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darauf wieder mit dem Baron von Wallhofen. Das Glück dieser zweiten Ehe wird nur durch ein Gebrechen des einzigen Kindes der Sängerin getrübt. Das amerikanische Gastspiel Pauline Lucca's hatte mit glänzenden Erfolgen begonnen, endete jedoch übel. Die Sängerin hatte sich mit einer Operngesellschaft nach der Havanna begeben. Dort fielen die Einnahmen dürftig aus und die Diva ließ ihre Gefährten in bedrängter Lage zurück. Sie selber hatte jenseits des atlantischen Meeres so viel geerntet, daß sie sich einen hübschen Landsitz erwerben konnte. Eine Zeit lang widmete sich die Künstlerin so eifrig der Landwirthschaft, daß man in der Kunst— welt befürchtete, sie habe für immer der Bühne Valet gesagt. Aber
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ihr selbstgeschaffenes Arkadien beglückte sie nicht auf die Dauer. Nach wenigen Jahren der Ruhe kehrte sie zur Kunst zurück. Sie hat nie wieder ein festes Engagement abgeschlossen, allein sie spielt in jedem Winter einige Monate in der Wiener Hofoper und unter— nimmt nebenher Gastspielreisen nach London, Berlin, Petersburg und vielen anderen Städten. Nunmehr gewinnt es den Anschein, als wolle sich Pauline Lucca dauernd in Wien niederlassen, denn sie hat das künstlerisch sehr reich ausgestattete Palais des Grafen Hoyos käuflich erworben und richtet sich dasselbe zur Wohnung ein. n
So liegt ein an Kämpfen aber auch an glänzenden Erfolgen reiches Leben hinter ihr. Aus den untern Volksschichten Wiens hervor— gegangen, hat sie sich einen Weltruf erworben; sie wurde der ver— hätschelte Liebling der aristokratischen Gesellschaft. Begabt mit einem lebhaften Temperament, keckem Humor und vielem Verstand hat sie sich nie bemüht, ihr Wesen zu fälschen, sie bewahrte sich n eine erfrischende Ursprünglichkeit, welche gerade in den verfeinerten Gesell—
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schaftskreisen auffallen und anziehen mußte. In ganz besonderem Grade wußte sie von jeher die Presse zu beschäftigen. Fast scheint es, als sei ihr die Bühne ein allzu beschränktes Terrain, für die Be— thätigung ihrer reichen Begabung Gefallen zu erwecken. Sie ver— steht es meisterlich, Lobredner und Verkünder ihres Ruhmes zu er— werben. Alle Angelegenheiten ihres Privatlebens werden öffentlich besprochen und tritt sie eine Gastspielreise an, so eilen die Interviewer von allen Seiten herbei. Höher als das Dichterwort:„Es soll der Sänger mit dem König gehn,“ steht ihr die Lebensregel:„Mit dem Reporter an der Hand kommt man durch das ganze Land.“ Sie ist bisher eine alarmirende Persönlichkeit gewesen und wo sie als Gast
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Willkommene Einquartierung.
erschien, ertönte das Bimbam der„großen Glocke.“ Börne that einst den Ausspruch:„Um zu gefallen muß man eitel sein; man lernt der Eitelkeit Anderer nur an sich selbst schmeicheln.“ Pauline Lucca versteht die Kunst zu gefallen aus dem eff.
Die kleinen Schlacken ihres Wesens werden indessen überstrahlt durch die glänzenden Vorzüge der Künstlerin. Das gütige Geschick hat sie mit Ausdrucksmitteln fast ebenso reich ausgestattet als die mit ihr in gleichem Alter stehende Adelina Patti. Ihre schöne Bühnen— erscheinung ist heute wie vor fünfundzwanzig Jahren vom Zauber der Jugend und holden Anmuth umflossen. Ihre mit Wohllaut gesättigte Stimme zeigt in der Mittellage eine überraschende Fülle und expansive Kraft und wird in der Höhe zart, fast ätherisch, ohne darum an Reiz zu verlieren. Mit dem edel gebildeten Organ aber verbindet sich eine höchst originelle Darstellungsgabe. Ihr schalkhafter Humor, ihr tiefes poetisches Empfinden und ihre warmblütige Leiden— schaft stehen im Dienst einer kräftigen Phantasie. Darum leistet sie


