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Athleten rinnen Thränen und lassen dunkle Furchen auf den Wangen
zurück, er hält den Knaben fest an sich gepreßt und fragt heiser,
wo es ihn schmerze. Auch Lisette ist da und hält seine schmächtige Hand.
„Mich friert,“ stöhnt Hendrik.
Rathlos sieht sich Signor Blandini um. Es ist freilich kalt hier und das Wirthshaus ist weit, aber wenn er ihn auf seinen Armen dorthin trägt— freilich Piccolo's Kunststücke muß ihm das Publikum für heute schenken.— Und unter Thränen, baar aller Grandezza und Barschheit, bittet er um die Vergünstiguug, sein verunglücktes Kind forttragen zu dürfen.—
Hendrick liegt, in Piccolo's Decke gewickelt, so lange am Boden und sieht mit den großen offnen Augen wie traumverloren in die Leere. Liese und Käthe sind zitternd an seine Seite geschlichen und sehen ihn an. Sie haben ihn ja so sehr bewundert.— Auch er sieht die beiden schwimmenden Augenpaare dicht vor sich und lächelt ihnen zu. Da eilen sie zurück, fassen die Hände des Vaters und betteln:„Papa, laß ihn zu uns bringen, bis er wieder gesund ist. Du kannst glauben, das Christkind macht ihn uns wieder gesund, wenn wir recht schön darum bitten.“—
Der Amtmann sieht auf seine beiden kleinen weinenden Mädchen. Wie wenn eins von ihnen dort so läge!—— Elternliebe ist überall gleich— sein Haus so nahe.— Er tritt zu dem Gaukler.
„Lassen Sie den Knaben zu mir bringen, dort hat er Pflege und gute ärztliche Behandlung.“——:
Sie bringen ihn in das vornehmste Haus des Dorfes, zum Amtmann; Signor Blandini in seiner Flachsperrücke und Lisette mit den kurzen Röcken folgen ihm. Zu beiden Seiten des Knaben, wie zwei Schutzengel, gehen die Zwillinge.
Die Frau Amtmann hat die Geschenke geordnet, den Baum an⸗ gezündet und als sie auf dem Flur die Schritte der Heimkehrenden hört, öffnet sie schnell die Thüre. Lichterglanz fluthet heraus, leise rauschen im Zugwind die goldnen Ketten und das Rauschgold in der Spitze des Baumes.
Der Knabe, der die Augen geschlossen gehabt, öffnet sie groß und weit, er sieht die Lichter, den Baum.——
„Nun bin ich im Himmel!“ flüsterte er.
„Nein, es ist nur Weihnachten!“ sagte Käthe und streicht liebe— voll über seine kleine kalte Hand. g
„Weihnachten?“— er wiederholte das Wort still mehrere Male. Also hat Lisette nicht gelogen, es ist wahr gewesen, was sie ihm erzählt, nur viel schöner, herrlicher noch, als er es sich geträumt. „Weihnachten,“ sagt er noch einmal und blickt auf den Tannen— baum.—
Der Amtmann und seine Frau unterhandeln mit Signor Blandini, der Knabe soll so lange bei ihnen bleiben, bis er genesen oder— mehr wagen sie nicht zu sagen. Lisette steht unbeachtet in einem Winkel. Große Thränen rinnen aus den Augen, die auf den Baum geheftet sind, durch ihre Seele zieht eine Strophe, die sie in ihrer Kindheit oft, oft gesungen und dann vergessen hat. N
O du selige, o du fröhliche, gnadenbringende Weihnachtszeit!— Sie hat jetzt weder Zeit noch viel Lust gehabt, an ihre Kindheit oder an Weihnachten zu denken, aber der Baum dort greift ihr mit starker Hand an das Herz, so daß es sie ordentlich schmerzt.—
Hendrik war nicht lebensgefährlich verletzt, aber wochenlanges Krankenlager stand ihm bevor und seine bisherige Thätigkeit durfte er nie wieder aufnehmen. Der Amtmann erbot sich, den Knaben zu behalten, und Hendricks Augen leuchteten dabei auf, das Fest hatte ihm einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen, er fürchtete sich vor der kalten Landstraße, dem Seiltanzen und den vielen Leuten.— Auch Signor Blandini hatte von dem Amtmann den Vorschlag erhalten, dazubleiben und seine Fähigkeiten und Kennt⸗ nisse auf andere Weise zu verwerthen, aber er schüttelte den Kopf dazu.
