Ausgabe 
18.4.1886
 
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zu den

Gberhrssihen Muchrichten.

Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.

Gießen, den 18. April.

1686.

Die Stiefmutter.

Roman von M. Elton. (Jortsetzung.)

III.

Adeline war in ihrem ganzen Glanze ins Elternhaus zurückge⸗ gekehrt, wirklich eine schöne, reizende Erscheinung, nicht allein in den Augen ihres Vaters. Julia war fest entschlossen, ein inniges Verhältniß zwischen sich und der Stieftochter herzustellen, und dem blondlockigen Kinde hatte sie so viel von der Schwester, die es lieb haben würde, erzählt, daß auch die kleine Ellinor mit der ganzen ihr eigenen Innigkeit sich an die große Schwester schmiegte. Schon nach den ersten Tagen fühlte Julia, wie ihr herzliches Entgegenkommen, ihre besten Vorsätze an dem höflichen, überaus artigen Wesen Adelinens abprallten, wie ihre unerschütterliche Zurückhaltung der Stiefmutter gegenüber jeden ferneren Versuch im Keime erstickte. Auch das Kind sah seine vergeblichen Bemühungen ein und blickte enttäuscht der glänzenden Schwester nach, wie sie ihrer Schleppe wieder freie Entfaltung gestattete, nachdem sie sich von der kleinen, zarten Hand losgemacht, welche die ihre so freudig ergriffen. Erkältend berührte es Julien's Herz, als sie zur Ueberzeugung gelangte, daß Adelinens Benehmen gegen sie nie durch den Zufall oder die Umstände ge⸗ leitet worden sei, sondern daß die hartnäckigste Absicht ihr früher wie jetzt ihr Betragen gegen die Fremde diktire. Sie klagte nicht darüber, warum sollte sie den Mann, den sie herzlich liebte, be trüben und beunruhigen; zu ändern war ja nichts an der Situation. Adeline schwebte träumerisch durch die blühenden Gärten, durch Wald und Flur. Sie schien nicht mehr daran zu denken, ihrer Stiefmutter die häuslichen Arbeiten streitig machen zu wollen, sie war ganz und gar eine große Dame geworden. Die beiden Zim⸗ mer, die sie bewohnte, ließ sie allerliebst ausstatten mit einem raffinirten Luxus, der in dem einfachen Hause, in welchem Lindner bis jetzt darauf gehalten, daß Alles so geblieben war, wie es bei seinen Eltern gewesen, ganz sonderbar abstach und in ihr einen Ankömmling besonderer Art mußte vermuthen lassen. Die Familie van Mossel kam seltener, wahrscheinlich zurückgehalten durch den zahlreichen Besuch, der jetzt die Stille des Gutes unterbrach. Die Besuche waren weit ausgedehnt worden, entfernte Gutsbesitzerfamilien wurden aufgesucht und ihnen die glänzende Adeline Lindner vor gestellt. Der Vater war stolz auf seine Tochter und sie kannte kein größeres Vergnügen, als in den lichten duftigen Toiletten in offenem Wagen an seiner Seite zu sitzen und fröhlich in die reiche sommer⸗ liche Welt hinein zu fahren. Ein reicher herrlicher Segen rund um den glücklichen Mann, seine Tochter an seiner Seite so herrlich, daß er selbst mit staunendem Entzücken in ihre leidenschaftlichen uner gründlichen Augen sah, die sie die Gewohnheit hatte, lächelnd, selbst bewußt langsam mit den langen Wimpern zu verschleiern, so als sei es ihr wohlbekannt, wie viel Unheil sie im Stande waren, an

I zurichten. Sie war kaum von mittlerer Größe, ihr Körperbau war

den Hof gemacht.

zart, vollendet, schön abgerundet und Hände und Füße überaus klein und zierlich. Es mußte Adeline einigermaßen in Erstaunen setzen, daß gerade Eduard van Mossel, eine poetisch angelegte Natur und ihr besonderer Freund von ehedem, ihr kühl gegenüber trat. Sie schien es nicht zu bemerken, der Gutsbesitzer aber war fast unwillig darüber.

Die Mama van Mossel muß wohl den gehorsamen Sohn sehr vor der nachbarlichen Nixe gewarnt haben, bemerkte er einmal, als Mutter und Sohn sich eben in Mandsfelt verabschiedet hatten.

Adelinens Augen richteten sich groß auf Julia; sie lachte munter auf und zeigte zwei Reihen blendender Zähnchen, als sie die schwarzen Locken zurückwarf.

Sie hat wieder ihr Geheimniß, sagte Lindner zu Julia und lachte.

Mama versteht mich, rief sie und lachte kindlich ausgelassen. Wir haben hier ein Stückchen Mittelalter, in welchem sich Eduard immer gerne in seinen Dichtungen bewegt hat. Die Verehrung, die er der Dame seines Herzens widmet, die in ihrer blonden Schöne keusch und würdig ihres Eheherrn Gäste empfängt, ist für den Ritter van Mossel allein der Gegenstand seiner Verehrung.

Lindner sah mit Ueberraschung seine Frau an, die unter dem langen verzehrenden Blick Adelinens tief erröthet war. Lindner schien betroffen und dachte daran, wie oft im vergangenen Winter die Nachbarn nach Mandsfelt gekommen waren.

Ich bitte, nicht diese Scherze, Adeline, sagte Julia, besonders empfindlich über ihr unzeitiges Erröthen.Wir spielen hier kein Mittelalter und möchten unseren guten Nachbarn nicht durch derlei Ausschmückungen eines freundschaftlichen Verkehrs den Aufenthalt in Mandsfelt unangenehm machen. Adeline erwiderte nichts, der Postbote trat eben ein und sie nahm Alles in Empfang und begab sich mit einigen an sie gerichteten Briefen hinauf in ihr Zimmer. Wie kühl und heimisch es sie hier umfing! Sie warf sich auf eine schwellende Causeuse und öffnete einen Brief, dessen Handschrift ihr besonderes Interesse zu versprechen schien. Sie überflog die ersten Seiten, bis eine Name ihren Blick fesselte. Die Freundin ihrer verstorbenen Mutter, die an einen höhern Offizier verheirathet war und in deren angenehmem Hause das junge Mädchen das letzte Jahr zugebracht, schrieb ihr:Wir leiden außerordentlich hier von der Julihitze und ich warte nur, daß mein Mann Urlaub bekommt, um eiligst einzupacken. Alles flieht Berlin, deshalb war es um so erstaunlicher, den Lord Graham vor einigen Tagen am heißesten der Tage erscheinen zu sehen. Er kam von den kühlen Seen der Schweiz wohl gerade nur, um zu fragen, ob ich Nachrichten von einer jungen Dame hätte, der er letzten Winter mehr als billig ist, Er hat mir nicht anvertraut, was er eben zu

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