Sie damit sagen? f 5 on. 5Hüllen Sie sich nicht in den Mantel der Unwissenheit, Ver⸗ 6 M. 1 ehrtester, lachte Lengen,ich brauche Ihnen doch nicht zu sagen, daß es Einen rasend neidisch macht, wenn die Alte, die wie eine Schul Viper ihre schöne Nichte bewahrt, plötzlich Zweien mit einmal die alls Pforten ihrer Burg öffnet. Vor Ihnen war noch Keiner so glücklich, 10 in Ornshagen einzudringen. Sagen Sie uns den Zauberspruch

vor dem das Thor aufspringt.

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Nichts einfacher als das, nahm jetzt Weber das Wort, Heddenheim ist so, wie früher sein Oheim, der geschäftliche Bei stand von Frau von Hartwitz die übrigens eine sehr würdige Dame ist, und die Bezeichnung Hexe, welche Sie ihr angedeihen lassen, durchaus nicht verdient und da sie in ihrem Hause, wie andere Sterbliche auch, eines Arztes bedarf, hat Freund Konrad mich dort eingeführt, das ist die sehr natürliche Lösung des Räthsels.

Vielleicht bedarf man dort gelegentlich auch eines Rechts beistandes, dann gedenken Sie meiner, sagte der Assessor lachend,ich will mich auf's Beste bemühen, Ihrer Empfehlung Ehre zu machen. Es ist geradezu empörend, ein junges schönes Mädchen hier und da an sich vorübersausen zu sehen, wie ein Gedanke, eine Ahnung, und nicht in ihren Gesichtskreis treten zu dürfen.

Beruhigen Sie sich, Lengen, mischte sich Hauptmann von Wandelsloh in das Gespräch,mit dem Beginn der Wintersaison werden Sie Gelegenheit haben, sich auch dieser Dame gegenüber als Kurmacher par excellence zu bethätigen. Frau von Hartwitz wird ihre Nichte natürlich in die Gesellschaft einführen und dann dürfen Sie das Rennen beginnen.

Vielleicht auch nicht, tönte Heddenheims Stimme dazwischen, mir scheint es ebenso zweifelhaft, daß Frau von Hartwitz Fräulein Martina in die Gesellschaft einführen will, wie daß diese Verlangen danach trägt.

Ach, Martina! Ein reizender Name! rief Herr von Wandelsloh, hören Sie wohl, Lengen, man nennt sie bereits beim Vornamen!

Ihre Tröstungen zuvor waren sehr übel angebracht, mein Bester, lachte Lengen,ich werde garnicht Gelegenheit haben, diesem Fräulein Martina meine Huldigungen zu Füßen zu legen, bis zum Beginn der Saison hat Heddenheim längst die Sache in's Reine gebracht; ich werde mir daran genügen lassen müssen, der schönen Frau Heddenheim, sobald erst die Flitterwochen vorüber, meine Be wunderung darzubringen. Lassen Sie Ihre Augen nicht Feuer sprühen, Theuerster, wandte er sich gegen Heddenheim,es soll mit aller Zärtlichkeit geschehen, ohne Ihre Eifersucht zu erregen, man kennt ja Rücksichten gegen seine Freunde.

Sie irren durchaus, entgegnete Heddenheim scharf,und ich muß Sie ernstlich bitten, meinen Beziehungen zu Ornshagen nicht eine Deutung zu geben, die mir ganz fern liegt.

Nun, bester Freund, rief Rath Weller lachend aus,Sie bemühen sich vergeblich zu leugnen, wovon bereits die ganze Stadt spricht: daß demnächst Ihre Verlobung mit Fräulein Weiß proklamirt werden wird. Herr Konrad Heddenheim ist eine zu wichtige Per sönlichkeit in dieser guten Stadt, zu sehr von Müttern und Töchtern begehrt gewesen, als daß man sich mit einer so interessanten That⸗ sache wie seine Verlobung nicht beschäftigen sollte.

Es wirkt geradezu deprimirend, jeden unbefangenen Verkehr mit jungen Damen lähmend, wenn ihm sofort Heirathsgeschichten untergeschoben werden, brach Heddenheim aus,und ich muß Sie dringend ersuchen, wenigstens mir gegenüber, von dergleichen Kom⸗ binationen abzusehen, da sie mit meiner Absicht, überhaupt unver mählt zu bleiben, in direktem Widerspruch stehen.

Nun, nun, ereifern Sie sich nicht so, beruhigte Rath Weller, es war nicht böse gemeint und ich ahnte nicht, damit bei Ihnen einen empfindlichen Punkt zu berühren. Also, auf ferneres, fröh⸗ liches Junggesellenleben.

Er hob sein Glas gegen Heddenheim, der das seine daran klingen ließ. Er hatte die Empfindung, sich durch seine Heftigkeit kom⸗ promittirt zu haben, und bemühte sich, dieselbe durch heitere Leb⸗ haftigkeit vergessen zu machen.

Als die Herren sich spät verabschiedeten, blieb Weber als der Letzte zurück. Er zündete sich noch eine Cigarre an und reichte dann Heddenheim die Hand.Adieu, mein Junge, willst Du mir nicht sagen, was Dich heute so erregte? Denn Du wirst mir nicht einreden wollen, daß es nichts war.

Nein, mein Alter, das will ich nicht, doch auch nicht darüber reden, es muß allein durchgemacht werden.

Gut, wie Du willst. Ein herzlicher Händedruck, und auch Weber ging.

(Fortsetzung folgt.)

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