„Ich hielt es doch nicht aus, lieber Herr, der Beifull der Menge, die freie Straßenluft, heute Hunger, morgen Ueberfluß ist mir Lebensbedürfniß,“ sagte er pathetisch und schlug sich mit der Hand auf den Brustkasten, daß es klatschte.„Aber meinen Jungen will ich Ihnen gern dalassen, in ihm steckt nicht das freie Künstler⸗ blut, er denkt zu viel, das taugt nicht für unsern Stand;— Gott lohne es Ihnen!“
So trennten sich Vater und Kind. Der eine, um zu einem nützlichen arbeitsamen Menschen erzogen zu werden, der andere, um selbstbewußt seine Künstlerehre durch die Welt zu tragen. Auch Lisette folgte ihm.
„Es ist zu spät,“ sagte sie traurig und senkte dabei den Kopf, „ich will und muß nun einmal bleiben, was ich bin!“—
An einem regennassen Januartag zog Piccolo den Planwagen zum Dorf hinaus und mit trübselig gesenktem Kopf auf der auf— geweichten Landstraße weiter, stolz schritt Signor Blandini, die Taschen voll Geld, nebenher. Lisette schluchzte leise im Wagen vor sich hin, ihr fehlte Hendrik. Bei der letzten Biegung des Weges drehte sich Signor Blandini noch einmal um und heftete seine Augen auf den Kirchthurm.
„So wie es kommt, ist es am besten,“ sagte er resignirt halblaut vor sich hin.
Die Peitschte klatschte, Piccolo schlägt die Weichen mit dem Schwanz, der Kirchthurm versinkt in Dämmerung und Nebel.—
Ruth.
Novelle von Frida Schanz. 15
In einem der sandigsten, reizlosesten Theile der Mark erbauten zwei Brüder des uralten Grafengeschlechtes Kolmar vor einer langen Reihe von Jahren die zwei Nachbarschlösser Ober- und UnterRotau, deren eines bis heute in der Familie forterbte, während das andere von Hand zu Hand ging und endlich in den Besitz eines Breslauer Kaufmannes kam, der gegen das Ende seines Lebens die Landwirth— schaft, die stets seine Lieblingsbeschäftigung gewesen war, zum Haupt⸗ inhalte seines Lebens machte.
Jedenfalls waren die beiden alten Herren, welche einst den Gründ zu den Besitzungen gelegt, weniger auf ihr eigenes Wohl, als auf das der Nachwelt bedacht gewesen; denn von den wunder— vollen Buchen und Ahornbäumen, den üppigen, blüthenreichen Gras- plätzen, den malerischen Teichen mit ihren zierlichen, weidenbeschatteten Inseln genossen sie selbst wohl nur sehr traurige Anfänge;— jüngere Geschlechter aber dankten ihnen die selbstlose Arbeit und segneten ihr Gedächtniß.
Noch großartiger als im zarten Lenzesschmuck und in bunter Herbstespracht erschienen die Anlagen im Schnee.
Heute, da der Mond die glitzernden Krystalle an den Zweigen mit seinem Zauberlicht überströmt, da die dunkelblauen Schatten der Bäume über die gefrorenen Teiche und Wiesen gleiten und die weite, sternenblitzende Himmelsdecke so traut und schön über dem Ganzen ruht, kann nichts Märchenhafteres gedacht werden, als diese beiden Eilande inmitten der Trostlosigkeit märkischer Föhrenwälder und Landwege.
Ein langgestrecktes, aus Strohhütten bestehendes Dorf liegt zwischen den beiden Besitzungen.— Trüb und röthlich glimmt das karge Licht, das die ärmlichen Stuben erhellt, durch die Eisblumen der Fenster auf den mondhellen Weg hinaus.
Aus dem Thurmzimmer von Ober-Rotau, von wo aus man durch die Buchenstämme hindurch die Dorfstraße entlang sehen kann, spähen zwei ernste, dunkelgraue Männeraugen gedankenvoll in die helle Abendlandschaft.
Seit die Dämmerung hereingebrochen ist und die Buchstaben vor den Augen des Eifrigstudirenden zu verschwinden begannen, steht dieser, rastend von der Tagesarbeit, am Fenster.
Trübe und schwer sinnt er in sich hinein. Eine düstre Falte lagert über seiner Stirn, und die Lippen, die der rothe Bart be⸗ schattet, sind fest und trotzig geschlossen.
Aus den Fenstern des unteren Stockwerkes fällt ein breiter, heller Lichtschein auf die Buchen.— Dort unten liebt man es nicht, lange träumend in der Dämmerung zu rasten. Ein zierlicher, be⸗ weglicher Schatten gleitet in dem Glanzstrom auf und ab, taucht auf und verschwindet. Nun hört man plötzlich einen vollen Klavier⸗ akkord herauftönen, ein paar kräftige, perlende Läufer folgen, und aus dem immer schneller wogenden Getön rinnt feierlich und rein wie klares Gold die ernste, mächtige Melodie eines Volksliedes hervor.
Der Anschlag, der erst männlich sicher erscholl, wird nun fast andächtig zart, und dem finsteren Lauscher wird, ohne daß er's


