Ausgabe 
21.2.1886
 
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aber wo ich auch war, überall hin begleitete mich Findling. Im Schneesturm auf den Prairien, auf den Dampfern des Misässippi, in den Straßen von New Nork, überall war er an meiner Seite. Er rettete mir zweimal das Leben. Das eine Mal, als ich mich in den Rocky-Mountains auf der Jagd verirrt hatte und in eine Schlucht gefallen war, wo ich mit verstauchtem Fuße liegen blieb. Findling lief zwanzig englische Meilen weit nach einer Farm und holte von dort Hülfe. Das andere Mal, als mich eine Anzahl Rowdies in St. Louis bei Nacht in meiner Wohnung überfielen, weil ich ihr rohes, gewalt thätiges Wesen in meiner Zeitung gekennzeichnet hatte.

Ich war im fernen Westen, wo oft Wochen vergingen, ehe ich ein deutsches Wort zu hören bekam, wenn dann die verzehrende Sehnsucht nach dem Vaterlande in mir Selbstmordgedanken wachrief, so war es mein treues Thier, das mich vor dem Aeußersten bewahrte. Wie oft habe ich dann, wenn mir das Herz zum Zerspringen voll war, mit ihm im hohen Prairiegras gesessen und zu ihm wie zu einem guten Kameraden von der fernen Heimath gesprochen. Dann sah er mich ernsthaft und unverwandt an mit seinen treuen, klugen Augen, und es lag wie menschlicher Ausdruck in seinem Gesicht.

Er verstand mich auch, nur daß er mir nicht antworten konnte in unserer Sprache. Aber wenn ich schweigend vor mich hinstarrte, strich er liebkosend an mir herum, und wenn auch das nicht half, mich aus meiner Schwermuth aufzurütteln, dann brach er in ein fröhliches Bellen aus, mir vorausspringend in die Prairie, als welle er sagen: Nur muthig vorwärts, es wird noch Alles gut, wir kommen wieder in die Heimath.

Frank schwieg und sah zum Fenster hinaus, nach dem Baum hinüber, unter welchem er heute morgen seinen treuen Begleiter begraben hatte. Wir unterbrachen die ernste Stille mit keiner Frage, un sere Augen hingen mit lebhafter Theil nahme an dem blassen Manne, dessen Geist rückschauend die Erlebnisse seines ereignißvollen Lebens an sich vorüberziehen

der Schrei seines Schmerzes wie seiner Freude, wie vielsagend der Ausdruck seines Auges, seines Antlitzes, seiner Geberden, seiner Be⸗ wegungen ist. Es liegt ein tiefer Sinn in jenen alten deutschen Göttersagen, die den Tapferen in den Gefielden der Seligen seine Waffen, seine Pferde, seine Hunde wiederfinden ließ.

sah. Dann fuhr Frank in der Mittheilung seiner Schicksale fort.Hochmüthige Geister, die dies hören, werden vielleicht darüber lächeln, wie ein Thier der Tröster eines bekümmerten Menschenherzens werden, wie ein Mann mit seinem Hund plaudern konnte. Ach, diese Menschen haben es verschmäht, herabzusteigen zu der stummen Kreatur, der Gott es versagt hat, ihre Gedanken im Wort auszudrücken. Thäten sie es, so würden sie erkennen, wie beredt jene wortlose Sprache des Thieres,

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tödtete man auch oder begrub sie

In jenen Zeiten, da diese Sagen entstanden, das Leibroß, den Hund des todten Mannes mit ihnen.

Damals hatte der menschliche Hochmuth die lebendige Schöpfung noch nicht in zwei Hälften geschnitten, deren einer er einen un⸗ sterblichen Geist und göttliche Vernunft und alle Rechte und Freuden zuertheilte, während er für die andere das Wort Instinkt erfand,